Terminator 3 - Rebellion der Maschinen
(Terminator 3 - Rise of the Machines)

USA, 113min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Jonathan Mostow
B:Michael Ferris, John D. Brancato, Tedi Sarafian
D:Arnold Schwarzenegger,
Nick Stahl,
Claire Danes,
Kristanna Loken
L:IMDb
„I am back”
Inhalt
Zehn Jahre sind vergangen seit ein zweiter Terminator aus der Zukunft versucht hat, John Connor (Nick Stahl) und seine Mutter zu töten. Der Tag des jüngsten Gerichts, der Judgement Day, wurde verhindert. Seitdem lebt Connor, von paranoiden Vorstellungen getrieben, ohne Telefon, Kreditkarte, Adresse, um auf keinen Fall aufgestöbert zu werden. Dann jedoch schickt Skynet, das Zentralsystem der in der Zukunft dominierenden künstlichen Intelligenz, einen weiteren Terminator (Kristanna Loken) in die Gegenwart, um Connor und seine zukünftigen Lieutenants zu vernichten - und Connor wird klar: der nukleare Krieg wurde nur verschoben, nicht verhindert.
Kurzkommentar
Ein brennender Busch, eine heranzischende Schlange, ein nackter Mann, fremd in der Welt, in der er gelandet ist: "Terminator 3" scheut keine biblischen Vergleiche und auch wenn ihm die apokalyptische, epische Kraft der bekannten Vorgänger fehlt, hält er doch vielen Vergleichen stand. Jonathan Mostow gelingt allen Unkenrufen zum trotz ein manchmal wuchtiger, manchmal ironischer, gar erzählerisch tragfähiger Actionfilm mit charismatischen Charakteren und solidem Handwerk - auch wenn er dabei freilich genauso martialisch ist wie seine Vorbilder.
Kritik
Da ist er nun, der Film, an den keiner so richtig geglaubt hat. Trotzdem die Presseabteilung und Schwarzenegger selbst nicht müde wurden, zu erwähnen, wie sehr ein weiterer „Terminator“-Film von den Fans herbeiersehnt wurde, verfolgten die Medien das Projekt mit größter Skepsis. Neben etlichen Berichten aus der Produktionskette, die von „künstlerischen Differenzen“ innerhalb des Teams sprachen, von geringer Begeisterungsfähigkeit für das Projekt und erste Szenen wenig beeindruckend, gar enttäuschend nannten, konnten auch die ersten Trailer vorurteilende Journalisten nicht verstummen lassen. Zu uninspiriert, zu bunt wirkten die Häppchen, die durchs Internet gingen, zu unoriginell die Ausgangssituation, zu plump der Einfall, Schwarzenegger einen „weiblichen“ Roboter zum Gegner zu stellen. Schematische Blockbuster-Strukturen schienen Camerons nahezu perfekte Symbiose aus apokalyptischer Science-Fiction und bahnbrechender Action abgelöst zu haben.

Dabei vergaßen sie, dass auch Camerons Vorlagen von 1984 und 1991 lediglich üblicher Hollywood-Dramaturgie gefolgt waren, dass –allen sonstigen Qualitäten der Filme zum trotz– auch die beiden Vorgänger bloß actionorientierte Unterhaltung boten. Dennoch waren die misstrauischen Stimmen sicher nicht unbegründet: Cameron ist zweifellos ein visionärer Regisseur, seine Fähigkeit, Story und Effekte nahtlos verschmelzen zu lassen, unbestreitbar, seine Dickköpfigkeit, die Spezialeffekt-Abteilung an ihre Grenze zu treiben, legendär. Er war derjenige, der „The Abyss“ so drehte, dass er auch ohne die neuartige Wasser-Animation, die Mary Elizabeth Mastrantonios Gesicht nachempfunden wurde, hätte bestehen können, derjenige, der bei „Terminator 2“ und „Titanic“ die für ihre Zeit größten Budgets verpulverte, derjenige, der für eine zweiminütige Sequenz in „Titanic“ neuartige Unterwasserroboter entwickeln ließ, um bei dieser Tiefe Filmaufnahmen machen zu können. Angesichts dessen verblasst Jonathan Mostow’s Filmographie natürlich gänzlich, trotzdem sowohl „Breakdown“ als auch „U-571“ aus handwerklicher Perspektive sehr ordentliche Arbeiten waren.

