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Kanak Attack ist eine deutsche Literaturverfilmung von Lars Becker aus dem Jahr 2000. Ihre Vorlage ist der Roman Abschaum – Die wahre Geschichte von Ertan Ongun (1997) von Feridun Zaimoğlu.

Inhalt

Handlung

Als Episodenfilm angelegt, erzählt Kanak Attack wie seine Vorlage das Leben von Ertan und Kemal, zwei jungen Kielern türkischer Abstammung der zweiten und dritten Generation in einem kriminellen Milieu. Während der Vater Ertans noch einer ehrlichen Arbeit nachgeht, besteht das Leben Ertans und Kemals aus Drogentrips, Drogengeschäften, Geldeintreiben und gelegentlichen bewaffneten Raubüberfällen. Ertan beschreibt sein Leben dabei nicht als „Geschichte“, sondern eher als „Zustand“. Der Film beginnt mit dem Tode eines Freundes, der als Zuhälter arbeitet, und wegen des Streits um eine Rolex von einem zwielichtigen Pfandleiher erschossen wird. Die beiden Prostituierten Sandra und Yonca suchen sich Ertan als neuen Beschützer, der von der Idee aber nicht begeistert ist. Ertan und Kemal geraten daraufhin mit dem Türken Attila, der ein Bordell betreibt, aneinander, der die Prostituierten gerne selber übernehmen möchte. Ertan und Kemal überfallen im Drogenrausch eine Spielothek und geraten in Polizeigewahrsam. Dort wird Kemal von der Polizei zusammengeschlagen und in die Türkei abgeschoben. Ertan besucht ihn in Istanbul und leiert neue Drogengeschäfte an: Er plant Drogen von der Türkei nach Deutschland zu schmuggeln. Nach Deutschland zurückgekehrt eskaliert die Situation zwischen ihm und Attila zusehends. Attila versucht Ertan zu ermorden und bei späteren Zusammenstößen töten Attila und dessen Schläger Ertans Freund Mehdi. Ertan und Kemal, der zwischenzeitlich nach Deutschland zurückgekehrt ist, werden wegen Drogenhandels angeklagt, und nachdem Kemal gegen Ertan ausgesagt hat, werden beide zu einer Haftstrafe verurteilt. Yonca, die in Ertan verliebt zu sein scheint, besucht diesen im Gefängnis. Er behandelt sie jedoch abweisend, da sie keine Drogen für ihn schmuggeln will. Als Kemal und Ertan wieder entlassen werden, leben sie ihr kriminelles Leben weiter. Nach einem nicht sehr lukrativen Raubüberfall auf ein Fast-Food-Restaurant treffen sie wieder auf Attila. Dabei kommt es zum Showdown zwischen Ertan, Kemal und Attila. Kemal wird erschossen – unklar ob versehentlich von Ertan oder Attila – woraufhin Ertan Attila erschießt. Ertan landet in einer Verhörzelle und spricht mit der Polizei.

Kritik

Blickpunkt Film sah in Kanak Attack „modernes und hochaktuelles, packendes und rasantes Kino, das formal an Tom Tykwers Lola rennt erinnert, inhaltlich aber weit mehr an Substanz und Zündstoff zu bieten hat“. An „die vitalen, trashigen US-Blacksploitation-Filme der siebziger Jahre“ erinnert fühlte sich gar der Tagesspiegel und stellte fest: „Auch Minderheiten haben ein Recht auf Kriminalität.“ Der filmdienst sah diesbezüglich hingegen „ein (…) Vorurteile bekräftigendes Bild der (kleinkriminellen) zweiten und dritten türkischen Migranten-Generationen, das auch durch (einen) dramaturgisch geschickt vorangetriebenen Genre-Mix nicht aufgefangen wird.“[1]