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Prinzessin Mononoke (japanisch もののけ姫 Mononoke Hime, dt. etwa „Dämonenprinzessin“) ist ein japanischer Zeichentrickfilm (Anime) von Hayao Miyazaki und dessen Studio Ghibli aus dem Jahr 1997.

Wie auch andere Filme von Miyazaki thematisiert Mononoke Hime die Umweltzerstörung und die Frage, ob es eine echte Koexistenz von Mensch und Natur geben kann. Ein weiteres Leitthema ist eine Kritik über den Umgang mit Lepraerkrankten.[3]

Inhalt

Handlung

Ashitaka, der junge Prinz eines Emishi-Stammes, wird bei der erfolgreichen Verteidigung seines Dorfes gegen den Angriff eines zum Dämon gewordenen Keilers von einem tödlichen Fluch befallen. Auf der Suche nach Heilung reist er weit in den Westen und gelangt schließlich in die Heimat des Keilers Nago, eines ehemaligen Beschützers des Waldes. Er gerät zwischen die Fronten eines Krieges zwischen den Arbeitern einer Eisenhütte, die den Wald abholzen und Metalle abbauen, und den Tiergöttern und Tieren des Waldes, die ihr Territorium verteidigen.

Dabei trifft Ashitaka auf das bei den Wölfen lebende Mädchen San (Prinzessin Mononoke), die auf der Seite der Tiere kämpft. Ihre Gegnerin ist die machthungrige Herrin Eboshi vom Klan der Tatara, die die Bewohner der Eisenhütte vor den Angriffen der Tiere und Tiergötter schützen will. Sie versucht, mit den in den Eisenwerken hergestellten Feuerwaffen den Fürsten Asano zu besiegen und ihren Einflussbereich auszuweiten. Ashitaka versucht, zwischen den Parteien zu vermitteln und Eboshi daran zu hindern, den Waldgott zu töten, dessen Kopf sie dem Tennō bringen soll. Der Kopf des Waldgottes soll Gerüchten zufolge Unsterblichkeit verleihen. Der Tennō bietet Eboshis Stadt im Gegenzug Schutz vor den ständigen Angriffen der benachbarten Daimyō. Während eines nächtlichen Überfalls von San wird Ashitaka durch den Schuss einer Dorfbewohnerin tödlich verwundet und von San zum See des Waldgottes gebracht, der ihm zwar das Leben rettet, allerdings nicht von seinem Fluch befreit.

Während der noch immer sehr schwache Ashitaka in den nächsten Tagen von San gepflegt wird, bereitet sich der mächtige Stamm der Wildschweine auf eine letzte Schlacht mit den Menschen vor, um der Abholzung des Waldes ein Ende zu setzen. San entscheidet, gemeinsam mit den Wildschweinen und ihren Wolfsbrüdern in die Schlacht zu ziehen. Währenddessen macht sich Eboshi mit Jägern auf in den Wald, um den Waldgott zu töten, der am Tag die Gestalt eines Hirsches mit menschlichem Gesicht hat. Alle Wildschweine werden im Kampf getötet und der blinde Okoto, der Anführer der Wildschweine, schwer verletzt. Als San versucht, ihn zum Waldgott zu bringen, bricht Okoto aufgrund seiner Verletzungen zusammen. Durch das Zutun der Jäger, die sich unter den Fellen der toten Wildschweine versteckt halten und sich mit deren Blut eingerieben haben, glaubt Okoto, seine Krieger seien aus dem Reich der Toten zurückgekehrt und droht ebenfalls zu einem rasenden Dämon wie Nago zu werden. San, die ihn beschützen will, wird ebenfalls vom Fluch getroffen. Am See des Waldgottes angekommen, stößt der genesene Ashitaka auf Sans Ziehmutter, die Wolfsgöttin Moro, die, von Eboshi verwundet, im Sterben liegt. Als Okoto dazukommt, beruhigt er sich wieder, und der Waldgott saugt ihm das restliche Leben aus. Eboshi versucht, den Waldgott zu töten, was misslingt, da Ashitaka sie zunächst davon abhalten kann. Dieser hat mit Moros Hilfe die bewusstlose San aus Okotos Gewalt befreit und versucht, sie aufzuwecken. Als es Nacht wird, verwandelt sich der Waldgott in einen Daidarabotchi, eine Art riesenhaften Nachtwandler. Während dieser Verwandlung schießt Eboshi ihm den Kopf ab. Sein kopfloser Körper verwandelt sich in eine schleimige Substanz, die allem das Leben aussaugt, was mit ihr in Berührung kommt. Die halbtote Wolfsgöttin reißt Eboshi mit letzter Kraft den rechten Arm ab und rächt sich dadurch für die Zerstörung des Waldes. Durch den Schleim wird die Eisenhütte und fast der ganze Wald zerstört. Erst als Ashitaka und San dem Waldgott den Kopf wieder zurückgeben, verschwindet dessen zerstörerische Gewalt und er lässt aus den Resten des Waldes und den Ruinen der Stadt neues Leben sprießen, wobei er selbst allerdings seine körperliche Gestalt verliert, da er sich, obwohl die Sonne bereits aufging, noch immer in der Gestalt des Nachtwandlers befand. Der Waldgott erlöst Ashitaka und San von deren Fluch.

