Good Advice

USA, 93min
R:Steve Rash
B:Daniel Margosis, Robert Horn
D:Charlie Sheen,
Angie Harmon,
Denise Richards,
Jon Lovitz,
Rosanna Arquette
L:IMDb
„Ich hab also wieder mal Recht... ein Wesenszug, den ich neben meiner Genialität am liebsten an mir sehe.”
Inhalt
"Dieser Tag wird mein Leben grundlegend verändern!" Der arrogante Börsenmakler Ryan Turner (Charlie Sheen) hat immer Recht. Allerdings hat er sich seinen Ausspruch ein wenig anders vorgestellt. Anstatt durch illegales Insiderwissen Millionen zu verdienen, verzockt er über Nacht sein gesamtes Vermögen. Ryan verliert seine Lizenz, sein Haus und seine Freundin Cindy (Denise Richards). Die zickige Kummerkastentante des örtlichen Käseblattes vergnügt sich nämlich lieber mit ihrem Liebhaber in Brasilien, als sich weiterhin mit dem Versager abzugeben. Um wenigstens ein paar Groschen zu verdienen, gibt sich Ryan kurzerhand als Cindy aus und erschleicht sich so deren Job bei der Zeitung der resoluten Page Henson (Angie Harmon).
Kurzkommentar
"Good Advice" überrascht für eine ursprüngliche Direct-to-Video Veröffentlichung durch sympathische Charaktere, lockere Inszenierung und ungezwungene Stimmung. Auch wenn der Film stark schematisch und kalkuliert ist, kann man sich seiner Prise Liebenswürdigkeit schwer entziehen.
Kritik
Es kommt selten vor, dass es ein amerikanischer Film in die deutschen Kinos schafft, der noch nicht mal in seinem eigenen Land auf der Leinwand zu sehen war. Das ist vor allem ein Schlag ins Gesicht der deutschen Kinowirtschaft, denn wenn die Verleiher selbst vermeintlich schwache Direct-to-Video Veröffentlichungen deutschen Produktionen vorziehen, so spricht das wohl kaum für die Zugkraft deutscher Produktionen.

Nun denn, im Falle von "Good Advice", der mit Charlie Sheen ("Platoon", "Hot Shots") und Denise Richards ("Wild Things", "Die Welt ist nicht genug") ja nicht gerade unprominent besetzt ist, nahm sich Ottfilm der Video-Veröffentlichung aus den Vvereinigten Staaten an und der Grund ist offensichtlich: der Film ist zwar null innovativ, aber durchaus sehr unterhaltend und in seiner sympathischen Formelhaftigkeit ein sicheres Geschäft. Regisseur Steve Rash erfindet das Rad der romantischen Komödie zwar in keiner Sekunde neu, beschädigt es allerdings auch nicht und so läuft es ruhig und geschmeidig von Anfang bis zum Ende seiner Fahrt von 93min. Dabei gibt es vom skrupellosen Medienmogul bis hin zum zickigen, geldgeilen Dummerchen sicherlich jede Klischeefigur, die eine Komödie "made in America" ausmacht, aber dank eines ungewohnt ruhigen und liebenswerten Charlie Sheen und der "unverbrauchten" Angie Harmon macht es dennoch recht viel Spaß, den Figuren bei ihrem Gekreische, Gezanke und Genecke zuzuschauen.

Erfreulich auch, dass, trotzdem die Grundidee natürlich total abgedroschen ist, der Film die wirklich großen Schlaglöcher einer romantischen Komödie vermeidet: er ist selten zu süßlich, in seiner Inszenierung immer locker und selbst in seiner Klimax leicht überdurchschnittlich. So endet der Streifen nicht als sich Ryan und Page endlich in die Arme gefallen sind, sondern lässt Denise Richards noch einmal auftreten. Auch die Nebenfiguren sind hübsch zusammengestellt, allen voran Ryans bester Freund und Schönheitschirurg Barry (der seiner Frau immer neue Körperteile zum Geburtstag schenkt) sowie die schrullige Sekretärin Iris, die Ryan in einer der besten Szenen nur per herzhaftem Kuss außer Gefecht setzen kann.

Beizeiten findet sogar ein leicht-britscher Humor den Weg in diese stark an US-Sitcoms erinnernde Komödie, etwa wenn Ryan und Page einen ganz besonderen Künstler bei seiner Darbietung besuchen gehen. Diese Szenen und überhaupt die komplette Stimmung des Films wecken Erinnerung an "Größen" des Genres wie etwa "Bridget Jones" oder "Notting Hill", auch wenn die besseren, britischen Komödien in ihrer Liebenswürdigkeit immer noch unerreicht sind. Trotzdem: gerade für eine Direct-to-Video Veröffentlichung eine sehr angenehme Überraschung.

Unspektakuläre und konventionelle, aber sympathische Komödie


Thomas Schlömer