Kommando Störtebeker

Deutschland, 84min
R:Ute von Münchow Pohl
B:Ully Arndt, Ulrich Tormin, Gunter Baars
D:Ferdinand Dux,
Beate Hasenau,
Bastian Pastewka,
Otto Waalkes
L:IMDb
„Hey Leute, Fratzengeballer!”
Inhalt
Papa Paul (Bastian Pastewka) hat 30.000 Mark beim Schweinerennen verzockt. Dumm gelaufen - denn es war noch nicht mal sein Geld, sondern das von seinem Chef (Robert Missler). Jetzt ist ihm jedes Mittel recht, um wieder an Knete zu kommen: Rummelplatz oder Reeperbahn, Endspiel St. Pauli gegen den FC Bayern München und die Dreharbeiten zum neuen Bond - es gibt keinen Ort in Hamburg, der vor Paule sicher ist ... und selbst die beliebteste norddeutsche Insel Sylt muss am Ende dran glauben.
Kurzkommentar
Selbst von den 2,1 Mio. Fans der "Ottifanten"-Serie dürften nur wenige vom zugehörigen Kinofilm "Kommando Störtebeker" begeistert sein. Zu wenig Gags, zu viel Konzentration auf die Story, zu viel Langeweile macht sich breit. Es bleibt außerdem fraglich, ob es eine gute Entscheidung war, Opa Bommel und den nervenden Paul zu den Hauptfiguren zu machen und Baby Bruno zum schmückenden Beiwerk zu degradieren.
Kritik
"Insgesamt 28 Millionen TV-Zuschauer bei der 13-teiligen Fernsehserie 'Die Ottifanten', Comicstrips in mehr als 40 Zeitungen und unzählige Comic-Band-Veröffentlichungen - dieses Potenzial ist für Produzent Michael Schaack die beste Basis für einen erfolgreichen Kinofilm" - so liest es sich im Presseheft zu "Kommando Störtebeker" und zeigt die Dreistigkeit der deutschen Kinolandschaft. Nicht, daß es jemals anders gewesen wäre, aber scheinbar ist es heuer zum Usus geworden, unumwunden zuzugeben, daß man nur aufs Geld aus ist: Öhm, 2,1 Mio. Zuschauer pro Folge, das sollte als Basis für einen Kinofilm reichen, also, Regisseur! Drehe er!

Und so stopften die Produzenten und die Regisseurin der Serie, Ute von Münchow-Pohl, eine einfallslose Geschichte in einen einfallslosen, aufgeblähten Film, der laaaaange 84min. dauert. Klaus Störtebeker als Ausgangspunkt zu nehmen ist ja noch ganz nett, aber der Film begeht den Fehler, nicht wie die Trickkonkurrenz von "Toy Story 2" bis "Shrek", die Story nur als groben Anhaltspunkt zu nehmen, um ein Gag- und Ideenfeuerwerk abzufackeln, sondern zum Mittelpunkt des Geschehens zu machen. Und da versagt "Kommando Störtebeker" nun mal auf ganzer Linie. Herzhaft lachen kann man eigentlich an keiner Stelle, nur mal schmunzeln hier und da. Hinzukommt, daß Freunde der Serie wohl auch mit Wiederholungen gelangweilt werden: Paul Bommel und seine Gehaltserhöhung, Frau Hoppmann, der ihr gewischter Boden heilig ist und Frollein Lusch und ihr umdschungelter Arbeitsplatz - das hat man alles schon mal gesehen und geht über ein vernünftiges Maß an Hommage an die Seriencharaktere hinaus.

Was hingegen anders ist als in der Serie: hier spielt nicht Baby Bruno und sein (unendlich kultiger) Kumpel Honk die Hauptrolle, sonder Opa Bommel. Der ist zwar auch recht sympathisch und wurde ausgewählt, um ein älteres Publikum anzusprechen (aber doch nicht sooo alt, bitte sehr), kann aber mit viel weniger Wortwitz aufwarten. Dafür wird Baby Bruno hier zur total überflüssigen Nebenfigur degradiert, für die Synchronstimme Otto Waalkes maximal zwei vollständige Sätze aufnehmen musste. Als alter Otto-Fan (seine Auftritte in den 80ern und seine ersten Platten sind unerreichter Comedien-Kult) tut es mir in der Seele weh, daß er nach seinen letzten Filmpleiten jetzt auch seine Trickfiguren verkauft und von den "Werner"-Produzenten 'mißbrauchen' läßt. Nur ganz selten blitzt der alte Otto-Humor durch und bringt etwas frischen Wind in den vor sich hinplätschernden Film. Die 2,1 Mio. Fans kommen nichtsdestotrotz halbwegs auf ihre Kosten, obwohl auch sie besseres verdient hätten.

Langweiliger Serienaufguß


Thomas Schlömer