Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger
(Star Wars: Episode II - Attack of the Clones)

USA, 143min
R:George Lucas
B:George Lucas, Jonathan Hales
D:Hayden Christensen,
Anakin Skywalker,
Natalie Portman,
Ian McDiarmid
L:IMDb
„Too self-confident the Jedi are - even the older ones.”
Inhalt
Zehn Jahre sind vergangen, seit der junge Anakin Skywalker (Hayden Christensen) seine Jedi-Ausbildung bei Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) begann. Nun steht die Republik vor ihrer größten Zerreißprobe: Eine mächtige Separatistenbewegung unter Leitung des ehemaligen Jedis Count Dooku (Christopher Lee), ausgestattet mit einem Heer von Kampfdroiden, bedroht den Frieden und das Leben der einflussreichen Senatorin Padmé Amidala (Natalie Portman). Anakin wird zu ihrem Leibwächter ernannt, während Obi- Wan in den Weiten der Galaxie nach den Drahtziehern der Verschwörung sucht. Dabei stößt er auf eine riesige Armee von Klonkriegern, die im Geheimen zum Schutz der Republik gezüchtet wurde. So jedenfalls die offizielle Version. In der Zwischenzeit kommen sich Amidala und Anakin näher. Doch bevor die Liebenden zueinander finden, kommt es zur Schicksalsschlacht zwischen Klonen und Droiden, Jedis und Abtrünnigen.
Kurzkommentar
Der "Angriff der Klonkrieger" wurde nach dem dürftigen Vorgänger und trotz der gemischten Kritiken aus den USA glücklicherweise wieder ein Film mit Flair und Esprit, denn George Lucas gelingt es trotz eines schwerfälligen Mittelteils, weiterhin effektgeladener Bilder und so mancher Drehbuchglanzlosigkeit endlich wieder, eine recht gelungene Mischung aus Action, Romanze und liebevollen "Star Wars"-Momenten auf die Leinwand zu bringen. Der Fan sollte so mit überwiegend positiver Stimmung das Kino verlassen, alle anderen bekommen evtl. nur Durchschnittskost.
Kritik
Geblendet meine Gedanken waren, als ich anno 1999 die Kritik zum langersehnten Star Wars-Prequel "The Phantom Menace" schrieb. Zu platt war der Film, zu konstruiert, zu gezwungen und, trotz des grandiosen Lichtschwertkampfes mit Darth Maul, auch im Effektbereich doch zu unausgereift. Mit "Episode II" sollte da natürlich alles besser werden, aber dass sich der Tenor der amerikanischen Fachpresse fast einstimmig zu einem "ja, er ist besser als der erste Teil" formierte, ist nur auf den ersten Blick als echtes Lob zu werten. Viel schlimmer als bei "Episode I" konnte es tatsächlich kaum werden.

So vermeidet Star Wars-Papst George Lucas auch viele Fehler des letzten Films und setzt bei "Angriff der Klonkrieger" etwas ernster an: weniger bunt geht es nun zu, politische Umwälzungen spielen mehr denn je eine Rolle und die Riesenparty am Ende bleibt aus. Diese Umorientierung ist nicht zuletzt im Hauptcharakter des Films begründet, denn schließlich ist Anakin Skywalker nun nicht mehr neunjähriges Nervenblag, sondern waschechter Jedi-Padawan inkl. eigenem Lichtschwert, eigenen Kräften, eigener Meinung und so. Dies gibt dem Film nicht nur einen reiferen, wenn auch immer noch sehr juvenilen Charakter, es sorgt auch dafür, dass, man glaubt es kaum, die Charakterentwicklung im Vordergrund steht. Und die ist gar nicht mal schlecht umgesetzt: Hayden Christensen verkörpert den kommenden Maskenmann mit solidem Charisma und genügend innerer Zerrissenheit und Verzweiflung. Lucas schrieb ihm dazu ein paar effektive Szenen auf den Leib, die nicht nur seinen steigenden Hass hervorheben, sondern auch seine Ohnmacht begründen, irgendwann der dunklen Seite der Macht nachgeben zu müssen. Besonders deutlich wird Lucas Absicht, um Charaktertiefe bemüht zu sein, im Camp der Tusken-Kämpfer, als Anakin seiner Wut nachgibt und zur Rache ansetzt, Lucas aber unerwartet schnell wegblendet und auf die Action verzichtet. Stattdessen nutzt er die Ereignisse, um Anakin einen recht effektiven Monolog vor Senatorin Amidala vortragen zu lassen - eine gute Entscheidung.

