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„If nothing else, "In Good Company" shows that Paul Weitz has the stuff to tell a ruthless story -- and he does, until he loses his nerve. Since most audiences no doubt will prefer his version to the one I imagine, who is to say he is wrong?” - 
[Roger Ebert]
Satte Pointen, aber auch feiner Witz, Besetzung in Bestform, ein essentieller Soundtrack und das gewisse britische Etwas: Mit „About a Boy“ schaffte Paul Weitz mit seinem erst dritten Film vor guten zweieinhalb Jahren einen schleichenden Komödienhit und perfekte Familienunterhaltung. Dass der Streifen so originell daher kam, lag nicht zuletzt daran, dass er sich auf eine Vorlage von Nick Hornby stützte. Dessen Roman „ [High Fidelity] “ war schon vorher ziemlich gelungen auf die Leinwand gebracht worden. Es wäre Weitz nun wirklich zu wünschen gewesen, dass ihm mit seinem vierten Film wieder rundherum sympathische und intelligente Unterhaltung gelingt. Im Grunde ist das mit der unauffälligen Business-Satire „In Good Company“ auch der Fall, aber der letzte Drive fehlt dann doch. Das mag daran liegen, dass Weitz dieses Mal eben nicht den existentiellen Situationshumor von Hornby auf der Schippe hat, sondern das Drehbuch gleich noch selbst schrieb.

Der wesentlichste Bestandteil der Erfolgsmixtur des vorigen Films wird aber gerettet: Die grandiose Besetzung. Über das mimische Talent von Hugh Grant durfte und darf man streiten, in „About A Boy“ lief er, wie alle andere Darsteller auch, überwiegend zu Höchstform auf. Dies gilt gerade auch für „In Good Company“. Schnell wird deutlich, wie viel Spaß beim Dreh bei der Sache gewesen sein muss. Vor allem aber freut, dass Weitz eine die Rolle des moralisch noch integeren Old School-Werbefachmanns mit Dennis Quaid besetzt hat, der seit seinem Glanzauftritt in „ [Far From Heaven] “ ein bemerkenswertes Hoch hinlegt. In Weitz’ Streifen ist er der eigentliche Mittelpunkt, aber Topher Grace als junger Business-Konkurrent und dann potentiell angehender Schwiegersohn dürfte nach dieser Komödie auch im Planer so einiger Regisseur stehen. Scarlett Johansson braucht derweil nicht viel zu tun, „In Good Company“ ist am Ende für sie auch nur einer ihrer vielen Filme in diesem Jahr.

Dass Weitz wieder ein glückliches Händchen bei der Ensembleauswahl bewiesen hat, täuscht leidlich erfolgreich darüber hinweg, dass die gespielten Figuren beim näheren Hinsehen mit Originalität wenig am Hut haben: Quaid mimt den bodenständigen, alten Hasen, den wertkonservativen Familienmenschen in einem seelenlosen Beruf, der in Zahlen, Übernahmen und Machtspielchen eigentlich jede Menschlichkeit zunichte macht; Grace demgegenüber den hyperdynamischen und ebenso erfolgreichen Strahlemanager, der viel wohl Geld, aber Pech im Privatleben und am Ende doch sehr einfache Sehnsüchte hat. Und zwischen den beiden beruflichen Hahnenkämpfern des Vaters die musische Tochter Alex, die ätherische und natürlich einsame Schönheit, nur darauf wartend, dem jungen Werbekasper endlich jene Ruhe zu spendieren, die er so dringend braucht. Alex ist damit der Katalysator, der aus „In Good Company“ eine halbwegs mutige „Synergie“ aus Business-Klamotte und Romanze macht.

Beide Handlungsstränge und deren Konfliktmuster sind dabei gnadenlos absehbar, linear. Aber die Chemie zwischen Quaid und Grace stimmt. So macht das leicht satirische Krisenmanagement zwischen den beiden Spaß und wird emotional sehr plausibel vermittelt. Aber Weitz ist trotz aller feinen, kleinen Momente und willkommener Close-Up-Aufnahmen, die auf ausdrucksstarken Gesichtern ruhen, eben kein Nick Hornby, der neben brillanter, verbaler Situationskomik vergleichbar locker auch existentiellen Witz aus der Feder bringt. „In Good Company“ ist zwar um nett-kluge Dialoge nicht verlegen, aber wirklich satirischer Biss und umwerfende Momente fehlen dann doch – störend wirkt zudem die geringe Offenheit der Entwicklung: Durch die Figurenkonstellation ist das ungefähre Ende unschwer erahnbar. Dan und Carter behaken sich, Carter verfällt logischerweise Dans Tochter und es wird – hier bricht die Logik – letztlich nicht so ganz klar, was das Grundsätzliche ist, das Dan gegen eine Verbindung der Tochter mit seinem „Boss“ überhaupt einzuwenden hat.

Trotzdem: Auf der Habenseite kann „In Good Company“ Figuren verbuchen, die einen angehen; auch wenn Mitgefühl gegenüber einem gerade erst dem Jugendalter entkommenen Porschefahrer einen etwas dekadenten Beigeschmack erhält. Gegen Ende gelingt Weitz dann auch noch der nötige moralische Botschaftsumschwung, die kitschige Absage an das materielle Glück, an die Masche globaler Werbeunternehmen. Das wirkt unfreiwillig ironisch, ist angesichts des Lern- und Selbstfindungsprozesses von Grace auch wiederum schwer berechenbar. „In Good Company“ hält am Ende ein gelungenes Gleichgewicht zwischen satirischen und Elementen einer klassisch gestrickten romantischen Komödie. Auf stets intelligente Weise. Aber konsequent verfolgt werden beide Muster leider nicht. Trotzdem merkt man Weitz nach „About a Boy“ erneut sehr angenehm an, dass er für die besseren, warmherzigeren und lebendigen Komödien verantwortlich ist.

Sympathische Komödienmischung mit gut aufgelegten Darstellern.


 

 

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