Ring
(Ring, The)

USA, 115min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Gore Verbinski
B:Koji Suzuki,Ehren Kruger, Hiroshi Takashi
D:Naomi Watts,
Martin Henderson,
David Dorfman,
Brian Cox
L:IMDb
„You'll die in seven days.”
Inhalt
Als ein junges Mädchen unerklärlicherweise stirbt, wird die Journalistin Rachel Keller (Naomi Watts) aufmerksam und stellt weitere Nachforschungen an. Bald stellt sich heraus, dass das Mädchen exakt 7 Tage vor ihrem Tod ein ominöses Video gesehen hat, zusammen mit einigen Freunden, die ebenfalls alle tot sind. Bald bekommt Rachel das Band in die Hände, und fortan hat sie nur noch eine Woche, das Geheimnis um das Todesvideo zu lösen.
Kurzkommentar
Ein feines Stück Horrorfilm tischt uns Gore Verbinski auf. Ohne Kenntnis des Originals kann der Film zweifelsohne nur gewinnen, aber trotzdem bleibt das Ergebnis beachtenswert. In einem Genre, dass von so wenigen echten Highlights bevölkert wird, ist "The Ring" jedenfalls mehr als einen Blick wert.
Kritik
Der größte Verdienst des Horrorfilms ist, wenn er atmosphärisch bleibt ohne plump zu wirken, ein Thema bietet ohne plump zu wirken und unheimlich spannend ist... ohne plump zu wirken. Kaum ein anderes Genre bietet so viele Fallen, die den Film anschließend unglaubwürdig oder, nicht selten, lächerlich wirken lassen. Subtilen Nervenkitzel zu erzielen zählt wohl zu den anspruchsvollsten Aufgaben eines Filmemachers und gerade wenn ein Horrorfilm Mystery-Element enthält, wird es äußerst schwer, glaubwürdig zu bleiben. Aus diesem Grund (und weil dem Genre wohl immer noch zu wenig Respekt gezollt wird) gibt es beispielsweise keinen einzigen Oscar-Gewinner aus der Kategorie "Horror". "Das Schweigen der Lämmer" aus dem Jahre 1992 ließe sich hier vielleicht ansatzweise einordnen, aber als "echter" Horror geht auch der nicht durch. Der letzte Horrorstreifen, dem die einzige Oscar-Ehre hätte zuteil werden können, war "The Sixth Sense" von M. Night Shyamalan im Jahre 2000, aber der verlor gegen "American Beauty" und wurde vermutlich nur aufgenommen, weil er zuvor zum Überraschungshit avancierte. Symptomatisch auch die Top 250 der IMDb: hier tummeln sich gerade mal zwanzig Filme, die der Kategorie "Horror" zugeordnet werden und da sind eben auch fragwürdige Horrorfilme wie "Das Schweigen der Lämmer", "Terminator" oder "King Kong" dabei.

Nein, der Horrorfilm hat es in seiner künstlerischen Anerkennung nicht einfach. Er gilt größtenteils als zweitklassig, billig, platt, B-Movie. Finanziell sieht das schon ganz anders aus: nicht zuletzt auf Grund der "Scream"-Reihe wurde ein Teenie-Horrorfilm nach dem anderen aus dem Boden gestampft. Selbst der inspirationsärmste Standard-Slasher konnte in den amerikanischen Charts noch mühelos Kohle scheffeln und auch in Deutschland wurde mit "Anatomie" erfolgreich mitgegruselt. Das haben beispielsweise auch Produzent Joel Silver ("Matrix") und Regisseur Robert Zemeckis ("Verschollen") erkannt. Nicht erst seit "Haunted Hill" produzieren sie gemeinsam 08/15-Horrorstreifen am laufenden Band (letztes Resultat: "Ghost Ship"). Aber warum nicht? Viele Leute mögen den "billigen" Grusel offenbar, die Filme floppen selten, Geld fließt ohne immensen Aufwand in die Kasse und so kann Zemeckis die Filme, die er drehen möchte, mit ruhigem Portemonnaie inszenieren.

Was sagt uns das alles jetzt über "The Ring"? Ganz einfach: der Film ist saugut. Wäre er nicht ein schamloses Remake, könnte man ihm sogar Innovation unterstellen, aber was er vor allem schafft, ist die unsäglich trashige Prämisse (der Konsum eines Videobandes führt sieben Tage später zum Tode) subtil (und eben nicht plump) umzusetzen. Bis auf die weniger gelungene Eingangssequenz im Teenie-Slasher-Stil gelingt Verbinski feiner Horror, indem er den Grusel mit kleinen Anspielungen einführt, erst langsam Mystery-lastiger wird und immer auf gute Darsteller setzen kann (im Horrorgerne keine Selbstverständlichkeit). Allzu groß scheint seine Leistung laut Wolfgang aber nicht zu sein, weil er sich eben stark am Vorbild orientiert, aber das japanisches Original werden die wenigsten Zuschauer kennen.

Was von "The Ring" jedenfalls behauptet werden kann, ist, dass er funktioniert. Und das nicht nur, weil er technsich überzeugt, auch, weil er eine gekonnte Balance zwischen Mysterywelt und Realität findet - das wichtige wird aufgedeckt (wer steckt dahinter?), viele Details bleiben ungeklärt (Nasenbluten, Entstehung des Videos), vieles bleibt mysteriös-verklärt (die Stimme am Telefon). Es ist ohne Zweifel kein leichtes, hier eine befriedigende Lösung zu finden (erklärt man zuviel, wird es plump, erklärt man zu wenig, bleibt es abstrakt), aber Verbinskis Mischung ist nicht ohne Hintersinn. Denn so wie "The Ring" alles mögliche bedeuten kann (Ist es nur der Verschluss des Brunnens? Ist es nicht vielleicht auch das Klingeln des Telefons (engl. "to ring")? Oder bedeutet es ganz einfach nur, dass sich das Ereignis unendlich oft wiederholt?), bietet das Ende genügend Erklärung und gleichzeitig zu wenig. Dass mir als Nichtkenner des Originals die Pointe entgangen ist, kann ich nicht behaupten, aber wirklich klar wird sie nicht. Nicht, wenn man bedenkt, dass der Film zuvor immer noch einen draufsetzen und scheinbar alles penibel ausbreiten wollte.

Und auch wenn "The Ring" nicht perfekt ist, das Horror-Genre zweifelsohne schon besseres und auch glaubwürdigeres hervorgebracht hat, so kann er definitiv als einer der gelungeneren Beiträge gelten. Seine Optik ist teilweise berauschend schön (der Baum vor dem düster-grünen Himmel), seine Musik den Bildern immer angemessen (für Kenner: man achte auf die Parallelen zu Zimmers "Hannibal"), Schnitt und Inszenierung sauber vollzogen. Verbinski jedenfalls (dessen "Mäusejagd" noch immer unterschätzt wird) kann sich auf die Schulter klopfen. Wir warten gespannt auf seinen Piratenbeitrag "Pirates of the Caribbean".

Gekonnter, teils mörderisch spannender Horror/Mystery-Cocktail


Thomas Schlömer