Knocked Out

USA, 124min
R:Ron Shelton
B:Ron Shelton
D:Antonio Banderas,
Woody Harrelson,
Lolita Davidovich,
Lucy Alexis Liu
L:IMDb
„Will hier jemand ficken?”
Inhalt
Unerwartet werden Cesar (Antonio Banderas) und Vince (Woody Harrelson) eingeladen, vor dem eigentlichen Tyson-Boxkampf einen Art Vor-Kampf zu bestreiten. Beider waren früher erfolgreiche Boxer, flogen durch dumme Zufälle aber schnell aus dem Geschäft raus. Nun sehen sie in dem Kampf eine Chance, denn als Preis winkt eine Teilnahme an einem Finalkampf. Einziges Problem: Die beiden Freunde müssen zum ersten Mal gegeneinander kämpfen...und zwar sowohl um eine Frau, mit denen beide bereits zusammen waren, als auch im Ring.
Kurzkommentar
"Knocked Out" ist ein Paradebeispiel für Niveaulosigkeit: Die Story ist langweilig und dämlich, die Charaktere sind entweder platt und uninteressant oder schrill und unglaubwürdig, der ach so tolle Boxkampf ist ausgesprochen fad, die Cameo-Auftritte der zufällig gefilmten Stars oberpeinlich, die Dialoge der Gipfel der Sinnfreiheit und das Ende mehr als enttäuschend.
Kritik
"Knocked Out" ist die reinste Zeitverschwendung. Wie bereits angedeutet kann nicht ein einziger Teil des Filmes überzeugen.
Die Handlung ist völlig hanebüchen, abgesehen davon, dass sie kein bisschen tragfähig ist, ist auch unklar, was sie eigentlich tragen sollte. Das Thema hätte von seiner Grundkonzeption durchaus einiges hergegeben: Was passiert, wenn zwei Freunde gegeneinander für Geld antreten müssen? Was geschieht, wenn zudem noch ein alter Streit um eine Frau hinzukommt? Zerbricht die freundschaftliche Fassade und treten Geldgier und Neid zu tage? Selbst ohne das Thema zu sehr zu psychologisieren: Hier hätte man von einer Komödie über einen Thriller bis hin zu einem Krimi alles draus machen können. Doch was tatsächlich daraus geworden ist, ist mehr als traurig. Völlig konzeptlos filmt Regisseur Shelton seine Protagonisten, die ratlos in der Gegend rumproleten müssen. Das passt zwar gut zu Harrelson, entspricht aber nicht seinem und schon gar nicht Banderas' möglichem Niveau. Hauptsache derb, scheint das Motto von Shelton zu sein, und so fallen auch die meisten Szenen aus. Hauptsache, irgendwas unanständiges oder brutales oder dämliches geschieht. Wenigstens das gelingt, aber man darf sich fragen, weshalb man dafür seine Zeit opfern sollte.
Die Grundkonstellation hatte interssantes Potential, und auch während des Filmes blitzen immer mal wieder interessante Facetten auf: Die Homosexualität des Vorzeige-Machos Cesar, das mafiose Verhalten der Oberen des Boxsports, das Verhältnis Stars und Groupies. Und was macht der Film daraus? Nichts. Er lässt jede Chance, ein interessantes Thema witzig, ernsthaft oder spannend zu bearbeiten völlig aus und tritt so inhaltlich auf der Stelle. Es passiert nicht, was nicht sowieso klar wäre, und vor allem nichts, was einen auch nur ansatzweise interessieren würde.
Erlösung erhofft sich der Zuschauer vom grossen Finale, wenn Vince und Cesar endlich gegeneinander antreten, kämpfend, im Ring, und um die Gunst der Frau. Und auch wenn der Hallensprecher die ganze Zeit von dem besten Kampf der Geschichte fabuliert: Die Boxszenen sind eher belanglos und unapetittlich als sonst irgendwas. Und wieder: Ein interessanter Punkt, der völlig unbeleuchtet gelassen wird; wunderbar hätte man die Brutalität des Boxsports beleuchten können. Das grosse Ende ist eine einzige Enttäuschung, und was danach folgt noch viel mehr - warum nur hat man sich diesen Film überhaupt bis hierhin angesehen, ist die Frage, die einem unweigerlich in den Sinn kommt. Ergebnis: Es gibt keinen Grund.
Anscheinend hat auch Ron Shelton erkannt, dass sein vorgeblich so grandioser Boxkampf nicht mehr als lauwarme Luft ist, und hat deshalb zahlreich irgendwelche Prominente -gefilmt bei Boxveranstaltungen- in seinen Film hineingeschnitten. Völlig zusammenhang- und sinnlos natürlich. Allein Rod Stewart bekommt die einzige gute Szene des gesamten Films. Aber 3 Sekunden für 12 Mark und 2 Stunden Ärger? Nein danke. Da können mich auch Kevin Costner, James Woods, George Foreman, Mike Tyson oder die ganzen anderen Platzhalter nicht locken.

Niveaulos, niveauloser, Knocked Out


Wolfgang Huang