Viel wichtiger ist und bleibt aber natürlich der schwammige Ausdruck "Star Wars-Flair", den viele Fans beim ersten Teil so sehr vermisst haben: diese zweifelsohne schwer zu konstruierenden, magischen Momente im Seifenoper-Märchen des George Lucas, die den Kindern von damals (und eben Fans von heute) das Leuchten in die Augen trieben. Die kleinen Momente, in denen Luke Skywalker vor den zwei Sonnen Tatooines stand, Han Solo süffisant seine Macho-Kommentare abgab, Darth Vader mit seinem ledernen Handschuh die Stärke "dieser altertümlichen Religion" demonstrierte und Grand Moff Tarkin mit Knochengesicht und erschaudernder Kaltblütigkeit einen ganzen Planeten zerstörte. Und, ja, atmet das Fanherz auf, diese kleinen Momente gibt es auch in "Attack of the Clones", obwohl sie für ihren magischen Touch wohl noch etwas reifen müssen. So besucht Obi-Wan Großmeister Yoda bei einer Lehrstunde mit Jedi-Schülern, in denen sie gemeinsam einen verschwundenen Planeten suchen, macht einen kurzen Abstecher zu einem Fast-Food Laden, in dem ein herrlich-grunziges Monster hinter der Theke arbeitet und wird auf dem Wasserplaneten Kamino von zwei edlen, langhalsigen Kreaturen empfangen, deren Charisma und edle Umgebung durchaus magische Stimmung aufkommen lassen.

Diese kleinen, aber feinen Momente sind aber wahrscheinlich nur für eingefleischte, gewissermaßen "angepasste" Fans wirklich "magisch", allen anderen dürfte der Film vor allem aufgrund einiger ebenso misslungenen Momente deutlich weniger gefallen (dazu aber später noch mehr). Gegen diese charismatischen, guten Szenen stehen nämlich die, in denen sich vor allem der Kenner fragt, was zum Geier sich Onkel Lucas dabei gedacht hat. So kann man quasi die ganze Familie Skywalker in der Pfeife rauchen: der Miniauftritt von Onkel Owen und Tante Beru ist ebenso überflüssig wie der plötzliche "Mann" von Anakins Mutter Shmi. Die wiederum hätte zur vollen Entfaltung des emotionalen Hintergrundes durchaus mehr Leinwandzeit gebrauchen können und wirkt so eher als Störfaktor. Eine weitere Sünde im Lucas-Evangelium: der hirnverbrannte Familienplot um Jango und Boba Fett. Mag ja sein, dass Kopfgeldjäger auch Menschen sind und deshalb Kinder kriegen können, aber das nimmt den guten Fetts deutlich an Coolness und Kaltblütigkeit. So werden sowohl Jango als auch Boba (in der alten Trilogie) zu "gewöhnlichen" Personen degradiert, die auf Rache schwören und nicht mehr diese Aura der eiskalten Söldner besitzen.

Das bringt mich wohl zum zweitwichtigsten Punkt eines "Star Wars"-Films: die Actionszenen. Auch hier gibt es positive, wie negative Aspekte, wobei die positiven überwiegen. Negativ sei zunächst einmal der technische Aspekt herausgestellt: es gelingt den Künstlern von ILM leider immer noch nicht, die digitale Herkunft wirklich jeder Szenerie zu leugnen - und das nicht nur aus Sicht der Glaubwürdigkeit, wo "ja einfach computergeneriertes Material verwendet worden sein muss, weil diese Szene sonst nie hätte entstehen können". Am schlimmsten stechen hier die Reiteffekte ins Auge, wo menschliche Akteure auf allerlei Getier reiten sollen, aber nur holprig durchs Bild hüpfen (die Lösung dieses Problems scheint mindestens eine Diplomarbeit zu erfordern, denn auch Legolas aus "Herr der Ringe" hatte beim Höhlentroll damit zu kämpfen). Klingt jetzt etwas penibel angesichts der (überwältigenden) Mehrheit an wirklich gelungenen Effekten, aber die Reitfehler stechen schon verdammt tief ins Auge. Dicht gefolgt wird dieser Lapsus von der Masse an animierten Kreaturen, die das "Star Wars"- Universum bevölkern. Diese werden bei "Episode II" glücklicherweise weit weniger zum Selbstzweck eingesetzt als noch bei "Episode I". Trotzdem wünscht man sich desöfteren "echte" Latexmasken zurück, weil diese vor allem aufgrund der Ausleuchtung immer noch einen Tick realer wirken.

