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Der unsichtbare Dritte (Originaltitel North by Northwest) ist ein US-amerikanischer Thriller, der 1959 von Alfred Hitchcock nach einem Drehbuch von Ernest Lehman gedreht wurde. Ein harmloser Werbefachmann wird in mörderische Geheimdienst­intrigen verwickelt und flüchtet quer durch die Vereinigten Staaten.

Der unsichtbare Dritte zählt zu den populärsten Filmen von Alfred Hitchcock: Er ist einer von vier Hitchcock-Filmen, die es wiederholt, zuletzt 2020, in die Top 100 der 1000 besten Filme auf They Shoot Pictures geschafft haben. Für den online verfügbaren Katalog der 1000 besten Filme wurden über 9000 Listen mit Filmkritiken ausgewertet. Der Film belegt dort Platz 59, Das Fenster zum Hof ist auf Platz 41, Psycho auf Platz 23 und Vertigo – Aus dem Reich der Toten wurde zweiter.[1]

Inhalt

Handlung

Der New Yorker Werbefachmann Roger Thornhill wird während einer Geschäftsbesprechung im Plaza-Hotel von bewaffneten Männern abgefangen. Die Gangster halten ihn für einen Mann namens George Kaplan, den sie gezielt ans Telefon haben rufen lassen. Gerade als der Hotelbedienstete Kaplan ausrufen ließ, hatte sich zufällig Thornhill bei ihm gemeldet, um ein Telegramm aufzugeben. Durch diesen Zufall kommt die auf einer Verwechslung beruhende Geschichte in Gang. Thornhill wird mit vorgehaltener Pistole in ein Auto verfrachtet und zu einer Villa auf Long Island gebracht, deren Adresse und Eigentümer er dort auf einem offen herumliegenden Briefumschlag identifizieren kann. Ein elegant gekleideter Mann betritt sodann, ohne sich vorzustellen, den Raum in Begleitung eines Sekretärs, und Thornhill wird aufgefordert, mit ihnen zu kooperieren. Thornhill lehnt dies strikt ab. Er weiß überhaupt nicht, was die Männer von ihm wollen. Seinen Beteuerungen, dass er nicht Kaplan sei, schenken die Entführer keinen Glauben. Schließlich flößen sie ihm zwangsweise Bourbon ein, setzen ihn in ein gestohlenes Auto und wollen es über eine Klippe rollen lassen.

Doch Thornhill kann trotz seiner Trunkenheit mit dem Auto fliehen und wird vor den verfolgenden Gangstern von der Polizei festgenommen. Der Richter, vor dem er am nächsten Morgen steht, glaubt ihm seine Geschichte nicht, zumal ihm seine Mutter mit offener Missbilligung seines Lebenswandels auch noch in den Rücken fällt. Thornhill macht sich auf die Suche nach den Verantwortlichen. In der Villa finden sich keine Beweise für seine Schilderung. Es stellt sich heraus, dass anscheinend noch niemand, auch nicht das Hotelpersonal des Plaza, George Kaplan gesehen hat. Thornhill erfährt, dass er den Villenbesitzer Townsend bei der UN antreffen könne, und fährt zum UN-Hauptgebäude. Doch ehe der ahnungslose Townsend Thornhill Hinweise geben kann, wird er vor zahlreichen Anwesenden durch einen Messerwurf getötet. Zu Unrecht hält man Thornhill für den Mörder. Nun ist er nicht nur vor den Gangstern, sondern auch vor der Polizei auf der Flucht. Verzweifelt beschließt er, der Spur Kaplans weiter zu folgen. Er macht sich auf den Weg zum Grand Central Terminal.

Während einer Sitzung von Mitarbeitern der CIA wird George Kaplan eine Erfindung genannt, ein nicht existierender Spion, der die Aufmerksamkeit der Gegenseite von dem eigentlichen Spitzel ablenken soll. Um ihren eigenen Agenten nicht zu gefährden, schreitet die CIA nicht ein und überlässt Thornhill auf seiner Flucht sich selbst.

