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Lola rennt ist ein deutscher Actionthriller des deutschen Regisseurs und Filmproduzenten Tom Tykwer aus dem Jahr 1998 mit Franka Potente und Moritz Bleibtreu in den Hauptrollen. Der Film zeigt dreimal dieselbe Zeitspanne von 20 Minuten, jedes Mal mit kleinen Detail-Unterschieden, die die Handlung jeweils zu einem völlig anderen Ausgang führen (Schmetterlingseffekt in einer Form ähnlich einer Zeitschleife).

Kinostart des Films in Deutschland war am 20. August 1998.[2] Im deutschen Free-TV war er erstmals am 11. Oktober 2001 auf Arte zu sehen.[3]

Inhalt

Handlung

Intro[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte spielt in Berlin und beginnt mit Lolas Freund Manni, der als Kurier für einen Hehler arbeitet und sie aus einer Telefonzelle anruft. Er hat eine Plastiktüte mit 100.000 Mark versehentlich in der U-Bahn liegen gelassen, mit der er ungewollt fahren musste, weil Lola ihn nicht wie abgesprochen abgeholt hatte (ihr Moped war gestohlen worden, während sie Zigaretten geholt hatte). Manni ist sicher, dass ein Obdachloser, der in derselben U-Bahn gefahren ist, das Geld an sich genommen hat. Da dieser Job als Vertrauenstest nach einem vorangegangenen Fehlschlag gilt, muss Manni das Geld unbedingt abliefern. Lola beschwört ihn, noch 20 Minuten bis Punkt 12 auf sie zu warten, ihr werde ein Ausweg einfallen. Manni verspricht es, doch um 12 Uhr werde er den Supermarkt gegenüber der Telefonzelle überfallen, falls Lola bis dahin nicht eingetroffen sei. Lola beschließt nach kurzem Nachdenken, ihren Vater, Filialleiter der „Deutschen Transfer Bank“, um Hilfe zu bitten.

Im Hauptteil verfolgt der Zuschauer drei Mal hintereinander, wie Lola durch die Stadt rennt und zunächst ihren Vater und dann Manni aufsucht. Jeder der drei Läufe beginnt damit, dass nach ihrem Telefonat mit Manni der Hörer auf die Gabel fällt, doch dann entwickeln sie sich leicht unterschiedlich, wodurch auch das Leben der Leute, auf die Lola stößt, in verschiedener Weise weitergeht – letzteres wird bei den jeweiligen Begegnungen in schnellen Fotosequenzen gezeigt.

Lolas Läufe sind jeweils durch eine einprägsame Musik aus Techno- und Trance-Elementen unterlegt, welche Variationen des immer selben Motivs darstellen.

Erster Lauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lola trifft im Treppenhaus auf einen Jungen mit einem aggressiven Hund, vor dem sie kurz zurückschreckt. An einer Straßenecke rempelt sie eine Frau mit Kinderwagen an und wird von ihr beschimpft. (Fotosequenz: Das Kind wird der Frau von der Polizei weggenommen und der richtigen Mutter ausgehändigt, die Frau stiehlt erneut eines aus einem kurz unbewachten Kinderwagen.) Später rennt Lola neben einem Fahrradfahrer her, der ihr sein Fahrrad zum Kauf anbietet. Sie lehnt ab. (Fotosequenz: Er wird auf seinem Fahrrad überfallen und zusammengeschlagen, dann heiratet er seine Krankenschwester.) Lola läuft knapp vor dem aus einer Grundstückseinfahrt kommenden Auto von Herrn Meier vorbei, einem Kunden ihres Vaters, der, dadurch abgelenkt, auf der Straße mit einem BMW kollidiert, dem drei Schlägertypen entsteigen, und dadurch seinen Termin mit Lolas Vater verpasst. An einer Straßenecke läuft sie, ohne es zu wissen, an genau dem Obdachlosen vorbei, der Mannis Geldtasche gefunden und mitgenommen hat. In der Bank trifft Lola zunächst auf eine Bankangestellte am Kopierer (Fotosequenz: Sie wird bei einem Unfall schwer verletzt, muss im Rollstuhl sitzen und tötet sich selbst). Als Lola ihren Vater um das Geld anfleht, lacht er sie aus und teilt ihr mit, dass sie ein Kuckuckskind sei, dass er es satt habe, immer für alles zahlen zu müssen, und dass er die Familie für eine Arbeitskollegin verlassen werde. Er lässt sie hinauswerfen. Währenddessen versucht Manni mit einer von einer blinden Frau geliehenen Telefonkarte vergebens, sich von Freunden das Geld zu beschaffen. Lola läuft neben einem Rettungswagen her, der noch knapp vor einer langen Glasscheibe bremsen kann, die von vier Personen über die Straße getragen wird. Um Punkt 12 biegt Lola um die Straßenecke zum Treffpunkt und sieht nur noch, wie Manni mit dem Überfall auf den Supermarkt beginnt. Auf ihren Ruf reagiert er nicht. Als er von einem Sicherheitsmitarbeiter gestellt wird, schlägt sie diesen von hinten nieder und beteiligt sich am Überfall. Beide fliehen mit dem Geld und den Waffen, werden jedoch bald von der Polizei gestellt. Resignierend schleudert Manni die Tüte mit der Beute in die Luft, wodurch ein junger Polizist abgelenkt wird, aus dessen Waffe sich ein Schuss löst und Lola in die Brust trifft. Sie fällt sterbend auf die Straße.

