Core, The - Der innere Kern
(Core, The)

USA, 135min
R:Jon Amiel
B:Cooper Lane, John Rogers
D:Aaron Eckhart,
Hilary Swank,
Stanley Tucci,
Delroy Lindo
L:IMDb
„You're talking about jumpstarting a planet. ”
Inhalt
Ein geheimes Militärexperiment hat den flüssigen Kern der Erde zum Stillstand gebracht, mit katastrophalen Folgen für die Erde. Innerhalb eines Jahres droht das Ende der Menschheit. Ein Team aus Wissenschaftlern ist auserkoren, den Planeten zu retten, und zwar durch eine Expedition ins Innere der Erde.
Kurzkommentar
Läßt man alle wissenschaftlichen Einwände beiseite, so bleibt von »The Core« ein recht unbedeutender, aber vergleichsweise unterhaltsamer Kern übrig, der zwar kaum in die Kinogeschichte eingehen wird, für einen netten Abend aber durchaus ausreicht.
Kritik
Entgegen den überwiegend katastrophalen Kritiken war ich »The Core« gegenüber recht positiv gestimmt, und dies aus drei Gründen: Zunächst bin ich als langjähriger Science-Fiction-Fan vergleichsweise immun gegen wissenschaftliche unhaltbare, dramaturgisch aber ntowendige Storyelemente. Weiterhin war der Film schon allein der Zerstörung der Golden Gate Bridge (als zeitweiliger San Francisco-Bewohner mein liebstes architektonisches Bauwerk) wegen sehenswert. Und zum dritten waren die Lieblingsbücher meiner Jugend die »Giganto«-Reihe von Rolf Ulrici, in denen ein paar Jugendliche zusammen mit einem genialen Professor in einem Erdschiff in das Innere der Erde vorstoßen und dort allerlei Abenteuer erleben. Soviel vorweg zur Entschuldigung, falls dem einen oder anderen meine Kritik zu positiv erscheinen mag.

Grundsätzlich bleiben zwei Möglichkeiten: Man verlangt von einem Film, sich an grundlegende physikalische Gegebenheiten zu halten und gesteht höchstens kleine dramatrugische Vereinfachungen zu - oder man läßt es bleiben. Wer an »The Core« Gefallen finden will, der sollte sich tunlichst letztere Position zu eigen machen, denn wissenschaftlich gesehen ist der Film von vorne bis hinten schlicht hanebüchener Blödsinn. Verzichtet man dagegen auf derlei Ansprüche, so lässt sich mit etwas Fantasie vorstellen, dass man mit einem stabilen Schiff unter Verflüssigung des vor einem liegenden Materials in die Erde vordringen könnte, und mit noch ein wenig mehr Fantasie könnte man sogar den Atombomben-Rettungsplan akzeptieren. Denn: Im Vergleich zu »The Core« wurde »Armageddon« ein Musterbeispiel an wissenschatlicher Akkuratheit genannt.

Apropos »Armageddon«: Wie von einem Bruckheimer/Bay-Streifen nicht anders zu erwarten fällt dieser deutlich bombastischer, knalliger und patriotischer aus. »The Core« dagegen ist hier, trotz des Themas, vergleichsweise ruhig, was sowohl am Regisseur wie auch am notorisch knauserigen Finanzier Paramount liegen mag. Mir jedenfalls hat der Verzicht auf triefenden Heroismus ganz gut gefallen, auch wenn natürlich auch »The Core« nicht ohne beispielhafte Helden auskommt. Das niedrige Budget wirkt sich indes vorallem optisch aus. Abgesehen von den beiden exemplarischen Destruktionsszenen, für die Paramount nach der eigentlichen Fertigstellung nochmals Geld nachlegte, wirken die Effekte, nun, sparsam. Am deutlichsten wird dies bei dem Farbgewaber, dass den Monitor ersetzen soll. Sicher, Erdschichten abwechslungsreich darzustellen mag schwer sein - die hier gebotene Optik bringt aber sogar noch ein C64 zu stande.

Besser wäre es gewesen, Regisseur Amiel hätte sich mehr auf effektvolle, aber preiswerte Szenen verlegt, etwa jene, mit denen der Film beginnt. Insbesondere die Sequenz mit den orientierungslosen Vögeln ist sehr wirkungsvoll und erzeugt genau den richtigen Grusel. Überhaupt ist der Film zu Beginn eigentlich am stärksten, als das offensichtliche Ende noch nicht absehbar ist. Denn wenn eine Crew aus sechs Mann zur Rettung der Erde ausgeschickt wird, dann ist recht absehbar, dass die weniger prominenten Charaktere zwischenzeitlich ihr Leben lassen, die Hauptdarsteller aber natürlich am Ende triumphierend zurückkehren; leider hält sich auch »The Core« an diese Schematik, die so durchsichtig ist, dass sie schon nichtmal mehr einen Spoiler hergibt. Sobald die Crew also in ihrem Schiff tatsächlich zum Erdkern vordringt, verliert der Film eigentlich an Momentum, denn optisch Sehenswertes bleibt kaum noch, die Dramaturgie ist Standard, und die Charaktere sind zwar vergleichsweise gut ausgearbeitet, bieten aber auch nur endliches Konfliktpotenzial.

Der Cast ist erstaunlich hochwertig; obwohl echte A-List-Darsteller fehlen, sind mit Swank, Eckhart, Lindo und Tucci durchaus namhafte Schauspieler mit an Bord. Die Darstellerleistungen sind erwartungsgemäß: Solide, wenn auch nicht oscarverdächtig. Sieht man den stellenweise sichtbar billigen Effekten ab, so gilt das Stichwort »solide« auch für die restlichen formalen Aspekte.

Letztlich erstaunt es, dass »The Core« angesichts des geringen Budgets, dass erwartungsgemäß kein zweites »Armageddon« erlauben würde, nicht mehr Wert auf die Story gelegt hat - die Ausgangsidee ist solide, und die Reise in den Kern der Erde hätte so viele Möglichkeiten geboten. Den Drehbuchautoren mag man das Lesen der eingangs erwähnten Kinderbücher empfehlen, denn hier sind die Möglichkeiten voll ausgeschöpft, und gehen weit über »Hüllenbruch« und »Undurchdringliches Gestein voraus« hinaus. Auch der "Militärexperiment"-Plot hätte durchaus noch Potential gehabt. Und um auf den größten Kritikpunkt zurückzukommen: Ein wenig mehr Rücksicht auf physikalische Gegebenheiten hätte auch nicht geschadet - manche Storykonstruktionen sind schon arg dürftig.

So bleibt mit mit »The Core« ein Film mit offensichtlichen Mängeln (die Regisseur Amiel im »Entertainment Weekly«-Interview auch gar nicht verschweigt), der aber letztlich dennoch recht sympathisch und unterhaltsam bleibt. Die "Dallas Morning News" fasst es treffend zusammen: "An enjoyable, forgettable film".


Hanebüchener, aber dennoch unterhaltsamer Katastrophenfilm


Wolfgang Huang