Shanghai Knights

USA, 114min
R:David Dobkin
B:Miles Millar, Alfred Gough
D:Jackie Chan,
Owen Wilson,
Donnie Yen,
Aidan Gillen,
Fann Wong
L:IMDb
„That's what I love about China. Everyone's job description is so damn cool”
Inhalt
Als Chon Wangs (Jackie Chan) Vater von einem chinesischen Rebellen getötet wird, folgen er uns sein Freund Roy O'Bannon (Owen Wilson dem Übeltäter nach England, um sich an diesem zu rächen. Dort treffen sie allerdings auf Chons Schwester Lin (Fann Wong), die gerade im Begriff ist, eine Verschwörung aufzudecken, im Zuge derer die königliche Familie ermordet werden soll.
Kurzkommentar
Während "Shang-High Noon" auf amüsante und gar nicht ungeschickte Weise Westernparodie mit Chans akrobatischen Mätzchen verknüpft hat, versucht die Fortsetzung das gleiche mit etlichen Ikonen Großbritanniens. Trotzdem das wenig subtil gelingt und Chan zwei, drei großartige, von einem Sinn für Stummfilmhumor getragene Momente hat, bleibt "Shanghai Knights" insgesamt doch zu tempoarm und stereotypisch.
Kritik
Das Arbeitstier Jackie Chan schnauft weiter ungebremst durch die Kinoprärie: der 49-jährige Martial Arts-Spezialist hat in Bälde satte 100 Filme in seiner Filmographie vorzuweisen, was angesichts seiner effektiven Schauspielzeit von ca. 31 Jahren nicht weniger als drei Filme pro Jahr bedeutet. Und Chan wird und wird nicht müde. Nach „Shanghai Knights“ folgen mit „The Medallion“, „Time Breaker“ und „Around the World in 80 Days“ weitere Produktionen, letztere davon sogar in extrem großem Stil, denn die Jules Verne-Verfilmung zählt zu den budgetstärksten Filmen, die jemals in Europa produziert wurden (knapp 110 Mio.$). Da wird der Fließband-Eindruck, den nicht nur seine asiatischen Produktionen wie die „Police Story“-Reihe, sondern mittlerweile auch die „Rush Hour“-Serie verbreitet, nur noch verstärkt.

Auch „Shanghai Knights“ ist schon der zweite Teil einer Chan-Serie. Der erste Teil, „Shanghai Noon“, wurde 2000 ins Leben gerufen und etablierte das Buddy-Paar Chan/Owen Wilson durchaus erfolgreich neben dem aus „Rush Hour“ bekannten Team Chan/Chris Tucker. Und trotzdem der eine eine Westernpersiflage war und der andere die übliche Cop-Komödie mit zwei ungleichen Ermittlern, waren sie doch im Kern derselbe Streifen – die stereotypische Jackie Chan-Actionkomödie. Das ist nun nicht weiter schlimm, denn Chans Komödien sind dank seiner Selbstironie, seiner „realistischen“ Stunts und seines harmlosen Humors immer noch ehrlicher und mit einer solchen Selbstverständlichkeit anspruchsloser als jede noch so gezwungene Buddy-Komödie im Stile eines „I Spy“. In Zeiten ohne Bud Spencer und Terence Hill verdrischt die Bösewichter heutzutage eben niemand mehr so schön wie Chan – und wirkt dabei unentwegt so grundsympathisch.

Dass Chan aber auch schon an seinen eigenen Ansprüchen gescheitert ist, zeigte zuletzt „The Tuxedo“. Darin wurde der eklatante Fehler begangen, Chan seiner einzigen Faszination zu rauben: die selbst durchgeführten Stunts. Mit Special Effects und Wire-Technik nahm man ihm jeglichen Charme, reduzierte ihn auf seine beschränkte (wenn auch niedliche) Mimik und brachte den Zuschauer um das, wofür er gekommen war: Chans neue Einfälle, seine Gegner mit allerlei Alltagsgegenständen das Handwerk zu legen, genießen zu können. Mit dem Retuschierwerkzeug hat man nun auch bei „Shanghai Knights“ einige Hilfskabel entfernt, das ist hier und da zu spüren, aber das Augenmerk liegt zum Glück wieder bei der (im besseren Sinne) altmodischen Chan-Action.

So ist der Film immer dann am besten, wenn er Chan mit seinen kleinen Mätzchen freien Lauf lässt und –was hier besonders gelungen ist– dies auch noch ironisch untermalt. Demnach darf Chon Wang in „Shanghai Knights“ in einer Szene die Drehtür eines Hoteleingangs für seine Zwecke umfunktionieren und in einer anderen seine Gegner mit etlichen Vasen, die nicht zu Bruch gehen dürfen, zum Narren halten. In der besten Sequenz des Films werden Chans Kunststücke mit einem Regenschirm dann sogar zur einer kleinen Parodie auf „Singin’ in the Rain“ ausgebaut, was derart frisch und liebenswert daherkommt, dass man nach dem Film schon fast sauer ist, nicht noch mehr derartiges zu Gesicht bekommen zu haben. Musikalisch begleitet wird Chans Akrobatik schließlich mit absolut herzlicher Stummfilmmusik, die den Humor, präzise beobachtet, auf den Punkt bringt: prinzipiell ist Chan der Charlie Chaplin der Actionkomödie.

Dass das auch die Produzenten verstanden haben, ist sogar oberflächlich zu erkennen, denn während der erste Teil noch eine amüsante Parodie aufs Westerngenre war, müssen diesmal britische „Ikonen“ dran glauben: Jack the Ripper, die Queen, Madame Tussauds, der angesprochene Charlie Chaplin und, ganz dicke, Sir Arthur Conan Doyle und dessen berühmteste Figur Sherlock Holmes. Das lockert das Geschehen glücklicherweise etwas auf, denn Regisseur Dobkin wechselt teilweise arg ungeschickt zwischen dramatischen und komödiantischen Sequenzen, aber auch wenn der Humor wenig subtil platziert wird, so ist er insgesamt doch halbwegs nett anzusehen.

Nichts desto trotz fehlt „Shanghai Knights“ der Drive, den noch seinen Vorgänger ausgezeichnet hat. Die besten, weil humorvollsten Actioneinlagen sind zur Hälfte der Laufzeit schon rum und Lord Nelson Rathbone seine Bösartigkeit abzunehmen, ist doch eher nervig, denn Angst einflößend. Darüber hinaus ist an Story selbstredend nichts vorhanden und die Dramaturgie äußerst schwachbrüstig – darüber hätten die humorvollen Einlagen eben doch länger hinwegtrösten müssen. Spaß macht „Shanghai Knights“ trotzdem bis zu einem gewissen Maße – man darf aber hoffen, dass Chan in Zukunft wieder etwas mehr Spielraum gelassen wird.

Sympathische Actionkomödie mit zu wenig Chan und zu wenig Drive


Thomas Schlömer