Club der Cäsaren
(Emperor's Club, The)

USA, 109min
R:Michael Hoffman
B:Ethan Canin,Neil Tolkin
D:Kevin Kline,
Emile Hirsch,
Embeth Davidtz,
Rob Morrow,
Harris Yulin
L:IMDb
„In the flow of time, if an opportunity is lost it is lost forever.”
Inhalt
William Hundert ist ein leidenschaftlicher Professor mit Prinzipien, dessen hochstrukturierte Welt erschüttert und unerbittlich verändert wird, als ein neuer Kursteilnehmer, Sedgewick Bell, sein Klassenzimmer betritt. Was wie eine Willensschlacht anfängt, mündet in einem engen Schüler-Lehrer-Verhältnis, endet aber in einer Lebenslektion für Hundert, die ihn noch ein Vierteljahrhundert später frequentiert.
Kurzkommentar
Regisseur Michael Hoffman ("Tage wie dieser...") tritt in die großen Fußstapfen vom "Club der toten Dicher", verlagert den Fokus aber vom Reifeprozess der Schüler zum Werdegang des Lehrers. Das erlaubt ihm teilweise ungewöhnlich-ehrliche und konsequente Einsichten in die Lebenserfahrung eines Eliteprofessors, auch wenn seine Inszenierung allzu brav und hollywoodkonform bleibt.
Kritik
Es gibt so ein Dilemma beim Geschichtenerzählen mittels des Mediums Film: sie muss in zwei, maximal drei Stunden erzählt sein, sonst verliert der Zuschauer mit ziemlicher Sicherheit das Interesse (oder muss aufs Klo). Das wird inbesondere dann zu einem nicht vernachlässigbaren Limit, wenn man "epische" Ereignisse auf die Leinwand bannen möchte. Ereignisse und Geschichten, die Epik nicht nur durch visuelle Opulenz und Massenschlachten definieren, sondern die auch den erfassten Zeitraum über Jahre strecken wollen. Dann stellt sich die Frage, ob man die verstreichende Zeit fliessend visualisiert, häppchenweisee vermitteln möchte oder es, ganz extrem, mit einem einzigen starken Bruch versucht. Und darauf folgt wiederum die Frage, ob man harte Zeitsprünge haben möchte (also mittels eines einzigen Schnitts; hier ganz vorne: Kubricks "2001 - A Space Odyssey") oder auf weiche Übergänge setzt, also etwa mittels einer ein- bis zweiminütigen, dialoglosen Sequenz, die das Schicksal der Figuren kurz umreisst.

Alle Vorgehensweisen haben ihre Vor- und Nachteile, rein statistisch gesehen dürften die erste und zweite Variante aber bei weitem vor letzterer liegen. "The Emperor's Club" von Michael Hoffman entscheidet sich nun für die vermeintlich schwierige Version: nach etwas mehr als der Hälfte der Spielzeit folgt ein relativ harter Sprung und es sind 25 Jahre vergangen. Dieser ist innerhalb der dramaturgischen Struktur natürlich begründet, dennoch überfällt die meisten Zuschauer -sofern sie nicht wissen, dass der Film über diese Spanne erzählen möchte- erstmal ein Gefühl der Ernüchterung. Man folgt einer spannenden Geschichte über eine knappe Stunde, nur um den konkreten Bezug dann aus den Händen gerissen zu bekommen.

Hoffmans "Emperor's Club" hat nun auch mit diesem Problemchen zu kämpfen, dennoch findet er letzten Endes eine gute Lösung: denn während Genre-Kollegen wie das große Vorbild "Club der toten Dichter" vom Reifungsprozess der Schüler, dem Aufkeimen ihres ersten Idealismus, ihrem Weg zur Selbstbestimmung und dem Konflikt der Generationen erzählen, zielt "The Emperor's Club" vielmehr auf den Reifungsprozess des Lehrers ab. Dieser muss trotz pädagogisch akzeptabler Methoden und freundlichem Auftreten feststellen, dass er nicht alle Schüler erziehen, bilden und -was in der Schlüsselszene des Films betont wird- formen kann. Und während William Hundert enttäuscht (und unerwartet) feststellen muss, dass er bei einem seiner Schüler mit seinen Methoden gescheitert ist, gewinnt er sogleich an Erfahrung, dass ein Leben nicht an einem einzigen Resultat gemessen werden kann. Das ist ein schönes Motiv und für die richtige, emotionale Entfaltung, ist es dann auch erlaubt, einen weniger schönen, großen Zeitsprung zu setzen.

So wird aus "The Emperor's Club" schließlich auch leicht mehr als ein Durchschnittsdrama, denn trotzdem er den klischeehaften Konflikt zwischen Lehrer und Schüler thematisiert, den Kampf der Pädagogik gegen die jugendliche Rebellion, ist er im Kern doch ehrlicher und wohl auch konsequenter als die meisten seiner Kollegen. Er gaukelt einem nicht vor, dass ein liberaler Lehrer mit strengen, erzieherischen Mitteln aus jedem Jungen einen vorbildlichen Burschen macht, er klammert nicht die Falschheit der Außenwelt aus, wenn er zeigt, dass politischer und finanzieller Einfluss doch letzten Endes die größte Macht auf beruflichen Werdegang einer Person haben und er zeigt auf bittere Weise, dass die meisten Söhnen, die unter den strengen Fittichen ihres Vaters stehen, nichts daraus lernen und statt es besser zu wissen in die selbige Methoden wie ihre ungeliebten Vorfahren verfallen.

In solchen Momenten kommt Michael Hoffmans sonst allzu braves Drama über den Hollywood-Einheitsbrei hinaus und deshalb ist sein neuester Film auch einen Blick wert, ansonsten bietet er eher biedere, aber unterhaltsame Standardkost, die sich am Ende wie die meiste Konkurrenz eine Einblendung der amerikanischen Flagge nicht verkneifen kann.

Im Kern eher unkonventionelles, sonst allzu braves Pädagogendrama


Thomas Schlömer