Harold und Maude ist eine schwarze Komödie von Hal Ashby aus dem Jahr 1971. Sie entstand nach einem Drehbuch von Colin Higgins, der die Geschichte unter demselben Titel noch im selben Jahr als Roman herausbrachte. Als Harold und Maude veröffentlicht wurde, blieb der Erfolg bei Kritikern und Publikum zunächst aus, 1983 wurde der Film jedoch entdeckt[1] und wird bis heute als Kultfilm gehandelt. Das New-Hollywood-Werk wurde unter anderem ins National Film Registry aufgenommen.
Inhalt
Handlung
Der etwa 20-jährige Harold lebt mit seiner wohlhabenden Mutter in einer Villa in Kalifornien. Er hat eine distanzierte Beziehung zu der Mutter, die oberflächlich ist und fast nur auf gesellschaftliche Etikette achtet. Er versucht immer wieder, durch realistisch inszenierte Schein-Suizide ihre Aufmerksamkeit und Zuneigung zu erlangen. Er ist vom Tod fasziniert, was sich auch in den fingierten Selbsttötungen ausdrückt. Anfangs fährt er einen gebrauchten, zum Leichenwagen umgerüsteten Cadillac, und später baut er das Geschenk seiner Mutter, einen silbernen Jaguar E-Type, ebenfalls zu einem Leichenwagen um.
Harold fühlt sich auch zu Friedhöfen und Beerdigungen hingezogen. Bei den Bestattungen begegnet er mehrmals der exzentrisch anmutenden 79-jährigen Maude. Sie freunden sich bald an. Maude ist wie ein Gegenpol zu ihm: unkonventionell, energisch, impulsiv und lebensfroh – weil sie auch schlimme Zeiten durchgemacht hat. Später wird in einer Einstellung eine tätowierte Nummer auf ihrem Arm gezeigt, die sie als Überlebende eines nationalsozialistischen Konzentrations- oder Vernichtungslagers ausweist; an anderer Stelle teilt sie Kindheitserinnerungen an das Wien der Kaiserzeit. Trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere fühlen sich die beiden zueinander hingezogen und verbringen immer mehr Zeit miteinander. Gleichzeitig versucht Harolds Mutter, ihn über eine Heiratsagentur mit jungen Frauen zu verkuppeln. Harolds Selbstmord-Inszenierungen sorgen jedoch dafür, dass die Kandidatinnen ein ums andere Mal entsetzt flüchten. Als Harolds Mutter ihn mithilfe seines Onkels, des fanatischen Generals Victor Ball, in den Vietnamkrieg schicken will, wissen Harold und Maude, dies mit einer List zu verhindern.
Im Laufe seiner Beziehung zu Maude lernt Harold das Leben schätzen und emanzipiert sich zusehends von seiner dominanten Mutter. Schließlich verkündet er seiner Mutter, dass er Maude liebe und sie heiraten wolle. Harold und Maude feiern gemeinsam Maudes 80. Geburtstag. Doch Maude hat beschlossen, an diesem Tag zu sterben, da sie dies für das richtige Alter hält, um abzutreten. Dem entsetzten Harold unterbreitet sie, dass sie bereits entsprechende Tabletten zu sich genommen habe. Er bringt sie ins Krankenhaus, aber es ist zu spät. In der vorletzten Szene stürzt Harolds Jaguar die Klippen hinunter. Der Eindruck, dass er sich schließlich doch getötet habe, wird in der nächsten Szene entkräftet: Er steht oben auf den Felsen und spielt auf dem Banjo, das ihm Maude geschenkt hat.
Kritik
Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei seiner Premiere im Jahr 1971 ab dem 20. Dezember fiel der Film bei der Kritik durch. So nannte ihn die Zeitschrift Variety etwa eine „geschmacklose schräge Komödie“, die den gleichen Witz aufweise „wie ein in Flammen stehendes Waisenhaus“.[8] Roger Ebert meinte, dass der Tod potenziell witzig sein könne, aber nicht wie in Harold und Maude.[9] Inzwischen hat sich die Rezeption des Films jedoch grundlegend gewandelt. Auf Rotten Tomatoes wurden zuletzt 86 % positive Kritiken gezählt. Zusammenfassend heißt es dort: „Hal Ashbys Komödie kann für manche zu düster sein und manchmal etwas übertrieben, aber der Film lebt von seinem warmen Humor und großem Herz.“[10]
Das Lexikon des internationalen Films bezeichnete den Film als „[e]ine sanft anarchistische Komödie, die die verträumte Lebenslust der amerikanischen Blumenkinder der späten 60er-Jahre beschwört und vom Charme ihrer Hauptdarsteller profitiert“.[11] Reclams Filmführer sieht ihn als „effektvollen Rundumschlag“. Ashby habe hier eine „Komödie voller Widerhaken“ gedreht, „ein skurriles Spiel, das für Individualität ebenso wirbt wie für Pragmatismus und das die Ohnmacht der Institutionen bei der Lösung zwischenmenschlicher Konflikte zeigt. Der ‚American Way of life‘ erscheint als Schreckensvision, die traditionellen Ordnungskräfte wie Militär und Polizei sind zur Karikatur degeneriert, und der Glaube eines Psychoanalytikers an seine Wissenschaft ist nur noch Anlass zur Belustigung.“[12]
Publikumserfolg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch beim Publikum war Harold und Maude zunächst ein Flop, entwickelte sich jedoch schon wenige Jahre später allmählich zu einem Kultfilm (erst 1983, also zwölf Jahre nach seiner Premiere, erwirtschaftete der Film Gewinn). So läuft er zum Beispiel seit dem 6. Juni 1975 jeden Sonntag im „Galerie Cinema“ in Essen-Rüttenscheid in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln.[13]
Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Film erhielt zwei Golden-Globe-Nominierungen: Ruth Gordon in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin und Bud Cort als bester Hauptdarsteller in einer Komödie. Der Film gewann 1974 den Hauptpreis des Filmfestivals Semana Internacional de Cine de Valladolid. Bud Cort wurde zudem 1973 mit dem französischen Étoile de Cristal als bester ausländischer Darsteller geehrt. 1997 wurde Harold und Maude in das National Film Registry aufgenommen.[14] Der Film wurde vom American Film Institute auf Platz 9 der besten US-amerikanischen im Genre Romantische Komödien gewählt.
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