In einer Zwischensequenz liegen Lola und Manni nebeneinander im Bett und rauchen. Auf seine Beteuerungen, sie sei die beste Frau der Welt, antwortet sie mit der Frage, wem er das sagen würde, wenn sie sich nie getroffen hätten, und ob ihre Beziehung nicht doch nur ein Zufallsprodukt sei.

Das Bild blendet zurück in Lola, die verletzt auf der Straße liegt und sich nun weigert, diesen Ausgang der Geschichte zu akzeptieren.

Zweiter Lauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fallende Tüte mit der Beute verwandelt sich in den fallenden Telefonhörer, Lola rennt erneut los. Im Treppenhaus stellt der Junge ihr ein Bein, wodurch sie die Treppe hinunterfällt und im Folgenden leicht humpelt. Wieder prallt sie mit der Frau mit dem Kinderwagen zusammen (Fotosequenz: sie füllt einen Tippschein aus, gewinnt Millionen und fängt mit ihrem Partner ein neues Leben an) und trifft auf den Radfahrer, bezichtigt ihn aber diesmal, das Rad gestohlen zu haben (Fotosequenz: er lebt auf der Straße und stirbt an einem Goldenen Schuss). Über Herrn Meiers Motorhaube läuft sie nun einfach hinweg, dessen Unfall sich dennoch ereignet. Am Obdachlosen an der Straßenecke läuft sie dieses Mal nicht nur vorbei, sondern rempelt ihn an. Wegen des Sturzes im Treppenhaus kommt sie etwas später als beim ersten Lauf in der Bank an, was der Geliebten ihres Vaters genug Zeit gibt, ihm zu gestehen, dass sie von jemand anderem schwanger ist. Die zwei geraten in Streit, in den Lola platzt und der sie nach einem Wutausbruch zu dem Entschluss bringt, ihren Vater mit der Pistole des Sicherheitsmenschen zur Herausgabe der benötigten Summe zu zwingen (Fotosequenz: Die Bankangestellte am Kopierer verliebt sich nun in den Kassierer, sie werden ein Paar). Die Flucht gelingt ihr, weil sie von der Polizei, die die Bank bereits umstellt hat, für eine entkommende Geisel gehalten wird. Sie bittet den Rettungswagenfahrer, sie mitzunehmen, doch dieser lehnt ab und fährt dadurch in die über die Straße getragene Glasscheibe hinein, die zersplittert. Als Lola sich Manni nähert, der gerade den Supermarkt betreten will, reagiert er auf ihren Ruf, bricht sein Vorhaben ab und kehrt um. Als die beiden über die Kreuzung aufeinander zu laufen, wird Manni von dem Rettungswagen überfahren und tödlich verletzt.

In der folgenden Zwischensequenz stellt Manni Lola Fragen und möchte wissen, ob ihr Leben im Falle seines Todes nicht trotz ihrer Liebe zu ihm ganz normal weiterginge. Lolas Antwort „Du bist aber noch nicht tot“ leitet über zum dritten Lauf.

