FilmspiegelFilmspiegel

Die fabelhafte Welt der Amélie (Originaltitel: Le fabuleux destin d’Amélie Poulain, dt. Das märchenhafte Schicksal von Amélie Poulain) ist eine französisch-deutsche romantische Filmkomödie von Jean-Pierre Jeunet aus dem Jahr 2001 mit Audrey Tautou in der Titelrolle. Die Filmmusik stammt von Yann Tiersen. Der Film spielte weltweit 140 Millionen US-Dollar ein, davon 33 Millionen in den USA.

Inhalt

Handlung

Amélie Poulain wird in einem Vorort von Paris als Tochter eines Militärarztes a. D. und einer Lehrerin geboren. Das Mädchen erhält in ihrer Familie nur wenig Zuwendung und von ihrem Vater keinen körperlichen Kontakt in Form von Umarmungen oder Liebkosungen. Die einzigen Berührungen für das Kind kommen bei den regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen zustande. Dabei schlägt Amélies Herz dann immer wie wild und ihr Vater diagnostiziert fälschlicherweise einen Herzfehler bei ihr. Deshalb lässt man sie nicht auf eine öffentliche Schule gehen; sie wird von ihrer Mutter unterrichtet und hat keinerlei Kontakt zu anderen Kindern. Als Ersatz dafür erfindet sie sich eine eigene Phantasiewelt, in die sie sich mehr und mehr zurückzieht. Bald darauf wird Amélies Mutter vor ihren Augen von einer Touristin erschlagen, die sich von der Kathedrale Notre-Dame zu Tode stürzt. Amélies Vater kommt darüber nicht hinweg. Er zieht sich zurück und verbringt seine Zeit mit dem Bau eines Miniatur-Mausoleums für die Urne mit der Asche seiner Frau.

Jahre später zieht Amélie als junge Frau aus ihrem Elternhaus aus und arbeitet als Kellnerin im Café des 2 Moulins in Paris. Obwohl ihr Alltag eher grau erscheint, findet sie Freude an den kleinen Dingen des Lebens, wie z. B. Steinchen über den Canal Saint-Martin springen zu lassen, Leute im Kino zu beobachten oder die Kruste von Crème brûlée mit dem Löffel zu knacken. Im Café bestimmen Kolleginnen und Stammkunden ihren Alltag. Suzanne ist die Cafébesitzerin, Georgette am Tabakstand ist eine hy­po­chon­d­rische Frau und Kollegin Gina bedient mit ihr die Stammgäste. Dies sind u. a. Joseph, Ginas ehemaliger und eifersüchtiger Liebhaber und der erfolglose Schriftsteller Hipolito.

Während im Fernsehen am 31. August 1997 der Tod von Lady Diana gemeldet wird, erschrickt Amélie im Bad und lässt eine Glaskugel fallen, welche wegrollt und eine Badezimmerfliese lockert. Dahinter verbirgt sich ein kleines Kästchen, das die „Schätze“ eines Jungen namens Dominique Bretodeau aus den 1950er-Jahren enthält. Sie fasst den Entschluss, die Schachtel ihrem Eigentümer zurückzubringen und, falls dieser gerührt sein sollte, ihr weiteres Leben damit zu verbringen, anderen Menschen zu helfen. Zunächst befragt sie Madame Wallace, die Concierge ihres Hauses, nach dem Jungen Bretodeau. Diese berichtet beiläufig auch von ihrem vor Jahrzehnten verschollenen Geliebten, der ihr stets Briefe geschrieben hat. Tatsächlich kann Amélie über einige Umwege Dominique Bretodeau ausfindig machen und ihm das Kästchen zukommen lassen, ohne ihn dabei direkt ansprechen zu müssen. Dieser zeigt sich tief bewegt und Amélie findet Gefallen an ihrer neuen Aufgabe. Ihr Vater, den sie gelegentlich per Bahn besucht, wird jedoch immer abwesender und hört ihr kaum noch zu. Auf das Mausoleum setzt er einen großen Gartenzwerg, den seine Frau zeit ihres Lebens nicht ausstehen konnte.

Kurz darauf entwendet sie heimlich den Gartenzwerg und übergibt ihn einer Freundin, die als Stewardess arbeitet. Fortan erhält Amélies Vater aus allen Teilen der Welt Fotos seines Gartenzwergs auf Reise. Auf der Bahnreise von ihrem Vater zurück trifft Amélie auf einen Sammler von weggeworfenen Bildern aus Fotoautomaten, Nino Quincampoix. Im Bahnhof Gare de l’Est verliert er ein großes Fotoalbum, das Amélie findet. Noch weiß sie nicht, dass er ihr Seelenverwandter ist. Mit dem im selben Haus wohnenden Maler Raymond Dufayel, der wegen seiner Glasknochen-Krankheit das Leben nie richtig genießen konnte, bespricht sie die diversen Probleme und Begegnungen, während er an dem Gemälde Das Frühstück der Ruderer von Pierre-Auguste Renoir arbeitet. Es stellt sich im Laufe der Geschichte heraus, während sie über ein gedankenverlorenes Mädchen im Bild philosophieren, dass sie fortwährend unbewusst über Amélie und ihre Lebenssituationen in der dritten Person sprechen. Amélie lässt Dufayel gelegentlich Videobänder mit Aufnahmen von ihrem Fernseher zukommen, auf denen Szenen mit ermutigenden Filmsequenzen zu sehen sind. Beide haben sich vorher über die Zeit hinweg ab und zu heimlich beobachtet: Amelie späht in seine Wohnung mit einem Opernglas, Dufayel hat eine Videokamera.

