Groupies Forever
(Banger Sisters, The)

USA, 97min
R:Bob Dolman
B:Bob Dolman
D:Goldie Hawn,
Susan Sarandon,
Geoffrey Rush,
Erika Christensen
L:IMDb
„She was a kick-ass-girl”
Inhalt
Kaum ein Rockstar, der in den Swinging Sixties nicht Suzette (Goldie Hawn) oder Vinnie (Susan Sarandon) in seinen Armen hatte. Die beiden waren mal die schärfsten Rockgroupies der Westküste. Doch seitdem sind zwanzig Jahre vergangen und ebenso lange herrscht Funkstille. Aus Vinnie ist inzwischen die spießige Vorstadtmama und Anwaltsgattin Lavinia geworden. Als tragende Säule ihrer Gemeinde fühlt sie sich eher auf einer Gartenparty zu Hause als beim Stage Diving. Suzette ist dagegen ganz ihr pralles Selbst geblieben. Als die Barkeeperin ihren Job verliert, sieht sie in Vinnie die einzige Rettung oder zumindest die beste Gelegenheit, die nächste Miete zu sichern. Auf der Reise in die Vergangenheit gabelt Suzette den Hypochonder Harry (Geoffrey Rush) auf, einen neurotischen Autor mit Schreibblockade. Als sich die Banger Sisters wiedertreffen, prallen zwei Welten aufeinander. Gemeinsam absolvieren die beiden einen Crashkurs in Sachen Lebensgenuss und auch Vinnies Töchter (Erika Christensen, Eva Amurri) müssen lernen, dass in ihrer biederen Mutter ein heißer Feger steckt.
Kurzkommentar
Rebellionen gegen den stumpfen Triumph der ökonomischen Leistungsgesellschaft regen sich immer wieder. „Groupies Forever“ ist sicher, wie jede neue Rebellion, leichtverdaulicher Mainstream-Quatsch. Wie Goldie Hawn jedoch den schrillen Auslaufgroupie mit Therapienatur gibt, kann sich sehen lassen. Dass sich zudem mit Geoffrey Rush und Susan Sarandon zwei Oscarpreisträger für diesen belanglosen Komödienspaß gewinnen ließen, verspricht sicher gespielte Rollen. Die Figurenkonstellation ist nicht reizlos und für unterhaltsame Momente gut. Doch in „Groupies Forever“ mischt sich Oberflächlichkeit mit pointenloser Handlungsführung und einer gehörigen Portion nostalgischem Drogen-Kitsch.
Kritik
Der wertende deutsche Titel des Films bringt Botschaft und Inhalt in diesem Fall schon auf den Punkt: es geht um Groupies, um jenen Frauen- oder auch Männerschlag also, der Hedonismus in Reinform auslebt und auch nur existent ist, weil es scheinbar eine ganz besondere Weihe ist, mit angehimmelten Musikidolen ausladend zu kopulieren. Das ist dann Ruhm und keine Prostitution. Denn wer kann schon noch von sich behaupten, mit Frank Zappa in die Kiste gesprungen zu sein. In den zügellos-wilden 60ern scheint ja alles möglich gewesen zu sein, die Utopie ohne Ende. Das Leben als Rausch, und das war auch gut so – bis all diese herrlich freie Anarchie im Moralkorsett der spießig-steifen Gegenwart erstickt und der großen Harmonie der Garaus bereitet wurde. Das war dann nicht gut. Doch unter der bedrückend gekünstelten Oberfläche der disziplinierten Gesellschaft brodelt weiterhin die sinnliche Triebfeder menschlichen Handelns; forever eben. Die Utopie ist ja doch noch, ja sie ist nur die Potenzierung der Konsumgesellschaft: der Sieg der Selbstverwirklichung im totalen Genuss.

