Flight Girls
(View from the Top, A)

USA, 87min
R:Bruno Barreto
B:Eric Wald
D:Gwyneth Paltrow,
Christina Applegate,
Mark Ruffalo,
Candice Bergen,
Mike Myers
L:IMDb
„Eine Zufrühdurchstarterin”
Inhalt
Donna (Gwyneth Paltrow) stammt aus bescheidenen Verhältnissen, ist ziemlich blond, aber gar nicht so blöd. Um ganz nach oben zu kommen, wählt sie sich den glamourösesten aller weiblichen Lächelberufe aus: Sie will Stewardess werden. Da sie auf ihrem Flugbegleiterinnenlehrgang unter dem strengen Regiment des Ausbilders John Whitney (Mike Myers) buchstäblich eine gute Figur macht und alle Männer sowieso auf sie fliegen, scheint ihrem steilen Aufstieg bald nichts mehr im Weg zu stehen. Im Geiste sieht sie sich schon als elegant uniformierte Königin der Lüfte, die auf dem First-Class-Non-Stop-Flug New York-Paris ihre perfekt choreographierten Handbewegungen zelebriert. Als dann aber ihre Freundin und Kollegin Christine (Christina Applegate) versucht, sie ohne Fallschirm von ihrem Karrierehöhenflug herunter zu schubsen, droht Donna eine unsanfte Bauchlandung.
Kurzkommentar
Eine Rückmeldung kann auch eine völlige Bruchlandung sein. Die legt nun die nur noch selten auf der Leinwand zu sehende Gwyneth Paltrow satt hin. „Flight Girls“ ist die nahtlose Inhaltsentsprechung zu seinem Titel, eine gelangweilte, überzuckerte Unnötigkeit, die weder den Ton einer Klamotte noch den der Romanze trifft. Absicht war wohl ein satirisches Spiel mit Blondinen- und Stewardessenklischees, Resultat ist nur ein harmloses, zuweilen peinliches Abbild derselben. Nur der kaugummiartige Look des Märchens sorgt für Anflüge von Kurzweil, ändert aber nichts daran, dass „Flight Girls“ einen ziemlich unangenehmen Ausweis für alle Beteiligten gibt.
Kritik
Filme, die besser nie hätten landen sollen, kommen ja doch immer wieder runter. Unbarmherzig, jedes Jahr. „Flight Girls“ ist einer von ihnen. Die deutsche Titelwahl mag nun nicht für kluge Politik seitens des Verleihs sprechen, charakterisiert sie den Streifen doch weit besser als das englische „View from the Top“ und sagt damit vor allem eines – bitte nehmen Sie nicht diesen Flug. Denn er ist nur das übliche Dilemma, der riskierte und peinlich vollzogene Absturz. Man kennt es ja: um in den Himmel Hollywoods aufzusteigen, reißen unbekannte Regisseure, ihre Chance weniger witternd als erzwingend, den erstbesten Stoff an sich. Und genau das tat der Brasilianer Bruno Barreto, der sich für sein amerikanisches Debüt das wohlgemerkt erste Drehbuch von Autor Eric Wald nahm und damit mächtig in Turbolenzen gerät.

Hätte die ehemals so gefeierte Oscarpreisträgerin Gwyneth Paltrow („Shakespeare in Love“) sich hier nicht als Vorzeigeblondine ausstaffieren lassen, wäre „Flight Girls“ schnurstracks in der hintersten Ecke der Videothek gelandet. Aber auch mit Zugpferd ist die Komödie, die nicht witzig ist, ist die Romanze, die nicht romantisch ist, vor allem eines, und zwar peinlich für alle Beteiligten. Die verkümmerte Geschichte des die Selbstverwirklichung in der weiten Welt suchenden Vorstadtkükens, das als Magd in der Business-Class seine Bestimmung und das Glück auf dem Boden findet, ist schon fast unerhört umgesetzt. Gut möglich, dass die ursprüngliche Absicht war, das Klischee der natürlich blonden Sexphantasie Stewardess mit ironischem Biss auf die Schippe zu nehmen. Daraus geworden ist jedoch ein gelangweilt strapazierendes Zitieren aller Klischees der Luftfahrt.

Deren gewaltiger Fehler liegt darin, nicht in Richtung Klamauk zu gehen. Das hätte das bonbonfarben abscheuliche Setting von „Flight Girls“ noch nahe gelegt. Stattdessen nimmt sich der Film an selbstverständlich berechenbaren melodramatischen Stellen fragwürdig ernst, auch deswegen, weil er die blonde Weltanschauung der Ersten Klasse und den Traum vom vollen Kleiderschrank noch immer für voll nimmt, trotz des Kitsches. In dieser Kulisse steht der gesamte Cast dann in albernen Kostümen herum, streckt mit dümmlichen Dialogen vor dem Hintergrund der Flugbegleiterkarriere die Minuten und meint, nur weil Mike Myers („Austin Powers“) für diesen undankbaren Job gebucht werden konnte, dass schielend verstiegene Stewardessenlehrer schrecklich komisch seien. Das Gegenteil ist der Fall. Der leicht anzügliche, öde Unsinn führt nur zu einer Gedulds- und Nervenzerreisprobe beim Zuschauer.

Was wäre aber auch mehr zu erwarten gewesen, Eric Wald hat das Script auf einem Drehbuchseminar erstellt. Deswegen wird noch des Wendepunkts wegen, damit die Luftfahrtkarriere der durchstartenden Blondine nicht allzu reibungslos abläuft, eine Intrige nach abgestandenem Schema und eben der provinzielle, aber wahre Mann auf dem Boden in das haarsträubende Handlungsgerüst eingepflochten. Und nahtlos fügen sich die Schauspielleistungen. Lieber hätte Gwyneth Paltrow weiterhin mit Leinwandabwesenheit bestechen sollen; hier ist sie nichts weiter als wandelnde Geraderobe und unsägliche Frisurenplastik. Nach diesen zähen, ideenlosen und rundherum verzichtbaren 87 Minuten ist wenigstens Eines klar: die Wahrheit über Flugbegleiterinnen haben wir ja schon immer gekannt.

Übersüßte, nervende Klischeerevue mit Absturzgarantie


Flemming Schock