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Verschwende Deine Jugend ist ein Buch von Jürgen Teipel, das am 17. Oktober 2001 im Suhrkamp Verlag Frankfurt erschien und den Untertitel Ein Doku-Roman über den deutschen Punk und New Wave trägt.

Der Autor hat in seinem Roman die Erinnerungen von etwa hundert der Musikszene angehörigen Künstlern aufgezeichnet und damit einen Teil der aufkommenden Jugendkultur Punk und die Entstehung der deutschsprachigen Punkmusik, New Wave und Neue Deutsche Welle in den Städten Berlin, Hamburg und Düsseldorf von 1976 bis 1983 beleuchtet. Der Titel des Buches ist vom gleichnamigen Lied der Düsseldorfer Band DAF entlehnt.

Inhalt

Handlung

Form und Themen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch beginnt mit einem vierseitigen Vorwort von Jürgen Teipel. Anschließend unterteilt der Autor in 28 Kapitel, fasst diese in drei Teile, einen Prolog und einen Epilog chronologisch zusammen und reiht, wie er es nennt, „hundert verschiedene Wahrheiten“[2] aneinander.

Jede Anekdote stellt Teipel deutlich als Einzelzitat dar, indem er den Namen des jeweiligen Erzählers in Fettschrift voranstellt. Der Autor tritt weder als Fragesteller in Erscheinung, noch gibt er Kommentare zu den Erzählungen ab. Für das Buch wählt Teipel ausschließlich seine Gesprächspartner aus Berlin, Hamburg und Düsseldorf. Fast alle spielten damals in Bands oder bewegten sich direkt in deren Umfeld. Durch die Anreihung verschiedener, individueller Geschichten und Sichtweisen, die jedoch Bezug zueinander haben und zeitlich aufeinander abgestimmt sind, entsteht eine rückblickende Studie der damaligen Musikszene in Form eines Gesellschaftsromans.

Die Themen befassen sich mit Selbstfindung und Persönlichkeitsentwicklung, Bildung der politischen Meinung, Protest gegen die bestehende Ordnung, Entwicklung der eigenen Sexualität, Freundschaften und Zerwürfnisse untereinander, der Umgang mit Alkohol, Drogen und alle Einflüsse auf die Kreativität der jungen Künstler. Schauplätze sind neben den Übungsräumen der Bands u. a., in Düsseldorf der Ratinger Hof, die Markthalle Hamburg, der Plattenladen „Rip Off“, die „Marktstube“ und das „Krawall 2000“, in Berlin der Dschungel, die „Music Hall“ und das SO36.

Dem Buch sind kurze Anmerkungen zur Biografie jedes Erzählers, sowie eine Zeittafel mit den, von Teipel für die Handlung als wichtig empfundenen Ereignissen von Ende 1976 bis Juli 1983, angehängt. Eine Auswahl von elf Fotos illustriert den Text.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Düsseldorfer Szene stammen: Frank Fenstermacher, Moritz Reichelt, Peter Hein, Martin Kippenberger, Markus Oehlen, Franz Bielmeier, Xao Seffcheque und Muscha von den Bands Fehlfarben, Der Plan, Mittagspause, Charley’s Girls und Family 5; Robert Görl, Wolfgang Spelmanns, Gabi Delgado, Michael Kemner, Pyrolator und Chrislo Haas von DAF; Jürgen Engler und Bernward Malaka von Male, später Die Krupps; Thomas Schwebel, Uwe Jahnke, Harry Rag, Ralf Dörper und ihr Produzent Holger Czukay von S.Y.P.H.; Trini Trimpop, Käptn Nuss, Tommi Stumpf, Meikel Clauss und Tobias Brink von KFC. Des Weiteren äußern sich Campino, Ralf Isbert und Claus Fabian von ZK; Martina Weith von der Frauenpunkband Östro 430, der Fotograf ar/gee gleim und Szenewirtin Carmen Knoebel vom Ratinger Hof.

Aus ihrem Umfeld in Berlin erzählen: Blixa Bargeld, Alexander Hacke und N. U. Unruh von Einstürzende Neubauten; Beate Bartel, Gudrun Gut und Bettina Köster von der Frauenband Mania D, Padeluun und Mike Hentz von Minus Delta t; Inga Humpe und Annette Humpe von den Neonbabies und Ideal; Wolfgang Müller Mitglied der Band Die Tödliche Doris. Es erinnern sich Ben Becker und sein Freund Fetisch Bergmann. Einige Sätze sprechen Nina Hagen und Annette Benjamin, Sängerin von Hans-A-Plast und Burkhardt Seiler, Inhaber des Zensor-Plattenladens und -labels.

Die Hamburger Musikszene vertreten: Margita Haberland, Axel Dill, Frank Z und FM Einheit von Abwärts; Ale Sexfeind von der Band Die Goldenen Zitronen und Thomas Meinecke von F. S. K.; Ralf Hertwig und Thomas Fehlmann von Palais Schaumburg; Timo Blunck, Christian Kellersmann und Detlef Diederichsen von Ede & Die Zimmermänner; Andreas Dorau und Hagar, die zeitweise in Doraus Band gesungen hatte, Gode, Gitarrist bei den Bands „Coroners“, „Front“ und Mona Mur & Die Mieter. Frieder Butzmann Elektroniker/Saxophonist bei „Liebesgier“. Es erzählen zudem Jäki Eldorado, der Sounds-Autor und Inhaber von Zickzack Records Alfred Hilsberg, der Schriftsteller Peter Glaser, die Szenekneipenwirtin Kerstin Eitner und Klaus Maeck Inhaber des „Rip Off“ Ladens und Diedrich Diederichsen, Redakteur der Musikzeitschrift „Sounds“, Mitglied bei „Die nachdenklichen Wehrpflichtigen“ und Flying Klassenfeind.

Kritik

In der Neuen Musikzeitung schreibt Helmut Hein, dass bei Teipel „die Geschichte einer Generation vollkommen ungeschönt daher kommt: als Theater der hundert Stimmen, als unaufhörlich-mäandernde Gedanken- und Gefühls-Collage all derer, die dabei gewesen sind.“[7]

Teipel hat aus der Sicht des Rezensenten Aram Lintzel in der Neuen Zürcher Zeitung „das Problem gut gemeistert, dass sich Begebenheiten aus dem Pop/Punk-Spektrum grundsätzlich einer ‚linearen Geschichtsschreibung‘ verweigern.“[8] Ebenso schreibt Peter Mühlbauer auf Heise online von einer „zeitlich und sachlich strukturierten Sammlung von Oral-History-Geschichtsquellen.“[9]

In der Frankfurter Rundschau kritisiert Jörg Heiser „reichliche Redundanz“, wenn Teipels Gesprächspartner „immer wieder die gleiche stumpfsinnige Geschichte von Abgrenzungsscharmützeln, Kampftrinken und Saalschlachten“ zum besten geben („Die ganze Szene muss von Gruppenparanoia durchdrungen gewesen sein“), spannend findet er den vielstimmigen Chor, der älteren Protagonisten, „wie sie sich vielleicht zum ersten Mal Klarheit über ihre frühen Triumphe und späteren Zusammenbrüche verschaffen“.[10][11]