Amélie ärgert sich zudem auch über den herrischen Gemüsehändler Monsieur Collignon, der seinen schüchternen einarmigen Mitarbeiter Lucien schlecht behandelt. Mittels eines nachgemachten Schlüssels, den Lucien vergessen hat, verändert sie kleine Dinge in Collignons Wohnung, um ihn zur Verzweiflung und zur Vernunft zu bringen. Außerdem verkuppelt sie ihre Kollegin Georgette mit Joseph und macht Madame Wallace wieder etwas glücklich, indem sie einen vermeintlich nach Jahrzehnten aufgetauchten Liebesbrief ihres Geliebten fälscht.

Nino Quincampoix hat Suchanzeigen nach dem Album in der Nähe aufgehängt. Amélie fragt zunächst in einem Sex-Shop nach, wo er u. a. Geld verdient. Eine Kollegin berichtet, dass er auch in einer Geisterbahn als Erschrecker arbeitet. Bei einer Fahrt kommen sich die beiden zum ersten Mal sehr nahe. Unterschwellig wird beiden nach und nach klar, dass sie sich finden müssen. Auf verschiedenen, akribisch ausgetüftelten Wegen lässt sie ihm Nachrichten zukommen. Mittels einer groß angelegten Schnitzeljagd am Montmartre vor der Kirche Sacré-Cœur bringt Amélie, wiederum ohne persönlichen Kontakt, aber immer in Sichtweite, Quincampoix das Fotoalbum zurück. Darin hat sie eine Einladung zu einem Treffen versteckt. Die beiden suchen sich in der Stadt mittels Botschaften und Foto-Schnipseln. Schließlich gelangt Quincampoix ins Café des 2 Moulins, aber Amélie scheitert an ihrer Unsicherheit und scheut den Kontakt. Außerdem scheinen einige ihrer Schicksalsveränderungen gerade nicht zu funktionieren, so streiten sich etwa Georgette und Joseph. Schließlich hat Nino Amélie zuhause ausfindig gemacht und steht vor ihrer Tür, jedoch traut sie sich auch hier nicht, ihn hereinzulassen. Erst nachdem der Maler Dufayel sie zeitgleich mittels einer Videobotschaft davon überzeugt hat, endlich ihr Herz zu öffnen und an ihr eigenes Glück zu glauben, traut sie sich, die Tür zu öffnen und Nino gegenüberzutreten. Und so finden die beiden schließlich zusammen. Zudem wird Amélies Vater durch die vielen Souvenirfotos des Gartenzwergs dazu animiert, selbst auf Reisen zu gehen.

Kritik

Der kommerziell höchst erfolgreiche Film erhielt sowohl in Frankreich als auch international gute Kritiken. Die FAZ schrieb: „‚Die fabelhafte Welt der Amélie‘ macht einfach glücklich.“[5] Serge Kaganski, ein Autor des französischen Magazins Les Inrockuptibles, warf dem Film vor, er vermittle dem Publikum eine idealisierte Version der französischen Gesellschaft und zeichne das Bild eines durch und durch stilisierten und kitschigen Paris. Es scheine darüber hinaus zur Strategie des Regisseurs zu gehören, dass insbesondere ethnische Minderheiten und Homosexuelle in dem Film kaum repräsentiert werden, obwohl gerade diese Bevölkerungsgruppen das Stadtbild des 18. Arrondissement, in dem der Film spielt, im Alltag prägen. Kaganskis Kritik gipfelte in dem Vorwurf, „Amélie“ sei ein Werbeclip für Le Pen.[6][7] Sowohl der Regisseur Jeunet als auch der Schauspieler Mathieu Kassovitz wiesen diese Kritik entschieden zurück.[8]

In den offiziellen Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2001 gelangte der Film nicht, da der für die Filmauswahl verantwortliche Gilles Jacob ihn nach eigenen Angaben „uninteressant“ fand. Dies sorgte für eine größere öffentliche Debatte, da die Ablehnung vielerorts als Widerspruch zum großen medialen Interesse an dem Film und als Entscheidung „gegen das Publikum“ interpretiert wurde.[9] Jean-Pierre Jeunet reagierte auf die Ablehnung, indem er den Kinostart des Films vorziehen ließ; „Amélie“ lief nun parallel zum laufenden Festival.[10]