Damit sind die Klischees abgefertigt. Die mögen ein wenig angestaubt sein und womöglich gilt das auch für Regisseur Bob Dolman, oder eher für ihn als Drehbuchautor. Schon hier ist er ein fast unbeschriebenes Blatt, hatte allein mit „Willow“ vor vierzehn Jahren den einzigen Erfolg. Wer oder was ihn dann aufraffte, nach dieser Ewigkeit nicht nur ein neues Script zu verfassen, sondern es auf die alten Tage nun auch zum ersten Mal als Regisseur wissen zu wollen, wer ahnt es. Beeindruckend für seinen Status ist immerhin, dass wohl gleich drei „Stars“ sein Script in irgendeiner Drehpause zugeworfen bekamen und mit den 60ern auch die wilde Phase der eigenen Lebensgeschichte aufsteigen sahen und zusagten. Das ist die dank der Wunder moderner Schönheitschirurgie übergebügelte Goldie Hawn, mittlerweile 56 Jahre alt, und mit Geoffrey Rush und Susan Sarandon zwei große Namen, die sogar irgendwann beide einmal mit einem Oscar bedacht wurden. Bis auf „Quills“, in dem Rush vor zwei Jahren als Sexualanarcho Marquis de Sade glänzte, war bei beiden in jüngerer Vergangenheit jedoch nicht viel.

Und im Grunde fängt die Fragwürdigkeit von Goldie Hawn ja schon beim Namen an, aber wenigstens hat Bob Dolman „Groupies Forever“ förmlich für sie entworfen. Das macht den Streifen als gradlinige Hollywood-Dümmlichkeit und Vehikel für recycelte Stars reinsten Zuschnitts wenigstens ehrlich, sogar irgendwie passend. Um als Rentengroupie Überzeugung zu geben, muss Hawn nicht einmal Arbeit leisten, sondern nur mit aufgedonnerten Discobomberoutfit und blonder Mähne abschätzende und begehrende Blicke auf sich lenken. Ihr komödiantisches Talent, oder das, was man dafür halten mag, ist, karikierenden Gestalten einen hohen Grad an Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit zu verleihen. In ihrer Rolle des Übergroupies, einer Art Genussapostel tieferer Wahrheit, dürfte sie Sympathie und Misskredit gleichermaßen vereinen. Nun werden Fortschritte im Screenwriting ja mit schöner Regelmäßigkeit ignoriert und auch Dolmans Plot macht hier keine Ausnahme.

So ist „Groupies Forever“ ist die pure Gradlinigkeit, deren Ende absehbar, kitschig ist und deren Figuren einem abgestandenen Typenrepertoire entstammen. Doch zugegeben, die Konstellation wirkt ein wenig frischer. Denn auch wenn es nahe liegen mag, die weibliche Variante einer mild lächerlichen Carpe Diem-Existenz mit ihrem weiblichen Gegensatz, der steifen High Society-Verlogenheit, in Konflikt zu bringen, so ist das bisher nicht geschehen. Susan Sarandon mimt die farblose Förmlichkeit des gehobenen Lebensstils ebenso natürlich wie Hawn ihre Rolle. Das erzeugt ein gewisses Vergnügen, aber die Botschaft des Groupies ist ja eben die: sei du selbst, und das mit aufrechtem Genuss. Das hier neben ihrer im seelenlosen Luxus erstickten Orgienkameradin so einige therapiebedürftig sind, ist zu erahnen. So auch Harry, der erzneurotische Schreiber mit klischeegerechter Schreibmaschinen- und Revolverbewaffnung, den Suzette irgendwo in der Wüste wie den überflüssigen Handlungsstrang aufsammelt.

Aber immerhin, Geoffrey Rush ist die Rolle des exzentrischen Schreiberlings doch nach „Quills“ wie auf den Leib geschrieben. Gab er in jenem eine oscarreife Leistung, wird er hier jedoch auf eine lapidare Nebenfigur reduziert und gibt der Klamotte mit melancholischen Zwischentönen dennoch in Momenten so etwas wie Dignität. Bis Faltengroupie Suzette dann samt hedonistischer Natürlichkeit alles und jeden von post-60er Neurosen befreit hat, dauert es freilich nicht lange. Wie Harry vom schrägen Psychotiker zum ausgeglichenen Literaten und Lavinia von der grauen Spießbürgerin in die zwanghaft junge Diskobraut mutiert, ist eine Sache von wenigen Szenen und die Unglaubwürdigkeit an sich. Gerade Susan Sarandon wirkt nach ihrer Wandlung zurück in eine andere Art der Oberflächlichkeit schrecklich unnatürlich. Bis zu diesem Punkt und dem finalen Kitsch dümpelt auch der Film durch unpointierte Dialoge unentschlossen vor sich hin. „Groupies Forever“ scheint letztlich eines jener Drehpausenprodukte, die nicht wirklich wehtun, sogar leidlich unterhalten, dann aber sofort vergessen sind.


Unbedeutende Selbstfindungskomödie mit unterforderter Besetzung


Flemming Schock