FilmspiegelFilmspiegel

Der Zug als Ort des Geschehens erweist sich als Klassiker, und ohne Scham bedient sich Dalle seiner filmischen Vorbilder, nimmt sie humor- und liebevoll aufs Korn. Die Story bewegt sich ebenfalls in bekannten, fast schon zwangsläufig vorgegebenen Bahnen: Ein Mord soll stattfinden, und der Zuschauer kann nur tatenlos zusehen. Die Frage ist allerdings weniger, wer der Mörder sein wird, sondern vielmehr, welche Kollateralschäden diese Verschwörung noch so mit sich bringt. Das makabre Arsenal reicht von Giftspritzen über Orangen bis hin zu Sprengstoff, und kaum einer der mitreisenden bleibt verschont.

Wohltuend hebt sich "Verschwörung im Berlin-Express" dennoch von der Konkurrenz dadurch ab, dass all die tödlichen Mißgeschicke, die schwarzen Elemente, nicht gezwungen plakativ und drastisch, also vorhersehbar und blutig, ausfallen, sondern im Rahmen der Möglichkeiten eher unerwartet und mit hinterhältigem Understatement herausgespielt werden. Keine Metzger, keine Kreissägen, keine Blutfontänen, sondern eher kleine, bedauernswerte Versehen...wenn auch mit durchlagender Wirkung.

Ebenfalls wirkungsvoll: die gelungene, dezente Vermischung von Tricktechnik, die auch auf längst überholte Verfahren zurückgreift, um nicht nur die Stimmung der 40er Jahre zu erzeugen, sondern auch den Film entsprechend altertümlich wirken zu lassen. Dieser formale Trick verstärkt die Wirkung insofern, als Filme damals nicht nach diesem Schema funktionierten - es geschehen als fortwährend Dinge, die man, ein bisschen historisches Filmgefühl voraussgesetzt, nie und nimmer erwarten würde, zumindest, bis man den Film durchschaut hat.

Ab diesem Moment ergibt sich leider das Problem zahlreicher Genrevertreter: Die Handlung beginnt sich zu wiederholen, die Neuerung besteht nur noch in einer Steigerung. Dass Dalle hier das Rad neu erfinden würde, war aber auch nicht zu erwarten. Abgesehen von dem pfiffigen Anstaz und einigen neuen Ideen verläuft der Film etwa ab der Hälfte in den gewohnten Bahnen - indes nicht weniger lustig.

Freunde der gepflegten, schwarzen Komödie, Fans des "Mord im Orient-Express", und Hitchcock-Liebhaber dürften jedenfalls ihren Spass haben; für wen "schwarze Komödie" humoristisch verharmloste Gewalt bedeutet, der wird die "Verschwörung" wohl zu lasch finden.

Herrlich schwarze Hommage an große Filmklassiker.


 

 

Weitere interessante Filme: