Ghost Ship

USA, 91min
R:Steve Beck
B:Mark Hanlon
D:Gabriel Byrne,
Julianna Margulies,
Desmond Harrington,
Isaiah Washington
L:IMDb
„Congratulations, you found a boat in the middle of the ocean!”
Inhalt
Durch einen Hinweis entdeckt die Bergungscrew um Kapitän Murphy (Gabriel Byrne) den langen verschollen geglaubten Luxusline Antonia Graza - eine wahre Goldgrube. Doch als sich die Schrottexperten an die Bergung machen, häufen sich die mysteriösen Zwischenfälle. Und schon bald zeigt sich, dass das Boot ein grausames Geheimnis birgt.
Kurzkommentar
Leider hat es bei "Ghost Ship" zu nicht viel mehr als einem Standard-Schocker gereicht. Der schlimmste Malus: Der Film will und will einen nicht so recht zum Gruseln bringen, zu abgedroschen kommen Story und Effekte daher.
Kritik
Insbesondere die Produzentenliste läßt einen eigentlich Größeres erwarten: Immerhin zeichnen Joel Silver und Robert Zemeckis für einige Blockbuster verantwortlich. Doch weshalb sie sich auf dieses Projekt eingelassen haben, ist mehr als fragwürdig. Eventuell nur, um für Halloween (als der Film in den USA startete) einen Horrorstreifen im Angebot zu haben. Weniger überraschend dann schon das Ergebnis der Regisseurswahl. Steve Beck zeichnete unter anderem für die Effekte in "The Abyss" und "Jagd auf Roter Oktober" verantwortlich - mit Wasser hat er also Erfahrung. Und so ergibt es sich auch, dass "Ghost Ship" optisch sehr ordentlich ausfällt, auch wenn Beck die Ekelszenen etwas zu arg zelebriert. Inspiriert von "Cube" und "Resident Evil" gibt es hier die neue Dimension der Körper-Zerschneide-Szene - wohl dem, der einen festen Magen hat, denn es bleibt nicht bei reiner Andeutung.

Für einen anständigen Schocker wären jetzt noch zwei Dinge notwendig: Eine halbwegs akzeptable Story und gute Gruseleffekte. Bei der Story wollte sich Autor Mark Hanlon wohl etwas zu sehr verkünsteln, oder der Schnitt hat wesentliche Elemente getilgt. Während sowohl die Grundidee als auch vor allem die Schlußwendung durchaus akzeptabel sind, gibt das Ganze in seiner Gesamtheit wenig Sinn und man wundert sich dass die Protagonisten nicht zwischenzeitlich in das gähnende Storyloch gefallen sind. Allerdings ist es andererseits kaum vorstellbar das ein Autor ein Drehbuch mit derart eklatanten Mängeln abliefert. Denn, wie gesagt, vor allem die Schlußwendung gefällt mir von der Idee her sehr gut, zumal sie kaum vorhersehbar ist.

Bleiben die Schocker, das Herzstück eines jeden Gruselfilms. Auch hier zeigt sich, dass die Story wohl mal mehr war als das verbliebene Relikt, denn über weite Strecken folgt sie nicht dem üblichen Schreien-Rennen-Sterben-Muster. Leider sind aber, Story hin, Story her, die letztlich übrig gebliebenen Szenen einfach nicht gruselig genug, eher eklig. Die Maskenbildner und Theaterblutliferanten hatten jedenfalls genug zu tun. Eigentlich wäre so ein großes, verlassenes Schiff auf weiter See ein gelungener Schauplatz, doch der Film nutzt die Möglichkeiten nicht ausreichend aus. Es ist schwer zu beschreiben, aber: "Ghost Ship" ist einfach nicht wirklich gruselig.

Wann hatte ein Horrorfilm jemals eine wirklich überzeugende Darstellercrew? Wahrscheinlich schließen sich der Trend zum B-Movie und ein A-List-Cast automatisch aus. Immerhin hat es noch für Gabriel Byrne gereicht, der eigentlich früher durchaus auch in Charakterrollen überzeugen konnte. Für Horror-Movie-Verhältnisse schlägt sich Darstellerriege eigentlich ganz passabel, Großes hätte auch niemand erwartet. Ähnliches gilt für den am besten als zweckmäßig zu beschreibenden Score.

Eine Überarbeitung des Drehbuchs hätte dem Film gut getan. Die eigentliche Grundidee wäre tragfähig, und "Ghost Ship" hat auch genügend eigene Ideen - doch es scheitert an seinen immensen Storylücken und letztlich am fehlenden Grusel. Zumindest Letzteres ist aber der Todesstoß für einen Horrorfilm.

Mehr ekliger als gruseliger Horrorschocker


Wolfgang Huang