Simone
(S1m0ne)

USA
R:Andrew Niccol
B:Andrew Niccol
D:Al Pacino,
Catherine Keener,
Evan Rachel Wood,
Winona Ryder
L:IMDb
„I guess what I like most about my movies is that they're not about special effects.”
Inhalt
Als die Diva und Hauptdarsteller (Winona Ryder) die weitere Mitarbeit verweigert, ersetzt sie Viktor Taransky (Al Pacino) kurzerhand durch die vollständig computergenerierte Simone. Doch da er dieses Geheimnis für sich behält, entwickelt sich schnell ein unkontrollierbarer Starkult um Simone...
Kurzkommentar
Aufmerksame Zuschauer bemerken bald die Parallelen zu "Die Truman Show" - kein Wunder, ist der Drehbuchautor von diesmal sogar zum Regisseur aufgestiegen. Auch wenn es "S1m0ne" etwas an Biss mangelt, so ist der Film dennoch eine amüsante Parodie auf das Hollywood-Business.
Kritik
"S1m0ne" gehört zu jener Sorte Film, bei der man sich fragt, ob die amerikanischen Zuschauer die zahlreichen Seitenhiebe überhaupt verstehen - ich hatte den Eindruck, dass der gesellschaftskritische Part gar nicht wahrgenommen wurde.

In dieser Sparte kann "S1m0ne" mit dem Vorgänger "Truman Show" zwar nicht mithalten, dafür sind die humoristischen Elemente weit deutlicher ausgeprägt. Al Pacino ist zwar nicht so eindrucksvoll wie in seinen dramatischen Rollen, dennoch spielt er den manischen Regisseur, der nach Anerkennung strebt, sehr überzeugend, und bisweilen offenbart er sogar ungekanntes komisches Talent. Den meisten Witz zieht "S1m0ne" aber aus der Grundkonstruktion und den sich daraus ergebenden Grotesken.

In gewisser Weise verfügt Niccol über ein besonderes Talent, Witz mit Kritik zu verbinden. Wenn Taransky beispielsweise versucht, seine allzu beliebte Filmschönheit zu demontieren, in dem er sie in Interviews Sätze wie etwa "Why does everybody care about the ozone layer while i cannot see it?" sagen läßt, dann wirkt gerade die Glaubwürdigkeit so schlagend - genau so könnte man es sich vorstellen. Und die Amerikaner zeigen an dieser Stelle auch keine Regung. Und wenn Taransky Simone in einem absoluten Schundstreifen auftreten lässt, dann jubelt das Publikum. Der subversive Witz, das ist Niccols Kunst, ohne jedoch unverständlich zu werden. Weder der Humor noch die Kritik sind so plakativ wie in anderen Filmen, aber je länger man darüber nachdenkt, desto mehr offenbaren sich die Einzelheiten.

So erscheint "S1m0ne" beim ersten Sehen fast etwas banal - doch man sollte dem Film etwas Zeit geben. Natürlich hat der Film auch seine Mängel: Vorallem der Umgang mit Computern und die finale Auflösung bemühen die Fähigkeit zur Ignoranz logischer Hämmer doch arg. Doch darauf liegt wahrlich nicht der Fokus des Films, weshalb sich noch ein Auge zudrücken lässt.

Wünschenswert wäre gewesen, wenn sich Niccol letzlich doch mehr für eine Richtung entschieden hätte: Entweder schärfere, noch pointiertere Kritik, oder mehr Humor. Eigentlich sind seine Ansätze und Seitenhiebe sehr treffsicher, jedoch nicht mit voller Wucht vorgebracht. So haftet "S1m0ne" etwas Halbgares, Unentschlossenes an.


Mediensatire zwischen Biß und Harmlosigkeit


Wolfgang Huang