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Königreich der Himmel ist ein von Ridley Scott inszenierter Monumentalfilm aus dem Jahr 2005. Er erzählt die Geschichte des jungen Schmiedes Balian und basiert frei auf der Geschichte des historischen Balian von Ibelin in der Zeit von 1184 bis 1187.

Inhalt

Handlung

Im Frankreich des 12. Jahrhunderts trauert der junge Schmied Balian um sein verstorbenes Kind und seine Frau, die deswegen Selbstmord beging.

Der Kreuzritter Godfrey von Ibelin kommt mit seinen Gefolgsleuten in Balians Dorf. Er ist der jüngere, kinderlose Bruder des Landesherrn. Bevor er seine Reise nach Jerusalem fortsetzt, besucht er Balian. Godfrey erklärt, dass Balian sein unehelicher Sohn sei, und will ihn mit ins Heilige Land nehmen. Balian lehnt ab und lässt die Kreuzritter ziehen.

Der Priester, der Balians jüngerer Bruder ist und seine Frau bestattete, erscheint in Balians Schmiede, um ihn zum Fortreisen zu bewegen. Nur dort könne er die Qualen seiner Frau lindern, da sie als Selbstmörderin in der Hölle landete. Als der Priester ihm offenbart, seine Frau sei bei ihrer Bestattung enthauptet worden, und Balian am Hals des Priesters die Kette seiner Frau sieht, rammt er ihm ein glühendes Schwert in den Leib und stößt ihn ins Schmiedefeuer. Balian nimmt die Kette an sich und der Priester stirbt in der brennenden Schmiede.

Balian flüchtet aus dem Dorf und schließt sich Godfrey an. Während sie rasten, holt ein Trupp Soldaten sie ein und fordert die Herausgabe Balians. Als Godfrey die Forderung ablehnt, greifen weitere Soldaten aus dem Hinterhalt an. Godfreys Gefolge besiegt die Angreifer zwar, doch auch sie erleiden Verluste und Godfrey wird verwundet. Sie erreichen Messina, wo Godfrey an einer Wundinfektion stirbt. Zuvor reicht er seinen Titel als Baron von Ibelin an seinen Sohn weiter. In Messina trifft Balian zum ersten Mal den arroganten Tempelritter Guy de Lusignan, Anwärter auf den Thron von Jerusalem, der Balian aufgrund seiner Herkunft zutiefst verachtet.

Bei der folgenden Seereise erleidet Balian Schiffbruch, wird aber an die Küste des Heiligen Landes geschwemmt. In der Wüste begegnen ihm zwei muslimische Edelmänner, die ihm sein Pferd streitig machen. Balian tötet den angreifenden syrischen Adeligen Mohammed al-Fayez und verschont den anderen Sarazenen, der sich als Diener des Adeligen bezeichnet. Der Überlebende, nach eigener Auffassung nun Sklave, führt Balian nach Jerusalem. Dort schenkt Balian ihm die Freiheit und auch das Pferd. Sein Begleiter ist darüber verwundert, da dieser nach landesüblicher Sitte auf Ehr verpflichtet war, ihm zu dienen, auch als Sklave, hätte Balian dies gewünscht. Er nimmt das Pferd an und verspricht, dass man seinen Namen unter seinen Feinden kennen wird. Später stellt sich heraus, dass der Überlebende, Imad ad-Din al-Isfahani, ein Zögling von Saladin ist.

Balian verbringt eine Nacht auf dem Berg Golgota, dem Ort der Kreuzigung Jesu, in Trauer um seine Frau. Am nächsten Morgen vergräbt er ihr Kreuz und steigt hinab in die Straßen Jerusalems. Auf einem Basar trifft er auf eine Gruppe Kreuzritter, Soldaten von Godfrey. Der Ritter Almaric erkennt in ihm den Sohn von Godfrey und geleitet ihn in seinen Palast. Hier besucht ihn das erste Mal Sybilla, Schwester des Königs und zukünftige Frau von Guy de Lusignan.