Dritter Lauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lola springt im Treppenhaus über den Jungen hinweg und kollidiert draußen nicht mit der Frau (die sich darüber zu wundern scheint), stürzt aber nun über Herrn Meiers Motorhaube und bleibt kurz auf dieser liegen, was den Unfall mit dem BMW verhindert. Offenbar sind Lola und Herr Meier einander bekannt. Der Radfahrer verkauft sein Fahrrad dem Obdachlosen. Da Herr Meier diesmal zu seinem Banktermin pünktlich erscheint und mit Lolas Vater wegfährt, trifft Lola ihn nicht mehr an. Der Sicherheitsmensch der Bank macht ihr gegenüber eine anzügliche Bemerkung und erntet einen eiskalten Blick. Ihm wird unwohl, sein Herzschlag beschleunigt sich. Manni wird an der Telefonzelle von der blinden Frau mit einer Kopfbewegung auf den Obdachlosen mit der Plastiktüte hingewiesen, der auf seinem Fahrrad an ihnen vorbeifährt. Manni rennt ihm nach und verursacht dadurch eine Kollision von a) dem Wagen, in dem Lolas Vater und Herr Meier sitzen, b) dem BMW, mit dem Herr Meier in den anderen Läufen kollidiert ist, und c) dem Mann, der ganz zu Anfang Lolas Moped geklaut hat. Die nun ratlose Lola bittet in Gedanken Gott um Hilfe und läuft mit geschlossenen Augen weiter, wird auf der nächsten Kreuzung fast von einem LKW erfasst und erblickt gegenüber das Spielcasino. Dort setzt sie beim Roulette mit ihren letzten (knapp) 100 Mark zweimal hintereinander auf Zahl, gewinnt beide Male, lässt sich ihren Gewinn – fast 130.000 Mark – auszahlen und steigt dann hinten in den Rettungswagen, der vor der Glasscheibe hält. Darin liegt der Sicherheitsmensch der Bank und bekommt Herzmassage. Lola ergreift seine Hand, worauf sein normaler Herzschlag wieder einsetzt. Als Manni den Obdachlosen mit seiner Pistole stellt, verlangt er sein Geld zurück, was der ihm im Tausch gegen die Pistole bereitwillig überlässt. Lola trifft Manni an der Telefonzelle nicht an und hält nach ihm Ausschau. Er steigt kurz darauf aus einer schwarzen Limousine – er hat das Geld abgeliefert und das Vertrauen seines Hehlers wiedererlangt. Manni und Lola gehen zusammen davon. Er fragt sie, ob sie gerannt sei und was sie in der Tasche habe (ihren Casinogewinn). Akustisch wird eine weitere Fotosequenz mit Schnappschüssen der Zukunft angekündigt, aber diesmal nicht gezeigt – der Film endet.

Kritik

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Unter Einsatz verschiedenster formaler Mittel erzeugt der Regisseur überaus geschickt einen stakkatoartigen Rhythmus, der sich zu einem mitreißenden, formal brillanten visuellen Feuerwerk verdichtet. Ansätze zur Vertiefung des Stoffes in Richtung Reflexion über Zeit und Zufall sind durchaus vorhanden, werden aber nicht weitergedacht, da die Geschichte in ihren Dimensionen eng begrenzt und nur wenig übertragbar ist.“

– Lexikon des internationalen Films[11]

„Regisseur Tom Tykwer […] überraschte mit ‚Lola rennt‘ Kritik wie Publikum: Knackig-kurze 80 Minuten, in denen (er) auch noch gleich drei Varianten einer Geschichte erzählt. […] Ansonsten ist der Titel Programm und Franka Potente als Lola rennt beinahe während des gesamten Films. Nahezu alle technischen Möglichkeiten und filmischen Errungenschaften nutzend, wechselt Tykwer von Video- zu Kinofilm, von Digital- über Farb- zu Schwarzweiß-Bildern oder gar von Real- zu Zeichentrickfilm. Hat man sich erst einmal an den zu Beginn etwas nervigen Techno-Beat gewöhnt, erwartet einen der kurzweiligste, witzigste Streifen jüngster Zeit.“

– Prisma Online[12]

„‚Lola rennt‘ ist wahrscheinlich ‚der‘ deutsche Film der späten 90er Jahre. Schnell, pulsierend, dynamisch ist der Thriller, der auf herausragende Weise das Lebensgefühl dieser Zeit einfängt. Tom Tykwer schaffte es mit ‚Lola rennt‘, die deutsche Filmindustrie aus ihrem Schneewittchenschlaf zu wecken und auf dem internationalen Parkett zu beweisen, dass auch Filme ‚made in Germany‘ durch Originalität und Experimentierfreudigkeit glänzen können. Für den Regisseur und seine damalige Lebensgefährtin Franka Potente sollte das Werk, welches auf den Filmfestivals weltweit gefeiert und obendrein zu einer der kommerziell erfolgreichsten deutschen Produktionen im Ausland wurde, den großen Durchbruch bedeuten.“

– Filmstarts.de[13]

Die Kritikerin Joanna Berry schreibt in ihrer Kritik, der Film sei ein „visuell einfallsreicher und kinetisch aufgeladener Film, der mit Überraschungen an jeder Ecke aufwartet.“ Als Beispiel dafür führt sie den Vorspann an, bei dem aus einer Menschenmenge der Titel des Films wird. In diesem „High-Speed-Abenteuer“ sei Schauspielerin Franka Potente der „optische rote Faden des Films“. Sie könne auch warmherzig und einfühlsam reagieren, was sich insbesondere in den Szenen mit ihrem Vater zeigen. Dabei sei die Darstellung der Geschichte „erfindungsreich und innovativ“. Dabei nutze Regisseur Tykwer Animation, Kameratricks, Farbe und Schwarzweiß-Film, Musikvideo-Effekte und Wiederholungen. Sie urteilt, der Film sei ein „interessantes, ungewöhnliches Filmexperiment, atemloser Erregung und einer ungeheuren Energie, vom talentierten Regisseur verpackt als Event für die MTV-Generation.“[8]

Bezüge in späteren Filmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]