Herrin Eboshi will die Stadt wieder aufbauen, diesmal, wie sie selbst sagt, jedoch eine „gute Stadt“. Ashitaka bietet San an, in der Eisenhütte zu leben, sie kann den Menschen aber noch nicht vergeben, und so will sie im Wald bleiben, aber er in der Eisenhütte leben, damit sie sich häufig besuchen können.

Kritik

„Zeichnerisch wie erzählerisch herausragender Zeichentrickfilm, der die Tradition japanischer Animes weiterentwickelt, ohne sich auf ein plakatives Gut-und-Böse-Schema festzulegen. In einigen Kampfszenen fällt die Darstellung von Grausamkeiten für jüngere Zuschauer allzu deutlich aus.“

– Lexikon des internationalen Films[11]

„Hayao Miyazaki gelingen nicht nur atemberaubende Bilder und temporeiche Action-Szenen, sondern auch mehrschichtig gezeichnete Figuren, deren Charaktere nicht in das für Märchen übliche eindeutige Gut-Böse-Schema passen. So ist San keineswegs die moralisch überlegene Heldin und Eboshi ebenso wenig nur die ausbeuterische Herrin. Gerade die Brüche der klassischen Klischees machen diese Figuren ausgesprochen interessant. Vor dem Hintergrund des Kriegs mythischer Tiergötter gegen die Menschen greift Miyazaki auf eines seiner Hauptthemen zurück und mahnt – ohne belehrend zu klingen – das friedliche Zusammenleben zwischen Mensch und Tier, Technik und Natur an. Er verzichtet darin bewusst nicht auf die Darstellung von Gewalt, bettet diese aber immer in den Rahmen der Handlung ein.“

– Top-Videonews[12]

„Wenn sich der Zuschauer in der ihm fremden fernöstlichen Mythologie und Mentalität erst einmal zurechfindet, wenn er nicht mehr stutzt angesichts der Lakonik, mit der z.B. Gewaltszenen dargestellt werden, dann wird er entschädigt durch einen facettenreichen Animationsfilm, der nicht nur ein Märchen mit ökologischer Botschaft erzählt, sondern auch zahlreiche Nebenhandlungen mit ironischer Brechung aufweist. Dabei wird eine Schwarz-weiß-Zeichnung - die „gute“ Natur und die „böse“ Zivilisation - vermieden. Statt dessen handeln alle Figuren nach ihrer eigenen Logik und ihren eigenen Interessen. Zudem wird die Geschichte optisch opulent und in der Zeichnung der Figuren einfallsreich umgesetzt. Die Tongestaltung ist sorgfältig und erlaubt sich inmitten des vielen Kampfgetümmels gelegentlich sogar absolute Stille. Von einer Minderheit wurde dagegen die überlaute Musik sowie der Umstand kritisiert, daß sich der Zuschauer angesichts der vielen Mythen nur schwer zurechtfinden kann.“

– Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) („Prädikat wertvoll“)[13]