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The Kid, in Deutschland auch bekannt als Der Vagabund und das Kind, ist eine US-amerikanische Stummfilm-Tragikomödie von Charlie Chaplin aus dem Jahre 1921. Die Hauptrollen übernehmen Charlie Chaplin, Edna Purviance sowie Jackie Coogan, der durch diesen Film zum Kinderstar wurde. Charles Chaplins erster Langfilm als Regisseur handelt von einem Tramp, der ein kleines Kind findet und es aufzieht. Durch äußere Umstände gerät die innige Beziehung zwischen den beiden allerdings in Gefahr. Der Film verknüpft Komödie mit Sozialdrama, was zu dieser Zeit fast einmalig war. The Kid war ein großer Kassenerfolg seiner Zeit und zählt noch heute zu Chaplins berühmtesten Werken. 2011 wurde der Film ins National Film Registry aufgenommen.

Inhalt

Handlung

Als sie das Krankenhaus nach der Entbindung verlässt, legt eine vom Vater ihres Kindes verlassene Mutter ihr Neugeborenes in eine Limousine.[2] Auf einem Zettel hinterlässt sie die Bitte, für „das Waisenkind“ zu sorgen. Anschließend will sie sich das Leben nehmen. Kurz darauf stehlen Diebe die Limousine. Als sie das Baby auf dem Rücksitz bemerken, entsorgen sie es kurzerhand neben einer Mülltonne. Der Tramp, der arm, aber nicht obdachlos ist, findet das Kind. Nachdem er vergeblich versucht hat, es wieder loszuwerden, nimmt er es mit zu sich nach Hause. Er findet den Zettel der Mutter und kümmert sich fortan wie ein Vater um den Kleinen, dem er den Namen John gibt. Die Mutter hat inzwischen – von Reue geplagt – ihre Selbstmordabsichten aufgegeben, findet aber vor der Villa die geparkte Limousine nicht wieder und erfährt, dass diese gestohlen wurde.

Fünf Jahre später ist aus der Mutter ein Opernstar geworden. Sie leistet Wohltätigkeitsarbeit, bei der sie, ohne es zu wissen, auch ihrem mittlerweile zu einem aufgeweckten Kleinkind herangewachsenen Sohn begegnet. Auf einem Empfang trifft sie den Vater des Kindes wieder, der ebenfalls berühmt geworden ist, aber die Wunden der Vergangenheit sind nicht zu heilen – sie leidet noch immer unter dem Verlust ihres Kindes.

Bei einem ihrer Besuche im Armutsviertel findet sie den Jungen krank vor und bringt ihn zum Tramp. Sie verspricht, wiederzukommen, um nach dem Jungen zu sehen. Dem Arzt, der John behandelt, erklärt der Tramp auf dessen Frage, nicht der wahre Vater zu sein, und zeigt ihm den von der Mutter geschriebenen Zettel. Der Arzt kündigt an, sich darum zu kümmern, dass das Kind angemessene Pflege erhalte. Einige Zeit darauf erscheinen zwei Mitarbeiter des örtlichen Waisenhauses, um John abzuholen. Die heftige Gegenwehr des Tramps und des Jungen kann nur mit Hilfe eines herbeigerufenen Polizisten gebrochen werden, doch der Tramp entkommt dem Polizisten und kann John noch vor der Ankunft im Waisenhaus wieder an sich bringen.

Währenddessen trifft die Mutter, die wie versprochen nach dem Jungen sehen will, vor der leeren Wohnung den Arzt, der ebenfalls vergeblich gekommen ist. Er zeigt ihr den Zettel, und die Mutter erkennt, dass John ihr eigenes Kind ist.

Da der Tramp nicht zurück in seine Wohnung kann, übernachtet er mit John in einer billigen Armenunterkunft. Deren Wirt entdeckt in der Zeitung eine Suchanzeige nach dem Kind und bringt den schlafenden John zur Polizei, um sich die Belohnung zu verdienen. Der Tramp sucht vergeblich nach John. Während die Mutter im Morgengrauen ihr Kind von der Polizei abholt, kehrt der Tramp niedergeschlagen zu seiner Wohnung zurück. Er findet sie verschlossen vor und schläft vor dem Hauseingang ein. Aus einem Traum wird er unsanft von einem Polizisten geweckt, der ihn zum Haus der Mutter bringt, wo er John wieder in die Arme schließen kann.

Kritik

Alle 19 Kritiken bei Rotten Tomatoes zu The Kid fallen positiv aus.[13] Auf der Internet Movie Database hat der Film eine Wertung von 8,3 Sternen bei der für einen Stummfilm überaus hohen Zahl von mehr als 120.000 Bewertungen und liegt damit dort auf Platz 104 der besten Filme aller Zeiten. (Stand: Oktober 2021)

„Chaplin reflektiert in seinem ersten abendfüllenden Spielfilm die eigene Kindheit. Eine sentimentale, bittere, sozialkritische Tragikomödie, in der sich Realismus, Romantik und Phantasmagorie dank Chaplins und des kleinen Jackie Coogans unwiderstehlicher Darstellung mit Gags und Slapsticks zu einem großen Kinovergnügen verbinden.“

– Lexikon des internationalen Films[14]

„Wie im Großteil seiner restlichen Produktionen wurde die Filmmusik eigens für ‚Der Vagabund und das Kind‘ komponiert und schafft es in bemerkenswerter Weise die Stimmung auf der Leinwand zu jedem Zeitpunkt in die Ohren des Zuschauers zu transportieren. Doch die Tragikomödie ist nicht gänzlich ohne Schwächen. Vor allem in der abschließenden Traumszene hat es Chaplin mit der Schwarz-Weiß-Malerei ein wenig übertrieben. Nachdem sich das Böse, in Person von Teufeln, Zutritt in die paradiesische Welt verschafft, herrscht heilloses Durcheinander. Der Tramp am Boden – das Kind entrissen. Im Kontext zum hervorragenden Gesamteindruck aber sicherlich zu vernachlässigen. So gelang Charlie Chaplin mit ‚Der Vagabund und das Kind‘ ein faszinierendes Werk mit viel Lachen und vielleicht einer Träne.“

– Matthias Ball: Filmstarts.de[15]

„Wie in vielen seiner Filme betreibt Chaplin auch in ‚The Kid‘ ein Stück weit Sozialkritik. Einem Mann wird ein Kind weggenommen, nur weil er arm ist. Nur deswegen traut man ihm nicht zu, ein Kind zu erziehen, während man das Kleine ohne zu zögern einer reichen Frau geben würde. […] ist ‚The Kid‘ ein wunderschöner Film, der über fast die gesamten 55 Minuten Spieldauer prächtig unterhält und wie es der Vorspann versprach, nur für eine Träne sorgte.“

– Filmbesprechungen.de[16]