Kleine Buch der Liebe, Das
(Pequeno dicionàrio amoroso)

Brasilien, 91min
R:Sandra Werneck
B:Paulo Halm, José Roberto Torero
D:Andréa Beltrao,
Daniel Dantas,
Tony Ramos
L:IMDb
„Die Liebe steht in direktem Zusammenhang zur Menge des angesammelten Spermas.”
Inhalt
Dem Alphabet folgend schildert der Film zu jedem zwischen A und Z denkbaren Gefühl im Zusammenhang mit Liebe eine Szene, die lose zusammengesetzt eine Beziehungsgeschichte ergeben.
Kurzkommentar
Oh mein Gott - was ist denn das? Wer will denn sowas sehen? Nicht umsonst war die Zuschauerfluchtrate bei diesem Film unübertroffen, denn die extrem künstliche Aneinenanderreihung von Szenen, die eher selten in Zusammenhang zu dem vorgegebenen Begriff stehen, kann nur zwei Dinge: Langweilen und Nerven - welches mehr, das wäre noch zu klären.
Kritik
In szenischer Form die wichtigsten Gefühle der Liebe auf Film zu bannen, exemplarisch jeweils in einem kurzen Moment, verdichtet und konzentriert, das wäre theoretisch eine gute Idee. Praktisch aber nicht, weil es nie gelingen wird. "Das kleine Buch der Liebe" ist aber nicht mal nahe dran, in dieser Hinsicht einen ambitionierten, aber letzlich gescheiterten Versuch darzustellen. Vielmehr ist er nur gescheitert. Denn der Ansatz, jedem Buchstaben des Alphabets ein Gefühl zuzuordnen, und diese der Reihe nach abzuhandeln, um nicht zu sagen: durchzunudeln, ist schon reichlich abgeschmackt. Dass die Szenen dann aber derart angefüllt mit banalen Gemeinplätzen sind, ist schon erschreckend.

Wenn die entsprechende Szene dann mal gerade auch zum angeblich beschriebenen Gefühl passt (und ein anderes Muster ist nicht erkennbar), dann ist sie so altbekannt, ausgelutscht, ohne jede Erkenntnis, ohne irgendeinen Zauber, dass es wirklich schmerzt. Chancen gibt es ja genug, und so hofft man jedes mal von neuen, dass es diesmal gelingen möge, etwas Kluges, Treffendes, Poetisches oder Ehrliches zu sagen - das gelingt aber nur ein oder zweimal, so dass man diese Treffer kaum dem Vermögen der Drehbuchautoren oder der Regisseurin zuschreiben mag, als viel eher der alten Bauernweisheit, dass auch mal ein blindes Huhn ein Korn findet.

In allen anderen Momenten ersäuft der Film die grossen und kleinen, hehren und weniger hehren Gefühle in falschem Pathos, gepaart mit unerträglicher Plattheit. Die Schauspieler können da auch nichts mehr retten, im Gegenteil - alleine Andrea Beltrao vermag ansatzweise zu überzeugen, ihr Liebhaber Daniel Dantas ist eine schauspielerische Nervensäge, von den jeweils besten Freunden der beiden ganz zu schweigen. Wie der Film einen Preis für den besten Schnitt gewinnen konnte, wissen nur die brasilianischen Götter - ich würde ihn bestenfalls brutal abgehackt nennen. Kein Wunder dann auch, dass die Musik kein Klischee auslässt und wirkt, als sei sie bedenkenlos in einer Viertelstunde zusammengestellt.

Auch nach langem Überlegen fällt mir partout weder ein Grund noch eine Zielgruppe ein, die diesem Film Attraktivität verleihen würde...wenn gerade ein Amokläufer durch die Strassen torkelt und das Ein-Saal-Kino den einzigen Zufluchtsort darstellt, dann vielleicht.

Endlose und furchtbar banale Aneinanderreihung ausgelutschtester Gemeinplätze


Wolfgang Huang