My Big Fat Greek Wedding

USA, 96min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Joel Zwick
B:Nia Vardalos
D:Nia Vardalos,
John Corbett,
Michael Constantine,
Lainie Kazan
L:IMDb
„We´re all different, but in the end we´re all fruits”
Inhalt
Griechische Mädchen sollen drei Dinge im Leben tun: Griechische Jungen heiraten, griechische Babys bekommen und alle mit Essen versorgen. Auch Fotoula (Nia Vardalos) hat diesen fixen Lebensweg - wenn es nach ihrer Familie geht. Dass sie sich nach anderem sehnt als im familiären Restaurant zu kellnern, interessiert die riesige Verwandtschaft wenig. Die sieht nur, dass die junge Frau bereits 30 ist, keinen Mann hat und langsam alt aus sieht. Mit Unterstützung ihrer Mutter, die weiß, wie man den verschrobenen Vater anpacken kann, erhält Fotoula die Erlaubnis, ein paar Computerkurse zu besuchen, und schließlich sogar im Reisebüro der Tante zu arbeiten. Und dort sieht sie auch den Mann wieder, der ihr schon einmal im Restaurant aufgefallen ist: Ian Miller (John Corbett). Er ist Lehrer, charmant, witzig, unglaublich gut aussehend und - nicht die Spur Grieche! Wie lassen sich Traummann und Familie da unter einen Hut bringen?
Kurzkommentar
Gyros und Ouzo, da wurde schon Platon schwach. Auch für die alten Griechen ist in den Augen der anderen ein Vorurteilskanon reserviert. „My Big Fat Greek Wedding“ schlägt ihn unter der Regie des unbeschriebenen TV-Regisseurs Joel Zwick genüsslich auf und überzeichnet ihn zu einer harmlosen Kulturschocksatire. Die simple Geschichte einer Emanzipation und der Einheirat eines Amerikaners in ein griechisches Identitätsreservat unterhält durch schräg lebendige Figuren und eine charmante Hauptdarstellerin.
Kritik
Die Filmindustrie ist eine riesige Berechnungsmaschine, in der normalerweise kein Platz für Überraschungen ist, gerade auch in diesem Jahr. Bis dann die Griechen kamen, von Amerikanern produziert. Da alle anderen ethnischen Minoritäten und kulturellen Kolonien in den USA filmisch bereits ausgeschlachtet waren und Tom Hanks Ehefrau sich ihrer griechischen Wurzeln erinnerte, brütete der neue Hellenismus als Ideenlieferant schon im Hintergrund. Als die besagte Ehefrau dann noch durch Zufall über einen Auftritt der ebenso griechischstämmigen Bühnenschauspielerin Nia Vardalos stolperte, in dem diese ihren selbst verfassten Monolog „My Big Fat Greek Wedding“ vortrug, nahm die Erfolgsgeschichte ihren Anfang.

Tom Hanks, sicher einer der Einflussreichsten in Hollywood, ließ sich überreden, daraus eine Low Budget-Produktion zu machen und Vardalos nicht nur für die Leinwandadaption ihres eigenen Stückes, sondern gleich noch als Hauptdarstellerin einzuspannen. Hanks Entscheidung, die männliche Hauptrolle nicht gleich in einem Egoakt mit sich selbst zu besetzen, mag weniger dadurch motiviert sein, neuen Talenten eine Lobby zu geben, als vielmehr dadurch, dass der Streifen mit frischen Gesichtern „Independent“- und originellen Charakter jenseits des Mainstream gewinnen würde. Und das wiederum birgt dann das Potential des Überraschungshits, des schleichendes Erfolgs durch Mundpropaganda. Eingetreten ist er dann auch: der Streifen spielte über das zehnfache seiner Produktionskosten ein.