Der Hospitaliter, der Godfrey bereits nach Frankreich begleitet hatte, bringt Balian zu Tiberias, Jerusalems Statthalter und engem Freund Godfreys. Tiberias ist ein treuer Anhänger seines Königs, empfindet aber auch Bewunderung für Saladin und glaubt, dass dieser und Balduin zusammen eine bessere Welt erschaffen könnten. Tiberias lädt Balian an die Tafel des Königs ein. Dort trifft er Sybilla wieder sowie Guy, der nur Spott und Hohn für ihn übrig hat. Nach dem Mahl hat Balian eine Audienz bei König Balduin IV. Obwohl dieser an Lepra leidet, erweist er sich als weitsichtiger und friedvoller Herrscher. Die beiden führen ein Gespräch über Balians Vater, der ein Lehrer Balduins war und als Erster seine Lepraerkrankung erkannte, und über das Gewissen eines Ritters. Am Ende des Gesprächs schwört Balian dem König Treue und nimmt seinen Auftrag entgegen, die Pilger und das Volk Jerusalems zu beschützen.

Anschließend reist Balian nach Ibelin, um das Erbe seines Vaters anzutreten. Er nimmt sich der kargen Ländereien an, in denen Anhänger verschiedener Religionen friedlich nebeneinander leben. Als erste Maßnahme lässt er Bewässerungsanlagen für die Felder bauen, um die Lebensumstände seiner Bauern zu verbessern. Hier bekommt Balian abermals Besuch von Sybilla und die beiden beginnen eine Affäre.

Derweil hat Balduin Mühe, Frieden mit den muslimischen Nachbarn zu halten. Dabei kommt es ständig zu innenpolitischen Auseinandersetzungen mit dem Templerorden, der einen Krieg provozieren will. Immer wieder überfällt der Tempelritter Rainald de Chatillon mit seinen Soldaten arabische Karawanen mit heimlicher Billigung und auch persönlicher Unterstützung von Guy de Lusignan. Der junge, leprakranke König von Jerusalem bemüht sich um Schadensbegrenzung und setzt auf Diplomatie, da ein Krieg gegen die Armee des Sarazenenherrschers Salah ad-Din das Ende des Königreiches Jerusalem wäre.

Währenddessen überfallen Guy und Rainald eine Sarazenenkarawane und bringen so Saladin dazu, mit seiner Armee vor Rainalds Festung Kerak zu marschieren. Dies zwingt Balduin wiederum, mit seiner Armee Saladin entgegenzuziehen, trotz seiner schweren Krankheit. Bevor das Heer Jerusalems die Festung erreicht, trifft Balian mit seinen Männern dort ein und stellt eine sarazenische Vorhut zum Kampf, um zu verhindern, dass diese Zivilisten angreift. Dort trifft Balian Imad ad-Din wieder. Noch bevor Saladin einen Angriff befehlen kann, wird ihm die Nachricht überbracht, dass „Jerusalem“, in Verkörperung von Balduin und dem vereinten Heer der Kreuzfahrerstaaten, eintrifft. Der König erreicht, dass Salah ad-Din kampflos abzieht, indem er verspricht, Rainald zu bestrafen. Anschließend zwingt er Rainald dazu, seiner von Lepra gezeichneten Hand den Friedenskuss zu geben, schlägt ihn mehrfach und lässt ihn in den Kerker werfen.

Die Reise hat den König stark geschwächt und er wird bald sterben. Darum will er Balian mit Sybilla vermählen, um ihn zum König zu krönen. Guy de Lusignan würde wegen Hochverrats hingerichtet werden, da er sich mit Sicherheit weigern würde, Balian Treue zu schwören. Balian lehnt jedoch ab, weil ein solches Vorgehen seinen Idealen eines Ritters widerspräche. Der König nimmt die Antwort überrascht an, akzeptiert diese aber, da Balian die Worte Godfreys zitiert.

Balduin stirbt kurze Zeit später. (Im Director’s Cut wird Sybillas junger Sohn neuer König, sie seine Regentin. Nachdem sie bemerkt, dass auch er an Lepra leidet, vergiftet sie ihn, um ihm den Leidensweg zu ersparen.) Bald darauf krönt Sybilla widerwillig ihren Mann Guy, der Balian ohne ihr Wissen durch Kreuzritter töten lassen wollte, was allerdings misslang. Guy begnadigt Rainald, damit er seine Überfälle auf sarazenische Karawanen fortführen kann. Bei einem Raubzug tötet Rainald die Schwester Saladins und es kommt zum Krieg. Im festen Glauben, dass eine Armee unter dem Kreuz Christi, der mächtigsten christlichen Reliquie, nicht besiegt werden kann, ziehen Jerusalems Soldaten in die Wüste, der sarazenischen Armee entgegen. Lediglich Balian und Tiberias bleiben mit ihren Soldaten zurück.

