Dreamcatcher

USA, 136min
R:Lawrence Kasdan
B:Stephen King,William Goldman, Lawrence Kasdan
D:Morgan Freeman,
Tom Sizemore,
Damian Lewis,
Donnie Wahlberg
L:IMDb
„These are Americans. The idea of slaughtering Americans just turns my stomach.”
Inhalt
Mysteriöse Dinge geschehen in den verschneiten Wäldern der USA: Tiere fliehen in Massen, alle Lebewesen tragen Blutspuren und Wunden, und eine tödliche Seuche scheint sich zu verbreiten. Mittendrin: Eine Gruppe von vier Freunden, mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestatte, die sich dem Bösen stellen. Und schließlich greift auch noch eine geheime Anti-Alien-Spezialtruppe der Armee unter Leitung von MF (Morgan Freeman) ins Geschehen ein.
Kurzkommentar
In den wenigsten Fällen hat ein Film während seiner Laufzeit so kontinuierlich abgenommen und war inkohärenter, ärgerlicher und stupider. "Dreamcatcher" lockt den Zuschauer in der knappen ersten Stunde mit hübschem Mystery und lässt dann ein Alien-Splatterevent folgen, dass bei den meisten Besuchern nur Kopfschütteln verursachen dürfte. Selten so einen Scheiß gesehen.
Kritik
Der Filmspiegel existiert mittlerweile seit fünf Jahren und in der Zeit sind einige wirklich abgrundtief schlechte Filme in den deutschen Kinos angelaufen, aber noch nie musste ich zur Niedrigstwertung greifen. "Dreamcatcher" etabliert sich nun jedoch als neue Negativ-Referenz des Horrorkinos und ärgert den Zuschauer mit so ziemlich allem, was das moderne Trashkino zu bieten hat.

Die Wurzel allen Übels ist dabei schnell ausgemacht: Stephen Kings Vorlage. Nicht, dass Herr King nie gute Bücher geschrieben hätte, aber spätestens seit Stanley Kubrick 1980 "The Shining" in erfolgreiches Spannungskino verwandelt hat, war keines seiner Bücher mehr vor einer filmischen Verwurstung sicher. Und von den unzähligen Adaptionen, die seitdem entstanden sind, konnten fast ausschließlich die überzeugen, die eben nicht auf expliziten Alienhorrorgehalt gesetzt haben. Symbolisch dafür die Beliebtheit von Frank Darabonts "Die Verurteilten" und "The Green Mile" oder auch von Rob Reiners Umsetung des Jugendromans "Stand by Me". Oder die nicht minder passende Anekdote: als King höchstpersönlich von Kubricks Interpretation seines Buches "The Shining" enttäuscht war, ließ er es fürs Fernsehen erneut verfilmen. Im Gegensatz zu Kubrick verstand er aber nicht, dass ein Buch nicht 1:1 auf Film umsetzbar ist und so wurde die Verfilmung ein ziemliches, künstleriches Fiasko.

Spoiler
Der zweite große Fehler bei "Dreamcatcher" liegt dann in der Vermarktung. Kündigen die Trailer subtilen Mystery-Horror an, ist der Film eher eine unsägliche, unheimlich stupide Variante von "Independence Day". Als Nichtkenner des Buches fühlt man sich da schon reichlich angeschmiert, wenn nach der durchaus ordentlichen ersten dreiviertel Stunde urplötzlich Klischee-Aliens mit Wasserkopf und Kulleraugen auftauchen und Morgan Freeman einen waschechten Emmerich-Militärangriff initiieren darf. Das gipfelt dann in einem gänzlich unspannenden, von jeglichem Humor entfernten Alien-Duel mit nicht vernachlässigbarem Splattergehalt. Dem nicht eingeweihten Zuschauer kann da eigentlich nur Kopfschütteln bleiben.
Spoilerende

Dass "Dreamcatcher" die Niedrigstwertung auch verdient hat, obwohl er üblich-gutes Handwerk bietet und auch nicht die schlechtesten Schauspieler in den Credits auflisten kann, ist darin begründet, dass er sich einen Dreck um Kohärenz oder Inspiration bemüht. Regie- und Drehbuchveteranen Kasdan und Goldman ignorieren zudem jegliche, ironische Note, die das Sujet offenbaren würde, filmen den "Horror" ohne Augenzwinkern ab und realisieren in keiner Minute, dass es vielleicht nötig wäre, die Geschehnisse einer Vorlage irgendwie filmisch aufzuarbeiten. Ein echtes Armutszeugnis.

Trotzdem kann "Dreamcatcher" im amerikanischen Kritikerspiegel Rottentomatoes satte 30% an positiven Besprechungen vorweisen. Das sei wohl darin begründet, dass viele Kenner der Buchvorlage den Film für "werkgetreu" hielten. Nun, die Beurteilung ist mir wie gesagt nicht möglich, aber die eigentliche Story des Films ist schon so dämlich, dass man da wohl wenig verpasst hat.


Flight of the Osiris
Für mehr Zufriedenheit dürfte bei einer Vorstellung von "Dreamcatcher" da schon der von Square Pictures animierte Teil der "Animatrix"-Kurzfilmserie sorgen, "Flight of the Osiris". Dieser von den Machern von "Final Fantasy" realisierte, computeranimierte Film überzeugt wie schon Squares Langfilm mit beeindruckenden Szenerien und flotter Inszenierung, ist aber dank der zusammenhanglosen Eröffnungssequenz ebenso inkohärent wie der folgende Hauptfilm. Immerhin haben die Macher im Gegensatz zu Kasdan aber realisiert, dass -wenn die Story schon dünn ist- wenigstens die Action stimmen muss und können die Spannung soweit aufrecht erhalten, dass es für die knappen 10min auf jeden Fall zu fetziger Unterhaltung reicht.

Erbärmlicher Alien-Trash mit beknackter Story


Thomas Schlömer