Ins Verhältnis gesetzt ist „My Big Fat Greek Wedding“ damit der mit Abstand erfolgreichste Film des Jahres – trotz oder gerade wegen seines groben, aber nie derben Kokettierens mit Klischees. Sie machen, ausgedrückt im kulturellen Schubladendenken, das Leben ja auch einfacher. Und so transportiert der Film den kompletten Vorurteilskatalog über „den“ typischen Griechen samt der dazugehören Attribute. Nahe rückt uns damit der Gyrosphilosoph von nebenan, überzeugt von der Überlegenheit der eigenen Hochkultur als Wiege der europäischen Zivilisation. Denn besoffen war man dank des Ouzos schon dann, als Amerika von Kolumbus noch eineinhalb Jahrtausende trennten. Dazu ist man unbürgerlich laut, feiert kollektive Exzesse im Vorgarten und zupft zu jeder Gelegenheit an einer griechisch klingenden Gitarre.

Das ist das Klischee aus dem Blickwinkel des Nicht-Griechen, also in diesem Fall ein explizit amerikanischer Grieche. Zwar entzündet sich das komische Konfliktmoment an der verweigerten Selbstassimilation der in die spießige Idylle einer amerikanischen Vorstadt eingewanderten Griechen. Merkwürdigerweise sprechen diese aber auch dann Englisch, wenn nichts höher gehalten wird als die eigene kulturelle und damit eigentlich auch sprachliche Identität. Doch da es sich ja bloß um eine Kulturschockkomödie handelt, lässt man die Protagonisten mit einen kräftig aufgesetzt „griechischen“ Akzent Englisch sprechen, was natürlich jede Menge seichte Situationskomik und komische Missverständnisse motiviert.

Hysterische Xenophobie ist nun sicher kein neues Thema, aber die Bearbeitung, die Hanks in die Hände des unbekannten Fernsehregisseurs Joel Zwick legt, ist liebenswert dank einiger origineller Charaktere. Um sie interessant zu machen, werden sie parodistisch überzeichnet. Allen voran ist da der Vater, ein niedlicher Patriarchat, der mit fürchterlichem, halbwegs witzigem Akzent und verzweifelter kultureller Arroganz die gesamte Welt auf griechische Wurzeln zurückführen will. Sein Griechentum soll in Amerika in Ewigkeit stolz isoliert bleiben. Michael Constantin gibt hier eine sehenswerte Vorstellung. Kontrastiert wird er vom verständnisvollen Matriarchat der Mutterfigur, nicht minder treffend besetzt mit Lainie Kazan.

Und im Mittelpunkt des kulturellen Identitätsspektakels samt türkenfeindlicher Großmutter steht sicher Nia Vardalos. Natürlich wandelt sich ihre Figur von der hornbrillenbesetzten Kellnerin im elterlichen Olympia-Refugium zum emanzipierten Charakter, der die hermetische Geschlossenheit des griechischen Zirkels zu durchbrechen bereit ist. Das geschieht mittels eines extrem simplen dramaturgischen Gerüsts. Auf der Oberfläche, in eindeutigen Stationen entwickelt es sich auf die Katharsis und verschmelzende Hochzeit hin: Fotoula verliebt sich in einen „Xeno“ (gr. „fremd“), was den Familienfrieden und die vorgeschriebene Zukunft als griechische Fortpflanzungsmaschine vernichtet. Nach schnell abgehakten Akzeptanzmomenten wird nun noch ausgiebig vom Kulturschockmittel Gebrauch gemacht.

So ist es, das Klischee sei dank, natürlich ein Problem, wenn der Geliebte, dargestellt von John Corbett, angesichts der fleischophilen Griechen Vegetarier ist und dessen Eltern zu allem Überfluss den Idealtyp des schockierten Biedermanns geben und dem lärmenden Mob zum Opfer fallen. Doch letztlich ist dieses augenzwinkernde Spiel mit platten Vorurteilen zwar ohne wirkliche Höhepunkte, weil es auf billiges Pointendreschen verzichtet. Aber trotz der leicht faden Struktur, auch verortet in den „romantischen“ Momenten, macht es unverbrauchten Spaß, den harmlosen Witzen über kulturelle Kluften beizuwohnen und den schrillen Charakteren zu folgen. „My Big Fat Greek Wedding“ hätte weniger harmlos sein dürften, Lust auf eine fette Portion Gyros macht der Streifen aber trotzdem.

Seicht-sympathische Kulturschocksatire mit sehenswerten Figuren


Flemming Schock