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Lebenszeichen ist der erste Spielfilm von Werner Herzog, erschienen 1968. Als Grundlage für die Filmhandlung diente die romantische Erzählung Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau von Achim von Arnim sowie ein Bericht in der Zeitschrift Der Freymüthige über einen Kriminalfall im Siebenjährigen Krieg.[1]

Inhalt

Handlung

Während des Zweiten Weltkriegs wird der verletzte Wehrmachtssoldat Stroszek mit seinen Kameraden Meinhard und Becker auf die griechische Insel Kos in den Dodekanes beordert. Nach seiner Gesundung besteht die einzige Aufgabe der Männer in der Bewachung einer Festung samt Munitionsdepot. Abseits der Kriegsschauplätze vergeht die Zeit weitgehend ereignislos, sodass sich schnell Langeweile einstellt. Die Gruppe, stets auch in der Gesellschaft von Stroszeks griechischer Ehefrau, sucht sich mit dem Basteln von Feuerwerkskörpern, Anstreichen der Tür und Einfangen von Kakerlaken zu beschäftigen. Vor allem Stroszek leidet unter dieser Tatenlosigkeit, sodass er sich vom Hauptmann zusätzliche Aufträge geben lässt. Bei einer Patrouillemission zusammen mit seinem Kameraden Meinhard erleidet er angesichts eines Tals voller sich drehender Windmühlen einen nervösen Anfall. Die Furcht vor einer imaginären Bedrohung bringt ihn letztlich so weit, dass er seinen Verstand verliert und die anderen mit dem Gewehr aus der Festung jagt. Fortan hält er sich dort verbarrikadiert, droht allen, die sich ihm zu nähern versuchen, und erklärt seine Absicht, die Sonne in Brand zu setzen. Zu diesem Zweck entfacht er weitere selbstgebastelte Feuerwerkskörper, die er auch gegen die Stadt und die Garnison richtet. Da seine Einheit es nicht akzeptieren kann, dass das Munitionsdepot sich in seiner Hand befindet, wird ein Plan entwickelt, um Stroszek zu fangen. Zum Schluss berichtet der Erzähler, wie Stroszek von seinen Kameraden gestellt worden ist und „so elend und so schäbig gescheitert wie alle seinesgleichen“.

Kritik

Im Spandauer Volksblatt vom 14. September 1969 war seinerzeit zu lesen: „Die Darstellung des Schicksals Stroszeks bleibt auf dieser griechischen Insel. Sie hat kaum Gesellschaftsbezug. Und soweit der vorhanden, läßt sich daraus keine Schuld der Gesellschaft ableiten.“[7]

Filmstarts.de schrieb zur Leistung des Hauptdarstellers: „Peter Brogle porträtiert seinen Stroszek zu Beginn mit stoischer Ruhe, unterbricht den Trott dann zunehmend mit kleinen Eruptionen und verglüht schließlich regelrecht im Exzess.“ Weiter hieß es: „Wolfgang von Ungern-Sternberg und Wolfgang Reichmann spielen dagegen scharf an der Grenze zur Karikatur – etwas anderes ließ ihnen das an Absurditäten reiche Drehbuch auch gar nicht erst übrig.“ Fazit: „‚Lebenszeichen‘ ist das Statement eines von Beginn an hochgradig selbstsicheren Autors, eine Kampfansage an die Trivialität des deutschen Nachkriegskinos und ein Ausblick auf Herzogs Kernthemen – bis hin zur Erbfeindschaft mit dem Federvieh, die Herzog über Meinhard auf den Punkt bringt: ‚Mein Gott, hat so ein Huhn einen blöden Ausdruck‘.“[1]

Kino.de war der Ansicht, dass Stroszek, der „allmählich wahnsinnig“ werde, „weil er den Herausforderungen einer grandiosen Landschaft, der Intensität des gleißenden Lichts, der Fremdartigkeit der Menschen und den Zeichen einer uralten Kultur nicht gewachsen“ sei, für Herzog „etwas Titanisches“ gehabt und er „sein Dauerthema gefunden“ hatte.[3]