Nix wie raus aus Orange County
(Orange County)

USA, 82min
R:Jake Kasdan
B:Mike White
D:Colin Hanks,
Schuyler Fisk,
Jack Black,
R.J. Knoll
L:IMDb
„All i need are the people who inspire me”
Inhalt
Orange County vermittelt das perfekte kalifornische Lebensgefühl. Hier wohnt Shaun Brumder (Colin Hanks), ein Teenager mit einem zugedröhnten Bruder (Jack Black), guten Freunden und jeder Menge Lust am Surfen. Eines Tagen entdeckt er jedoch durch Zufall seine Liebe zur Literatur und fortan besteht sein einziger Ehrgeiz nur noch darin, an der renommierten Stanford-Universität aufgenommen zu werden. Eine Serie von Pannen erschwert dies jedoch und schließlich erkennt Shaun, dass für wahre Literaten auch noch andere Dinge wichtig sind.
Kurzkommentar
In erster Linie ist "Nix wie raus aus Orange County" ein biederes Vehikel für den Nachwuchs von Hollywood-Prominenz, in zweiter Linie eine übliche, aber doch angenehm dezente Teenie-Komödie ohne wirkliche Höhepunkte. Dafür erweisen sich ihre überzeichneten Gestalten als zugfähig, voran der Anarchokomiker Jack Black ("High Fidelity"). Dem Jungregisseur Jake Kasdan glückt ein simpler, kurzlebiger Film.
Kritik
Reputation und Ruf sind wenigstens die halbe Miete, das gilt gerade für amerikanische Universitäten wie Stanford oder Yale. Wer hier studiert, hat gewonnen, hat seinen erträumten Lebensweg wohl sicher. Die Wissenschaft mag tonangebend sein, allerdings reicht schon die Namensnennung der Uni auf dem Masterzeugnis zur Eintrittskarte in die Elitenkaste. Fern verwandte Mechanismen bestimmen auch die Chancen von Starträumern in Hollywood. Wer nicht das unverzichtbare Plus der Beziehung hat, mag noch so gut schauspielen; dass er für die Oberliga entdeckt wird, ist eher märchengleich. So könnte man nun spekulieren, ob wenigstens zwei der Hauptdarsteller von "Nix wie raus aus Orange County" jemals so zu sehen gewesen wären, würden sie nicht der Nachwuchs von Hollywoods etablierter Prominenz sein.

Das damit Interessanteste der herkömmlichen Teenager-Komödie dürfte sein, dass Hauptdarsteller Colin Hanks der Sohn vom oscarprämierten Lethargen Tom Hanks ist. Doch nicht genug, denn mit Schyler Fisk wird auch die Tochter von Sissy Spacek ins rechte Licht gesetzt und der gerade mal 27-jährige Jake Kasdan, Sprössling von Lawrence Kasdan (schrieb u.a. "Indiana Jones"), darf bei dem für die MTV-Generation zugeschnittenen Spaß Regie führen. Was also nach ersten, riskanten Gehversuchen vor und hinter der Kamera klingt, hätte peinlich ins Auge gehen können, aber "Orange County" ist glücklicherweise so simpel wie gefällig. Verdankt ist das dem Umstand, dass die gradlinige, typisierende Geschichte eines High-School-Absolventen im Selbstfindungsprozess zwischen Surfboard, literarischer Begabung und chaotischem sozialen Umfeld unterhaltsam, ja nicht völlig flach ist.

Und entscheidend hinzu kommt, dass die kaum routinierten Darsteller ihre Sache wirklich sehenswert machen. Den Stimmungsbonus kassiert aber natürlich Jack Black ("High Fidelity"), die MTV-Ikone, die Perverses unverwechselbar und salonfähig macht. Weil "Orange County" sich nicht selbst zur Klamotte herabstufen will, hält sich der Lachfaktor zwar deutlich in Grenzen, wenn Jack Black allerdings fettbäuchig und nur in Unterhose nach seinem Urinbecher fragt und Anarchie fabriziert, ist für Laune gesorgt. Er gibt das liebenswert verkommene Unikat und als Bruder von Shaun, dem angehenden Literaten, ist er dessen eigentlicher Inspirationsgeber. Colin Hanks bleibt dagegen gerade durch seine Rollengrenzen blass, doch es reicht halt. Gleiches gilt für die nur schmückende Figur, die von Schuyler Fisk gespielt wird.

Eigentlich hätte aus der Teeniekomödie auch eine Tragödie werden können, ist doch nicht nur der Bruder ein zugedröhnter Drogenfreak. Vielmehr scheint auch die Mutter gescheitert, denn ihren Frust über die kaputte Ehe ertränkt sie im Alkohol. Außerdem wirkt Kalifornien als Surfer-Paradies, aber auch als Ort des schmerzvollen Hedonismus, der beschränkten Oberflächligkeit ohne Ausweg. Doch Regisseur Kasdan gewinnt dem Ganzen vor dem Hintergrund des "Erkenne dich selbst und deine Wurzeln"-Mottos die gute Seite ab. "Orange County" ist ganz so, wie die kurzen Gastauftritte von Kevin Kline und Ben Stiller - unbedeutend, im Grunde nicht erwähnenswert. Die Moral der Geschichte ist auch ebenso abzusehen wie deren Happy End.

Und dennoch macht der melodisch junge Streifen Spaß. Seine Gestalten mögen gekünstelt und überzeichnet wirken, aber "Orange Country" ist nicht aufdringlich, in seiner kurzen Laufzeit niemals langweilig. Dass über Literatur selbst nie gesprochen wird, ist klar, vielmehr muss für das Zielpublikum tragfähige Musik her. Zusammen mit einigen gut gesetzten Situationskomiken ergibt das eine überdurchschnittliche Teeniekomödie, die sich dankenswerterweise mal nicht in Regionen unterhalb der Gürtellinie suhlt.


Belanglos einnehmende Coming-of-Age-Unterhaltung


Flemming Schock