Super Süß und Super Sexy
(Sweetest Thing, The)

USA 2002, 90min
R:Roger Kumble
B:Nancy Pimental
D:Cameron Diaz,
Christina Applegate,
Thomas Jane,
Selma Blair
L:IMDb
„Fuck the Grandma!”
Inhalt
Christina Walters (Cameron Diaz) führt das perfekte Leben. Abends zieht sie mit ihrem WG-Freundinnen Courtney (Christina Applegate) und Jane (Selma Blair) durch San Franciscos Nachtleben. Reihenweise bricht der Single-Vamp die Männerherzen. Alles super? Nur scheinbar. Als sie wieder einmal in bewährter Samstagabend-Manier mit den Männern spielt, lernt sie Peter Donahue (Thomas Jane) kennen - und sieht ihr ganzen Leben umgekrempelt, weil er in ihr endlich die Liebe weckt.
Kurzkommentar
Nach einem gelungenen Kinoeinstand mit den "Eiskalten Engeln" schien Regisseur Roger Kumble offensichtlich nichts zu genierlich. Allein Cameron Diaz in Verbindung mit der Titeldrohung "Super Süß und Super Sexy" setzt abschreckendste Assoziationen frei. Enttäuscht werden sie mit dieser sagenhaft bornierten Balzklamotte dann auch nicht. Die Disko- und Moralabenteuer dreier Hohlpüppchen sind ebenso peinlich wie Regie- und Drehbuchleistung, was in der Summe einen heißen Titelanwärter zum dümmsten Film des Jahres ergiebt.
Kritik
Bevor man nichts dreht, dreht man lieber Mist. Das ist ein wenig heiteres Notdogma vieler junger Hollywood-Regisseure, die mit ihrem Erstling keinen vertiablen Hit landeten oder bisher nur eine zwei Titel umfassende Filmografie vorzuweisen haben. So etwa Roger Kumble. Nach seinem Debutwerk "Eiskalte Engel" (1999) firmierte er zwar nicht als neues Wunderkind, hatte aber einen respektablen Streifen vorgelegt. "Eiskalte Engel", versehen mit akurater Besetzung, übertrug auf halbwegs pointierte Weise das alte literarische Motiv des sexuellen Intrigenspiels in eine gepflegt dekadente Moderne. Dass der Regisseur ein Jahr später eine billige Fortsetzung im TV-Format nachschob, spricht nicht gerade dafür, dass er in Angeboten zu ersticken drohte.

Und wenn eher das Gegenteil Tatsache ist, nimmt man in harten Zeiten halt alles mit, sogar Cameron Diaz. Worin deren Popularität eigentlich wurzelt, ist rätselhaft. Am ehesten sicher im Farelly-Unsinn "Verrückt nach Mary", dank dem Diaz mit Sperma im Haar doch sozusagen neuere Filmgeschichte schrieb. Dass sie damit aber auch jeder Chance den Todesstoß gab, in Zukunft ernstgenommen zu werden, war evident. In "Being John Malkovich" erschöpfte sich ihr komisches Talent dann auch in einer garstig grauen Mobfrisur und als einer der "3 Engel für Charlie" überwiegend im Gegensatz, in erotischer Kostümierung und alberner Hampelei. Die Masse jedoch war unterhalten, das quittiert die drohende Fortsetzung. Bis dahin muss die Pause gefüllt sein, außer Roger Kumble wollte den blonden Engel aber wohl scheinbar niemand.

Immerhin dürfte der Titel des Streifens für sie wie maßgeschneidert klingen. Darüber hinaus ist "The Sweetest Thing" dann auch ganz, was er verspricht, und zwar restlos dämlich. Man hüte sich vor Etiketten, doch "symptomatisch amerikanisch" passt hier leider wie die Faust aufs Auge. Wer also einem endlos schnatternden Putentrio bei seiner nervtötenden Sex- und Liebesgrammatik beiwohnen will, dem sei diese beispiellos leere Banalität empfohlen. Alle anderen, die sich nicht um neunzig Minuten ihrer Lebenszeit beraubt sehen wollen, sei unbedingter Abstand nahegelegt. Statt wenigstens auf vulgärem Farelly-Niveau neue Geschmacklosigkeiten auszuloten fiel der kaum bekannten Drehbuchautorin Nany Pimental rein überhaupt nichts ein. Die Witze sind pointenlos flach, insgesamt eher eine Beleidigung, und der Plot ist gnadenlos nichtig.

So reduziert sich das Handlungsgerüst auf drei ausgesprochen spätpubertierende "Girlies", die der Autor wohl unfreiwillig als konkurrenzlos hohl kompromittiert. Denn eine Geschichte haben sie keine, ihre Lebensaufgabe ist allein der Männerverschleiß. Doch die richtige Liebe findet wohl auch der Endzwanziger noch immer in der In-Disko, nämlich mit einem beherztem Griff ans Hinterteil. Das setzt dümmliche Dialoge und schließlich eine erwartungsgemäß disziplinierende Moral frei. Sie fordert den Mut, sich zu verlieben. Aber selbst für Erkenntnisse dieser Art braucht die Kinokultur keine Komödie vom Nichtigkeitsgrad eines "Sweetest Thing", wohl eher, um endlich eine Antwort darauf zu erhalten, welche Risiken Intimpircings bergen. Das ist sicher wichtig, für den Regisseur insgesamt nichtsdestotrotz fatal. Denn neue Angebote bekommt eben nur der Erfolgreiche.


Super blöd und super peinlich


Flemming Schock