Tuxedo, The - Gefahr im Anzug
(Tuxedo, The)

USA 2002, 98min
R:Kevin Donovan
B:Phil Hay
D:Jackie Chan,
Jennifer Love Hewitt,
Jason Isaacs,
Debi Mazar
L:IMDb
„Not every chinese is Bruce Lee”
Inhalt
Vom Taxifahrer in Toronto zum Chauffeur eines Topagenten, den Playboy und Millionär Clark Devlin (Jason Isaacs), ist es nur ein kleiner Schritt für Jimmy Tong (Jackie Chan). Es gibt nur eine Regel: Niemals den sündhaft teuren Smoking des Chefs berühren! Denn dieser mit bio- und gentechnologischen Mitteln angereicherte Anzug ist eine Geheimwaffe! Aber als Devlin außer Gefecht gesetzt wird, schlüpft Jimmy in diesen Anzug und übernimmt nichts ahnend einen Fall, bei dem er sich viel Ärger einhandelt. Plötzlich befindet er sich mitten in der gefährlichen Welt der Spionage und wird ungewollt zum Geheimagent.
Kurzkommentar
Vielleicht, um die Wartezeit auf einen soliden Jackie Chan in „Rush Hour 3“ oder „Shanghai Knights“ zu verkürzen bringt man den Pausenfüller „The Tuxedo“. Chan und ein guter Plot sind schon Antinomie, aber der Zirkus um einen getunten Smoking liegt schon arg nah an der Schmerzgrenze. Zudem kommt Chan in seinem Element, der komischen Körperbeherrschung, überhaupt nicht zum Zug, sondern wird nur zur Marionette eines langweiligen Effektradaus. Allein die Chemie mit Jennifer Hewitt geht auf.
Kritik
Filme sind wie Anzüge: sie müssen passen, zurechtgeschnitten sein. Jackie Chan konnte als legendärer Kasper der Martial-Arts-Eastern im Westen nur groß rauskommen, weil man sich der Schwächen und Stärken des zu Vermarktenden bewusst war. Filme wie „Rush Hour“ und „Shanghai Noon“ wurden danach konzipiert. Statt Rollen spielt Chan im Grunde immer nur sich selbst, den beflügelten Akrobaten. Dass er schauspielerisches Vermögen nicht besitzt, daraus hat er auch nie einen Hehl gemacht, sondern dieses Defizit vielmehr durch aberwitzige Körpersprache ausgebügelt. Doch Action satt ohne verbale Pausenfühler, das geht selbst in Hollywood nicht.

Also muss Chan, um ihn als Helden in Hollywood zugkräftig zu halten, immer ein möglichst quasselfreudiger Partner an die Seite gestellt werden. Nur dieses Duo, die Synthese von Körper- und Sprachbeherrschung, verspricht dann die Massen zu locken. Zusammen mit Owen Wilson und Chris Tucker ging das Konzept auf. Und auch die Chemie zwischen Chan und der kaum bekannten Jennifer Hewitt („Heartbrakers“) stimmt. Die hat trotz ihres geringen Alters schon etliche Filme gedreht, der große Erfolg blieb ihr jedoch verwehrt. Da kann es schnell passieren, dass man aus Mangel an Rollenangeboten zu jedem Schrott Ja sagt. Dass „The Tuxedo“ ein solcher ist, liegt sicher nicht an ihr.

Von Beginn schmeckt es, als habe man bis zu „Rush Hour 3“ und „Shanghai Nights“, Chans sicheren Hauptvehikeln, eben noch mit wenigen Handgriffen einen schnellen Geldbringer einschieben wollen. Im Handumdrehen gewinnt man dafür jene Bedauernswerten, die nägelkauend und bedingungslos auf ihre Chance zum Debütfilm warten. Kevin Donovan ist einer von ihnen. Dabei rettet er wenigstens noch mit dem Dirigieren der technischen Seite, was zu retten ist, und das ist nicht viel. Die Schuld eher die schundgleiche Idee, ausgerechnet Jackie Chan, der gar keine Special-Effekts braucht, oder, wie immer wieder zitiert wird, nur sein eigener ist, dank eines albernen Superman-Smokings zum computerfrisierten Hampelmann zu degradieren.

Die ursprüngliche Stärke und Komik seiner Filme, die sagenhaft choreographierten Prügeltänze, wird konsequent ignoriert. Gut, auch der Plot von Chan-Streifen ist schnell erzählt, aber der Taxi-Fahrer, der sich die Heldenkutte des geschliffenen Agenten überstreift, um einen hybriden Wasserfabrikanten ordentlich aufzumischen, ist schon arge Zumutung. Los geht das noch mit der halbwegs tauglichen Gagtypologie um Chans mangelnde Englischkenntnisse. Darauf folgt erwartungsgemäß das erste klamottenartige Handgemenge, hier noch unfrisiert. Allerdings konstruiert der Film ja eine Erwartungshaltung und die wird mit dem Anlegen des Zirkus-Anzugs erst spät erfüllt.

Bis dahin passiert eigentlich nichts, was den billigen Streifen rechtfertigt. Dramaturgisch ist das übelste Schusterei. Ordentlich hausgemachte Prügelszenen erwartet man vergeblich, serviert bekommt man die obligatorische Verfolgungsjagd, ein paar pyrotechnische Knallereien und einen hilflosen Jackie Chan. Dass er auf sein mimisches Unvermögen zurückgeworfen wird, hätte nicht passieren dürfen. Spaßig wird es, sobald der arme Akrobat erst einmal in den Smoking gezwungen ist, auch nicht, sondern in „Inspektor Gadget“-Manier nur peinlich. Da werden Einrichtungen zerlegt, James Brown flachgelegt und jede Menge unmögliche Hampeleien ausladend vorgeführt. Das ist entbehrlich, beliebig, nervig.

Der rote Faden - wenn davon überhaupt zu sprechen ist - mit seinem machthungrigen Wasserfabrikanten als Welteroberer fügt sich in diesen Unsinn nahtlos ein. Jennifer Hewitt bleibt da letztlich auch nichts anderes, als ihre Brüste sprechen zu lassen. Ja, das ist anzüglich, aber vielleicht sind das wenigstens zwei Argumente für dieses nicht einmal als Agentenparodie taugende Effektgedöns. „The Tuxedo“ wird die Kerntruppe der nicht ermüdenden Jackie Chan-Jünger noch in die Sessel locken. Der Rest sollte auf solide Sequels warten und diese „Gefahr erst gar nicht anziehen lassen“.

Nervig alberner Effektezirkus - Finger weg vom Anzug!


Flemming Schock