Nun gut, kommen wir zum ursprünglichen Aspekt zurück: die Action schwankt von phänomenal bis durchschnittlich. Die Jagd durch Coruscant direkt zu Beginn ist sowohl aus technischer, als auch aus inszenatorischer Sicht ein Highlight des Films und die Rasanz ist tatsächlich beeindruckend - auch wenn die atmosphärische Mischung aus "Blade Runner" und "Das fünfte Element" Innovationsarmut vermuten lässt. Technisch grandios auch der Kampf zwischen Obi-Wan und Jango Fett auf Kamino sowie die Asteroidenjagd zwischen den beiden (man achte auf den Sound). Hier schlägt es allerdings etwas auf den Magen, dass die Reminiszenz an "Das Imperium schlägt zurück" einen Tick zu weit gegangen ist und beide Actionszenen leider viel zu kurz sind. Gerade das Duell auf Kamino ist nach den Ankündigungen im Trailer enttäuschend knapp ausgefallen. Sei's drum. Das wichtigste und beste folgt nämlich am Schluss: der Kampf zwischen Yoda und Count Dooku. Groß wurde über ihn berichtet und obwohl auch dieses Duell leider viel zu schnell vorbei ist, dürfte dabei jedem Star Wars-Fan das Herz aufgehen: als Dooku sowohl Obi- Wan als auch Anakin außer Gefecht gesetzt hat, kündigt ein sanfter Schatten den kleinen Lehrmeister an und, seien wir ehrlich, jeder Star Wars-Fan wußte schon immer, dass unter der unbeirrbaren Ruhe des weisen Yoda eine unglaubliche Macht steckt, die er nur in den äußersten Notfällen anwendet. Hier darf er endlich zeigen, was in ihm steckt.

Problematisch bleiben an "Angriff der Klonkrieger" nun nur noch die Darsteller, die von den "professionellen" Kritikern in den USA geradezu zerrissen wurden. Dazu sei gesagt, dass Lucas wieder einmal beweist, dass er weiß Gott kein herausragender Regisseur, und vor allem kein guter Förderer der Schauspielkunst seiner Darsteller ist, die US-Kritik allerdings auch maßlos übertrieben hat. Seine sicherlich nicht selten-holprigen Dialoge und sein, sagen wir, gewöhnungsbedürftiger (aber auch hier und da gelungener (Stichwort: C3PO als Kampfdroide)) Humor, machen es den Darstellern dabei aber auch nicht einfach. Und dennnoch: Hayden Christensen trägt die emotionaleren Szenen durchaus solide, Natalie Portman bleibt blass, aber erträglich und vor allem Ewan McGregor ist die Lässigkeit in Person. Daneben agiert Ian McDiarmid charismatisch wie immer und Christopher Lee ist und bleibt Bösewicht-Darsteller Nr.1. Ausgerechnet Samuel "The Man" Jackson kommt mit Lucas' Bluescreen-Arbeit aber überhaupt nicht zurecht und ist mit Minimalmimik und Dauer-Kopfschütteln noch enttäuschender als in "Episode I".

Zieht man also so langsam ein Fazit, bleibt trotz der vielen, dennoch eher kleineren Kritikpunkte, festzuhalten, dass "Angriff der Klonkrieger" gute, für "Star Wars"-Anhänger vermutlich sogar bessere Unterhaltung ist und Lucas durchaus an die alte Trilogie anknüpfen kann. Ob nämlich "reguläre" Zuschauer soviel Freude an dem Film haben werden, darf doch bezweifelt werden, denn hier überschattet das "Star Wars"-Flair nicht den Postkarten-Kitsch der Romanze, den ein oder anderen darstellerischen Ausrutscher sowie George Lucas' Erklärung, was denn nun eigentlich Demokratie ist. Problematisch könnte es außerdem bei der Synchronisation werden, denn Trailer und Dialogausschnitte lassen Übles erahnen.
Und um nochmal einen versucht-objektiven Blickwinkel in diese aus "Star Wars"-Augen niedergeschriebene Kritik zu bringen: trotz des relativen Gelingens von "Attack of the Clones", muss zugegeben werden, dass in Zeiten von "Herr der Ringe", "Spider-Man" und anderen Blockbustern die Tage, an denen ein "Star Wars" der alles überragende Film am Blockbuster-Himmel war, wohl für immer vorbei sind - und das nicht nur aus finanzieller Perspektive.

Immer noch nicht der große Wurf, aber allemal sehr unterhaltsam.


Thomas Schlömer