Rat Race

USA, 112min
R:Jerry Zucker
B:Andy Breckman
D:John Cleese,
Cuba Gooding Jr,
Jon Lovitz,
Rowan Atkinson,
Whoopi Goldberg
L:IMDb
„He made a joke”
Inhalt
Um für Millionäre das Spielen in Las Vegas wieder spannend zu machen, hat sich Casinobesitzer Sinclair (John Cleese) ein ganz besonderes Spiel ausgedacht: zufällig ausgewählte Spieler werden dazu animinert, ein Wettrennen zu einem Schließfach in New Mexiko zu veranstalten, in dem auf sie zwei Millionen Dollar warten. Dass sie zu Wettobjekten für jene Millionäre werden, ahnen sie indes nicht.
Kurzkommentar
Trotzdem "Rat Race" zu Beginn eine feinhumorigere Komödie als so manche Komödienkeule der Konkurrenz zu sein scheint, entpuppt sie sich doch zunehmends als ebenso formelhaft, uninspiriert und derb. So manchem Fan des etwas deftigeren Humors wird das Rattenrennen sicherlich gefallen, die anderen seien jedoch vorgewarnt.
Kritik
Ich muss zugeben, ich bin von den (negativen) Qualitäten von "Rat Race" doch ziemlich überrascht worden. Der Trailer sah ganz ordentlich aus, auf Zucker war (wenn auch nur in produzierender Funktion) in den 80er und Anfang der 90er immer Verlass und die Darsteller, die sich für "Rat Race" zusammengefunden haben, lassen ebenso Frisches erhoffen. Frisch ist an "Rat Race" hingegen nur die Grundidee, die Kalauer und die wenig rühmlichen Witze, die folgen, eher weniger. Dass der Film dabei nicht nur aufgrund der üblichen, mittlerweile zur Selbstverständlichkeit herangewachsenen Zoten (die Episode mit dem Spenderherz) durchfällt, liegt vor allem an der Fantasielosigkeit der Inszenierung.

Da wäre z.B. der Einsatz der Kuh. Wie oft, und jetzt mal nur in den letzten zwei Jahren, mussten Kühe schon in Komödien herhalten? Spontan fallen mir gleich drei Filme ein: "O Brother, where art thou?", "Three Kings" und "Ohne Worte". Desweiteren fällt Jerry Zucker nichts besseres ein als zu jeder noch so kleinen Gelegenheit die Zeitlupe einzusetzen. Das mag hier und da witzig sein, aber Zucker verwendet sie derart oft, dass einem die Ideenlosigkeit förmlich ins Gesicht springt. Damit wären wir dann beim Soundtrack angekommen, der aus 08/15-Songs zusammengesetzt wurde und von denen jeder schon in 83 anderen Komödien vorkam: "Who let the Dogs out" von Baha Men, "I Can't Help Myself" von den Four Tops und nicht zuletzt "All Star" von Smash Mouth, zuletzt so prominent in "Shrek" zum Einsatz gekommen, fallen da spontan wieder ein. Formelhafter ging es hier nun wirklich kaum.

"Rat Race" hat hingegen noch viel größere als diese mehr oder weniger formalen Probleme: durch die Fülle an Figuren hat er gerade zu Beginn zunehmenden Sketch-Charakter, wenn sich Kurzfilm an Kurzfilm reiht und jeder Ausschnitt mit jeweils eigener Pointe das Verschmelzen zu einem Gesamtfilm verhindert. Besonders deutlich wird dies, wenn mal wieder eine Szene zur Demonstration des Wett-Vergnügens von John Cleese und seinen reichen Kollegen eingestreut wird. Das soll nicht heißen, dass hier nicht der ein oder andere gute Joke zu finden ist, aber ein konzeptionelles Gesamtbild ist hier nicht zu erkennen.

Ansonsten hat "Rat Race" sicherlich auch seine guten Momente: von zehn Gags zünden immerhin drei bis vier und gerade zu Beginn scheint er feiner ausgearbeitet zu sein als so manches Konkurrenzprodukt. Dummerweise steigt jedoch auch bei "Rat Race" der Anteil der Brachialkomik an und auch wenn mir persönlich der Einschub mit Hitlers Wagen und dem Nationalsozialisten-Museum ziemlich gut gefallen hat ("Wir, äh, müssen noch ein paar Bücher verbrennen gehen."), so stellt sich die Geschmacksfrage doch immer wieder aufs Neue.

Doch genug der kritischen Worte, denn Fans wird "Rat Race" sicherlich finden und immerhin gibt es auch noch Cuba Gooding Jr., der wohl die beste Rolle des Films erwischt hat und von allen Darstellern vielleicht noch der komischste ist. Um sich an diesen wenigen Details zu erfreuen, muss man allerdings nicht ins Kino gehen, sondern kann beruhigt auf die Video-Veröffentlichung warten.

Leidlich unterhaltsame Komödie mit teils derben Zoten


Thomas Schlömer