Super-Guru, Der
(Guru, The)

England, 91min
R:Daisy von Scherler Mayer
B:Tracey Jackson
D:Jimi Mistry,
Heather Graham,
Marisa Tomei,
Christine Baranski
L:IMDb
„Meine Muschi ist das Tor zu meiner Seele”
Inhalt
Der junge Inder Ramu (Jimi Mistry) träumt den Amerikanischen Traum: Ein Filmstar wie der junge John Travolta will er werden, mitsamt Penthouse, Mercedes und Baywatch-Babes. Kaum in New York angekommen, hat er auch schon seine erste Rolle. Nur leider in einer Pornoproduktion und trotz der guten Sex-Tipps seiner herzensguten Partnerin Sharonna (Heather Graham), merkt der Gute sehr bald, dass er für den Job nicht geschaffen ist. Doch der nächste ist nicht weit: Durch einen Zufall avanciert Ramu während einer Geburtstagsparty dank Sharonnas Weisheiten zum Sex-Guru der gelangweilten Oberschicht, angeführt von der reichen Erbin Lexi (Marisa Tomei). Endlich scheint Ramu am Ziel seiner Träume angelangt. Aber wie sagte Sharonna so schön: "Weißt du, warum man es den Amerikanischen Traum nennt? Weil er nur wahr wird, wenn du schläfst.".
Kurzkommentar
Es kommt wirklich selten davor, dass einem ein derart fantasiefreier Film vorgesetzt wird, aber "Der Super Guru" kann wohl als neue Referenz gelten. Hier ist alles zusammengeklaut worden, was nur irgendwo gesichtet werden konnte und so ist der Film weder als romantische Komödie, noch als ironischer Seitenhieb aufs Pornobusiness und noch nicht mal als lockerer Abendspaß zu empfehlen. Stattdessen herrscht Langeweile pur.
Kritik
Oh mein Gott, was ist denn das? Trotz des üblen Filmtitels hatte ich aufgrund einiger Kritiken eigentlich einen gar nicht mal so schlechten Film erwartet, aber was den Zuschauer hier trifft ist schon äußerst dreist. "Der Super-Guru" ist wohl der vorläufige Höhepunkt der Schablonenhaftigkeit. Hier ist wirklich alles, aber auch alles von der Konkurrenz geklaut und witz- sowie sinnfrei zusammengeworfen worden. Der American Dream ist wenigstens seit "Das Geheimnis meines Erfolgs" vollkommen abgedroschen, die Probleme eines Ausländers mit dem American Way of Life hat "Crocodile Dundee" zu Genüge geplündert, der Niemand, der die Leute nur durch seine Worte beflügelt, war selbst in Murphys durchschnittlichem "Guru" runder präsentiert, die Pornoindustrie wurde in "Boogie Nights" wesentlich subtiler aufs Korn genommen, die Tanzeinlagen à la Bollywood waren beinahe im grauseligen "Ladies Man" besser, zumindest aber in der Eröffnungssequenz von "Ran an die Braut", für den Part der romantische Komödie gibt es gar soviele Vorbilder, dass sie sich gar nicht zählen lassen. Hinzukommt, dass die weiblichen Darsteller ihre wirklich stereotypischsten Rollen einfach nochmal wiederholen: Heather Graham spielt die gleiche Rolle wie in "Ohne Worte", Marisa Tomei verschwendet sich abermals als naive Transuse (siehe "Was Frauen wollen"), Christine Baranski mimt zum achten Mal die kratzbürstige Mutter (wie zuletzt in "Eiskalte Engel").

Nicht, dass das moderne Kino genügend Beispiele bietet, in denen Standardelemente ideenlos zusammengewürfelt werden, aber "Der Super-Guru" schießt mit seiner vollkommen langweiligen, lahmen, in Perfektion pointenlosen Inszenierung tatsächlich den Vogel ab. Hier täuscht weder flottes Tempo, halbwegs cleverer Wortwitz noch genügend Ironie über mangelnden Inhalt hinweg. Letzteres wäre -vor allem aufgrund der Möglichkeiten, die die Pornoindustrie an bissigen Späßen bietet- eine willkommene Gelegenheit gewesen, halbwegs erfolgreich zu unterhalten. Die wenigen Minuten, in denen der Dreh eines solchen Films aufs Korn genommen wird, sind dann auch gleich die "besten" des Films, aber bitte: da war selbst die knappe Einlage in "Bang Boom Bang" pointierter.

Stattdessen reiht Regisseurin Daisy von Scherler Mayer ein Klischee ans nächste und jeder, der mal drei romantische Komödien gesehen hat, sieht genau, wie es kommen wird: die Angebetete liebt ihren Verlobten eigentlich gar nicht, der Trickbetrüger kann mit seiner Betrug nicht leben und gesteht seine Schuld, so dass die Herzensdame doch noch herzweichend berührt ist, die Nebencharaktere sind simple Gaglieferanten und die Hochzeit wird in letzter Sekunde verhindert. Der ultimative Schlag ins Gesicht des Zuschauers ist dann noch, dass Ramu Gupta (wenigstens der Name ist gewitzt) vor der Rettung seiner Herzensdame am Traualter auch noch erwähnt, dass das "in amerikanischen Film immer funktioniert". Wenn das ironisch sein soll, dann sollte man das in der anschließenden Ausführung vielleicht auch belegen und nicht exakt dem bekannten Schema folgen. Selbst den fünfhundertachtundsiebzigtausendneunhundertdreiundfünzigsten Village People-Scherz kann sich der Film nicht ersparen.

Also wirklich. An diesem Film kann man wohl nur seine Freude haben, wenn man noch nie zuvor im Kino war. Die Ehrenpunkte gibt es nur für die minimal auflockernden Gesangs- und Tanzeinlagen sowie für die (angesichts der Tatsache, dass es hier immer noch um einen Sex-Guru geht) erstaunlich unpeinliche und unvulgäre Inszenierung. Aber wo kein Dialogbiss, da auch keine Vulgarität.

Derb uninspiriert-zusammengeklaubter Komödienfehltritt


Thomas Schlömer