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Meine Herren, welch' Überraschung. Konnte man nach dem schwülstigen, teilweise widerwärtig amerikanischen Spielzeugcharakter des ersten Teils der "Spy Kids"-Serie vom unumgänglichen Sequel nur das Schlimmste erwarten, entpuppt sich dieser als unheimlich witziger, sporadisch gar geistreich-ironischer Blick auf die Filmgeschichte, seine etlichen Abenteuer und Spionage-Thriller und nicht zuletzt das Arbeitsumfeld von Regisseur Rodriguez.

Angefangen beim überspitzt-amerikanischen Auftritt von Bill Paxton als Vergnügungspark-Cowboy Dinky Winks über die noch weniger ernstzunehmenden Rollen von Antonio Banderas und Carla Gugino bis hin zur rundum gelungen Islang of Lost Dreams quillt "Spy Kids 2" an Ideen geradezu über. Mit welcher Liebe zum Detail Rodriguez allein eine Hommage an die Spezial Effekt-Legende Ray Harryhausen (der in den 60er Jahren etliche Sindbad-Abenteuer und Sagen-Adaptionen mit Stop-Motion Kreaturen bevölkert hat) inszeniert hat, ist für den Kenner eine wahre Freude und bereits den Eintritt wert. Hier werden Schweine mit Vögeln, Kühe mit Fröschen, Affen mit Krabbeltieren gekreuzt, ein durch Steve Buscemi herrlich nerdiger Wissenschaftler eingeführt, mit beißend trashigen Skeletten gekämpft und Indiana Jones-Statuen stiebitzt. Dazwischen findet Rodriguez Zeit für "the one necklace to rule them all", High Tech-Uhren, die alles können (nur nicht die Zeit angeben) und einen Showdown zwischen Banderas und seinem Widersacher, der an Slapstick kaum zu überbieten ist. Und wenns dann am Ende mit der Selbstironie nicht reicht, werden ein paar Outtakes angehängt, deren Existenz endlich mal wieder berechtigt ist.

Bei "Spy Kids 2" scheint das gesamte Team derart viel Spaß gehabt zu haben, dass es auf der Leinwand fast nicht mehr gespielt wirkt, scheint Rodriguez all die Ideen, die er im ersten Teil (mit Rücksicht auf ein skeptisches Studio) nicht unterbringen konnte, noch realisiert zu haben und jedes Mitglied seines Cast sich in seiner Rolle wohl zu fühlen. Aus diesem Grund macht es auch gar nichts, dass das Budget von knapp 30 Mio.$ die Fülle an Effekten und Bluescreen-Aufnahmen nicht bewältigen konnte, und die Arbeit des FX-Teams desöfteren mehr als bescheiden ist. Und dennoch gilt auch hier: gerade auf der Insel mit ihren Harryhausen-Kreaturen scheint Rodriguez sporadisch keine besseren Effekte gewollt zu haben - der Charme und Sinn seiner Hommage wären sonst dahin.

Und dennoch sei am Ende eines klargestellt: Spaß an diesem Film dürften die wenigsten (Erwachsenen) haben. Dem Gelegenheitskinogänger werden etliche Anspielungen entgehen, wird sich über die dämliche Story aufregen, die miesen Effekte bemängeln und vermutlich gar die Ironie des Ganzen verpassen. Der ganze Streifen ist aus der Filmgeschichte zusammengeklaut und munter gemischt worden, aber im Gegensatz zu mancher Konkurrenz vergisst Rodriguez die Herkunft seiner Ideen nicht und ironisiert mehr als gekonnt.

Grandios-ironische Hommage an die Filmgeschichte.


 

 

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