Im Zug nach Chicago lernt Thornhill die junge Eve Kendall kennen, eine attraktive, selbstsichere Frau, die ihn in ihrem Abteil vor der Polizei versteckt und eine Liebesaffäre mit ihm beginnt. Am Ziel wirkt sie abweisend, arrangiert aber für ihn telefonisch ein Treffen mit Kaplan an einer Bushaltestelle auf dem Land. Dort entgeht Thornhill mit Glück den Angriffen eines Sprühflugzeugs. Zurück in der Stadt erfährt er, dass Kaplan bereits vor dem angeblichen Telefonat aus seinem Hotel ausgecheckt hat. Eve, die er dort erblickt, will anscheinend nichts mehr von ihm wissen, führt ihn aber unbeabsichtigt zu einer Kunstauktion, wo er den mysteriösen Fremden aus der Villa wiedertrifft. Er erfährt dessen Namen „Vandamm“ und entdeckt, dass Eve dessen Geliebte ist. Eifersüchtig enthüllt er Eves Verhalten im Zug. Um Vandamms Helfern zu entkommen, die ihn umbringen wollen, stört Thornhill den Auktionsablauf durch massive Provokationen, beginnt eine Schlägerei und wird daraufhin von der Polizei abgeführt. Er wird jedoch auf eine telefonische Anordnung hin nicht zur nächsten Dienststelle, sondern zum Flughafen gefahren. Dort erwartet ihn der „Professor“, ein CIA-Verantwortlicher, der ihm die wahren Zusammenhänge erklärt: Eve wurde vom US-Geheimdienst angeworben und soll wertvolle Informationen über Vandamms Spionageorganisation liefern. Thornhill hat sie durch seine Szene in eine gefährliche Lage gebracht.

Um ihr zu helfen, erklärt sich Thornhill bereit, seine Rolle weiterzuspielen. Eve zeigt in einem Restaurant entgegen ihrem wahren Empfinden, dass sie genug von Thornhills Avancen hat, und erschießt ihn vor den Augen Vandamms zum Schein mit Platzpatronen. Dadurch soll dieser veranlasst werden, Eve auf seine unmittelbar bevorstehende Reise nach Europa mitzunehmen. Doch kurz vor dem Abflug mit einer Privatmaschine deckt „Sekretär“ Leonard den Schwindel auf, woraufhin Vandamm beschließt, Eve aus dem Flugzeug zu werfen. Thornhill, der das Gespräch der beiden heimlich mit angehört hat, kann Eve in letzter Minute retten. Gemeinsam fliehen sie mit einer kleinen Statue, in der Vandamms Spionagematerial versteckt ist, zum nahegelegenen Mount Rushmore National Memorial. Einen der Verfolger kann Thornhill in die Tiefe stürzen, und als Leonard die Statue an sich bringt und seinerseits kurz davor ist, Thornhill und Eve abstürzen zu lassen, wird er von der Polizei erschossen. Dem inzwischen festgenommenen Vandamm, der neben einigen Polizisten und dem Professor stehend das Geschehen verfolgt hat, bleibt nichts, als sich zu beklagen: „Ich finde das nicht sehr fair, richtige Patronen zu gebrauchen.“[2]

Abrupt wird die Szene verändert und Thornhill und Eve finden sich – nun als Ehepaar – im Schlafwagen eines Zuges wieder. Sie küssen sich und der Zug fährt in einen schmalen Tunnel.

Kritik

„Ein brillantes Kinostück mit spannungsvollem Suspense, verblüffenden Kehrtwendungen und spielerischen Überraschungen. Hitchcock vereint auf virtuose, zugleich höchst unterhaltsame Weise alle Qualitäten des Thrillers, des Abenteuerkinos und der Kriminalkomödie und bietet ganz nebenbei eine doppelbödig-ironische Anthologie US-amerikanischer Landschaften, Mythen und Denkmäler.“

– Lexikon des internationalen Films

„Einer der besten Filme von Hitchcock, der alles beinhaltet: Spannung, Aufregung, Geheimnisvolles, eine Liebesgeschichte und nicht gerade wenig Humor. Grant, Saint, Mason und Carroll sind einfach hinreißend in ihren schwierigen Rollen.“

– The Motion Picture Guide

Der Journalist der Saturday Review betonte in seiner damaligen, unmittelbar nach der Premiere erschienenen Filmkritik die Stärke des Drehbuchs:

„Mr Lehman lieferte Hitchcock nicht nur genau die richtige Art von Geschichte, um seine Fähigkeiten zu nutzen, sondern er hat auch das heutzutage Seltene geschrieben – ein Originaldrehbuch für die Leinwand. Es ist also kein Wunder, dass North by Northwest pures Kino ist und auch ein herrlicher Leckerbissen.“

– Hollis Alpert, Saturday Review[15]

Für einen Redakteur des Spiegels stellte sich, nachdem der Film im Dezember 1959 in deutschen Kinos angelaufen war, die Geschichte als „unglaubwürdig“ und „verworren“ dar, die nur durch Hitchcocks Regie gerettet werde:

„Thriller-Spezialist Alfred Hitchcock hat es auch in seinem neuen Film vermocht, eine unglaubwürdige, verworrene Geschichte von Agenten-Machenschaften durch elegante und präzise Regie beträchtlich mit Hochspannung aufzuladen.“

– Der Spiegel[16]

François Truffaut bezeichnete North by Northwest als „die Summe (des) amerikanischen Werks (Hitchcocks).“[3]