Doch hier lag nun die Gefahr eines dritten Terminators: Cameron besaß neben dem technischen Know-How auch immer einen Sinn für charismatische Charaktere, vermochte es, Action und Story so geschickt zu verschmelzen, dass sie eine harmonische Balance hielten, inszenierte nie zum Selbstzweck. Mostow hingegen musste seinen Beweis für einen ebenso charakterstarken Actionfilm noch antreten und hatte nebenbei die Aufgabe, die Geschichte der ersten beiden Filme „logisch“ (oder zumindest die Action ausreichend unterfütternd) fortzuführen. Beides ist ihm nun gelungen.

Dass Mostow dabei mit 170 Mio.$ das höchste „offizielle“ Budget aller Zeiten zugestanden wurde, zeigt einerseits den Willen der Produktionsfirmen, eine opulente Fortsetzung nicht schon auf dem Schreibtisch scheitern zu lassen, andererseits das Vertrauen in ihn. Mostow gab in Interviews wiederholt an, selber ein leidenschaftlicher Fan der ersten beiden Teile zu sein und dementsprechend hohe, eigene Ansprüche an einen dritten Teil gehabt zu haben. Und diese Einstellung könnte letztendlich dafür verantwortlich sein, dass „Terminator 3“ vor allem eines geworden ist: eine nahtlose Fortsetzung. Denn aller wuchtigen Actionunterhaltung zum trotz, scheint Mostows größter Verdienst darin zu liegen, eine Fortsetzung gedreht zu haben, die die bisherigen Teile zu einer runden Trilogie vereint. Es dauert nicht lange, da fühlt sich der Zuschauer im „gewohnten“ Terminator-Universum heimisch, toleriert käsige Sprüche ebenso gerne wie einzelkämpferische Tierärztinnen, einen ausdruckslosen, wortkargen Schwarzenegger (der seit 1991 immerhin einige Komödien-Peinlichkeiten hinter sich hat) ebenso wie die weiterhin überaus martialischen Actioneinlagen.

Dabei funktioniert der Film (zumindest im Original) fast gänzlich ohne die befürchteten Trashmomente, zeigt Mostow, dass er ebenso wie Cameron die stilsichere Inszenierung von harter, aber nicht unglaubwürdiger Action beherrscht und dass er es vor allem versteht, die bewährten (auch humoristischen) Elemente der ersten beiden Teile beizubehalten (Emotionslosigkeit der Terminator, ihr algorithmisches Verhalten) und ihnen neue, „frischere“ Komponenten hinzuzufügen (z.B. der DNA-Test über die Zunge). Ein gutes Beispiel dazu ist auch die lange Verfolgungsjagd mit dem Kranwagen: eine gelungene Reminiszenz an die Kanal-Verfolgungsjagd aus T-2; dem Stil treu geblieben, aber noch einen drauf gesetzt. In einer Zeit, in der jeder Actionfilm mit Kampfsport-Akrobatik durchsetzt ist, wirkt T-3 im besten Sinne altmodisch und „echt“.

Naturgemäß entfernt sich Mostow nie zu weit von Story und Stimmung der Vorgänger und das führt dann auch zu einem der wenigen Kritikpunkte des Films: letzten Endes bleibt er unoriginell und plagiierend. Trotz manch gelungener Variation sind die Charaktere und ihre Verhaltensweisen allzu bekannt, die Story, trotzdem Mostow sich bemüht, nur eine erweiterte Version der Vorgänger, die Bedrohung durch die Herrschaft künstlicher Intelligenz spätestens seit der „Matrix“ zu kraftlos. Hinzu kommen kleine atmosphärische Mängel, denn T-3 erreicht zu keinem Zeitpunkt (trotzdem er das Szenario konsequent zu Ende führt) die bedrückende, apokalyptische Stimmung von Camerons Vorlagen, ist in der Wahl drastischer Bilder weniger explizit als noch Cameron. Dennoch hat Mostow gute Arbeit geleistet. T-3 ist sowohl ein solider Actionfilm als auch eine kongeniale Fortsetzung geworden, bietet ebenso altbewährtes wie genügend Neues und auch wenn er in keiner Weise den Status seiner Vorgänger erreichen wird: man konnte von einem dritten Teil kaum mehr erwarten.

Echte Terminator-Action mit naturgemäßer Originalitätsschwäche


Thomas Schlömer