Die durch Hitze und Wassermangel völlig ausgezehrte Armee Jerusalems wird in der Schlacht bei Hattin vollständig aufgerieben. Saladins Soldaten enthaupten nahezu alle Gefangenen. Die Hinrichtung Rainalds vollzieht Saladin persönlich. Guy wurde von Saladin verschont, da ein König einen anderen nicht tötet. Als Balian und Tiberias das Schlachtfeld erkunden, entschließt sich Tiberias, mit seinem Gefolge nach Zypern zu gehen.

Balian bleibt zurück, um die Verteidigung Jerusalems zu organisieren. Sein Ziel ist, Saladin so lange aufzuhalten, bis er ihm Bedingungen stellen kann. Während der Belagerung schlagen die Verteidiger Jerusalems Angriff um Angriff zurück und fügen Saladins Armee schwere Verluste zu. Dieser hält seinem Zögling vor, dass dieser Balian besser hätte umbringen sollen. Als sogar der Fall der Mauer nicht zur Einnahme Jerusalems führt, möchte Saladin verhandeln. Balian gibt Jerusalem auf. Im Gegenzug erhält die Bevölkerung freien Abzug in christliches Territorium. Als Balian Saladin fragt, was Jerusalem wert wäre, so antwortet dieser zuerst mit „Nichts!“, geht ein Stück und fügt dann „Alles!“ hinzu.

Von Imad ad-Din al-Isfahani bekommt Balian das Pferd überlassen, das er ihm einst in Jerusalem gegeben hatte. Anschließend kehrt Balian zusammen mit Sybilla nach Frankreich zurück.

Einige Zeit später reitet der englische König Richard Löwenherz durch Balians Dorf. Er fragt nach Balian, Verteidiger Jerusalems, den er für die Rückeroberung Jerusalems gewinnen will. Ohne sich unter seinem eigentlichen Namen zu erkennen zu geben, beharrt Balian darauf, er sei lediglich ein einfacher Hufschmied, worauf die Truppe Richards weiterzieht. Schließlich reiten Balian und Sybilla aus dem Dorf dem Horizont entgegen.

Kritik

Der Film erhielt gemischte Kritiken. Das Lexikon des internationalen Films sieht einen „perfekt inszenierten Historienfilm“, der „Werte wie Toleranz und friedliche Koexistenz“ thematisiert und „viele nachdenklich stimmende Zwischentöne“ vermittelt.[9]

Der Filmspiegel bemängelt, dass trotz „der handwerklichen Virtuosität seines Regisseurs“ der „etwas leidenschaftslose Kreuzzugs-Ausschnitt zwischen banalem Action-Film und einem selten spürbaren, monumentalen Epos“ versandet.[10] Katja Nicodemus von der Zeit schrieb, dass das ganze Genre sich nicht mit seinen Vorlagen beschäftige. So habe auch Scott sich „an der Historie verhoben“ und es fehle der „Blick auf eine Epoche, ihre historische Textur und ihre Figuren“. Stattdessen würden „im derzeitigen Schlachtenkino […] die Schauplätze, Epochen und Protagonisten zu reinen Platzhaltern“ für einen „Historienfilm, der episches Erzählen fortwährend mit einer Art visuellem Bodybuilding verwechselt.“[11]

Vor allem lobten Kritiker die glänzende Besetzung der Nebenrollen. Jack Moore beschreibt Edward Nortons König Balduin als phänomenal. Die Darstellung sei so fern seiner bisherigen Rollen, dass die wahre Komplexität seines Talents deutlich werde.[12] Ebenso erhielten Ghassan Massoud und Jeremy Irons gute Kritiken.[13]

Im Laufe der Zeit befassten sich Kritiker ebenso mit Analysen im Kontext aktueller internationaler Ereignisse und religiöser Konflikte.[14] So schreibt Marcus Stiglegger, „die komplexe und höchst politische Geschichte der Kreuzzüge ist eher selten Hintergrund für ein filmisches Historienspektakel gewesen“. Der Plot entspringe „aktuellen Überlegungen“ und „fordert die Verständigung der verfeindeten Religionen gerade am Ort ihrer gemeinsamen Herkunft“.[15]

An den Kinokassen in Nordamerika war der Film ein Misserfolg, während er in Europa die Erwartungen finanziell besser erfüllte. In arabischen Ländern, vor allem Ägypten, war er ein voller Erfolg.[16] Der Director’s Cut auf DVD wiederum erhielt sehr positive Kritiken.[17]