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Mathilde – Eine große Liebe (Originaltitel Un long dimanche de fiançailles) ist ein französisches Filmdrama aus dem Jahr 2004, das in der Zeit des Ersten Weltkriegs spielt. Regie führte Jean-Pierre Jeunet, der auch am Drehbuch beteiligt war. Die Hauptrolle wird von Audrey Tautou verkörpert. Der Film basiert auf dem Roman Die Mimosen von Hossegor aus dem Jahr 1991 von Sébastien Japrisot.

Inhalt

Handlung

Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erfährt Mathilde, die als Kind an Kinderlähmung erkrankt war und seitdem nur mit Fixierungsschienen gehen kann, dass ihr Verlobter Manech zu fünf Soldaten gehörte, die wegen angeblicher Selbstverstümmelung zum Tode verurteilt wurden.

Anstatt die Verurteilten unmittelbar hinzurichten, verbannte man sie in das Niemandsland zwischen den im deutsch-französischen Stellungskrieg festgefahrenen Fronten, wo sie weder fliehen noch Unterschlupf und Nahrung finden konnten. Während der folgenden Nacht geschahen einige undurchsichtige Dinge, die Mathilde nun nachzuvollziehen versucht. Zwar findet sie später das vermeintliche Grab Manechs auf einem Soldatenfriedhof, doch niemand kann bezeugen, dass er wirklich in jener Nacht ums Leben kam. So schöpft Mathilde Hoffnung, ihren Verlobten wiederzufinden, und begibt sich auf eine Reise nach Paris.

Sie engagiert einen Detektiv und sucht Personen auf, die an demselben Frontabschnitt mit dem eigenartigen Namen Bingo Crépuscule (Bingo Dämmerung) gekämpft haben wie Manech. Trotz weiterer Geschichten und Hinweise auf den Tod der fünf Soldaten lässt sie sich nicht entmutigen. Darüber hinaus ereignet sich eine Mordserie, die offensichtlich in Zusammenhang mit der Verurteilung der Soldaten steht. Eine andere Frau führt einen Rachefeldzug gegen die Soldaten, die sie für den Tod ihres Liebsten verantwortlich macht. Die Rächerin wird schließlich gestellt, verurteilt und hingerichtet.

Vorerst überwiegen noch die Hinweise auf einen Tod Manechs. Mehrere Personen bezeugen, dass er von einem deutschen Flugzeug erschossen wurde. Doch sein Leichnam konnte nicht gefunden werden.

Als Mathilde einen Überlebenden der fünf Verbannten findet, wird die Hoffnung, dass ihr Geliebter doch überlebt hat, erneut entfacht. Dieser Überlebende hatte seine eigene und Manechs Erkennungsmarke mit denen von zwei Gefallenen vertauscht und den verwundeten Kameraden vom Schlachtfeld in ein Lazarett gebracht, das provisorisch in einem Hangar unter einem wasserstoffgefüllten Prallluftschiff eingerichtet worden war. Bei einem Bombenangriff explodierte das Luftschiff. Es schien ausgeschlossen, dass die in der Halle Eingeschlossenen überleben konnten. Doch Manech befand sich bereits in einem Zug, der kurz vor der Explosion das Lazarett verlassen hatte.

Schließlich erfährt Mathilde, dass Manech tatsächlich noch lebt. Der zur Verurteilung ursächliche Granatschock und die folgenden Ereignisse haben bei ihm eine Amnesie ausgelöst. Er musste sogar Lesen und Schreiben wieder erlernen. Endlich findet Mathilde ihren Geliebten im Haus der inzwischen durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommenen Mutter des Gefallenen, von dem Manech die Erkennungsmarke bekam und die ihn aus dem Sanatorium holte und als ihren Sohn bei sich aufnahm.

Als Mathilde Manech wiedersieht, erkennt er sie nicht, empfängt sie aber freundlich und scheint glücklich zu sein, was auch Mathilde glücklich macht, sodass sie letztlich so nahe wie angesichts der Umstände möglich ans Ziel ihrer Bestrebungen gelangt ist.

Kritik

„Die als postmoderne Collage erzählte Geschichte führt verschiedene Handlungsstränge bravourös neben- und ineinander, wobei Zeiten, Orte und Erzählperspektiven ständig wechseln. Ein fesselnder Film von überbordender visueller und narrativer Fantasie.“

– Lexikon des internationalen Films[1]

„Das Unbehaglichste daran ist gerade die Behaglichkeit, die sich beim Betrachten einstellt. Der Krieg dringt in eine solche Welt nicht als Schock, sondern als Spektakel, das die Erzählerstimme beruhigend ins Register des Schnurrigen überführt.“

– taz.de[5]

„Nur dem Nimbus Audrey Tautous ist es zu verdanken, dass wir uns auch über die ganz dünnen Stellen des Drehbuchs tragen lassen. Nicht schön ist, dass es der Film genau darauf anlegt. Er muss sich durch seinen Star retten lassen. Man weint, aber es reut einen doch ein wenig.“

– zeit.de[6]