Kiss of the Dragon

Frankreich / USA, 98min
R:Chris Nahon
B:Luc Besson, Jet Li
D:Jet Li,
Bridget Fonda,
Tchéky Karyo,
Burt Kwouk
L:IMDb
„Wer ist der Nikolaus?”
Inhalt
Eigentlich ist der Job reine Routine. Auf Befehl seiner Vorgesetzten soll Liu (Jet Li) bei der Festnahme eines chinesischen Drogenbarons in einem Pariser Luxushotel assistieren. Auf verschlungenen Wegen und unter den misstrauischen Blicken einiger grimmiger, grobschlächtiger Kerle gelangt er in einen Überwachungsraum des Hotels, von dem aus das Zimmer des Gangsters observiert wird. Der französische Inspektor Jean-Pierre Richard (Tcheky Karyo) leitet die Operation. Als der chinesische Mobster in seiner Suite eine Exekution anordnet, will Liu eingreifen - aber Richard hält ihn zurück. Die eigentliche Kooperation entpuppt sich als gemeine Falle und hinterhältiger Mord. Liu entkommt, wird fortan allerdings rund um die Uhr gejagt.
Kurzkommentar
"Kiss of the Dragon" ist größtenteils ein recht spaßiger Film, bietet gleichzeitig aber genug Elemente, die eindeutig das Label "Trash" verdienen. Wenn Jet Li 30 Kung-Fu Meister bekämpft und unversehrt das Feld räumt, weiß man nicht, ob uns der Regisseur veräppeln will oder uns einfach nur 'ne gute Portion Unterhaltung auftischt. Vom Duo Jet Li/Luc Besson konnte man jedenfalls wesentlich mehr erwarten.
Kritik
Daß Hollywood allzu oft als rein finanzorientierte und kaum noch künstlerisch-inspirierte Filmschmiede verschrien ist, daran hat man sich ja gewöhnt. Betrachtet man allerdings die Entstehung der größtenteils französischen Produktion "Kiss of the Dragon", kann einem zumindest aus cineastischer Sicht, ganz schön übel werden: Luc Besson, seines Zeichens Regisseur und Autor von namhaften Streifen wie "Léon, der Profi" und "Das fünfte Element", saß eines abends mit dem Ex-Manager von seiner Ex-Ehefrau Milla Jovovich zusammen und kam auf einen weiteren Klienten des Managers zu sprechen: Hong-Kong Star Jet Li. Ihm wäre ja so langweilig und er hätte die nächsten sechs Monate gar nichts zu tun; erst dann würde er mit seinem nächsten Projekt starten können. Na sowas, dachte sich der gute Luc, ich wollte schon immer mal mit Jet Li drehen und in sechs Monaten 'nen kompletten Film von Drehbuch über Produktion und Drehzeit aus dem Boden stampfen, das ist mal 'ne echte Herausforderung.

Gesagt, getan, in Windeseile wurde Li gecastet, eine schnelle Story aus dem Ärmel geschüttelt, ein Co-Autor besorgt und ein Regisseur rangeschafft. Da Auftragsarbeit aber so tierisch unbeliebt ist, konnte man nur den Werbefilmer Chris Nahon gewinnen, der bei diesem Produktions-Heckmeck sein Debüt geben sollte. Respekt, daß er bei dieser rasenden Arbeit nicht die Nerven verloren hat, auch wenn er laut Pressenotizen kurz davor stand, alles hinzuschmeißen. Aber schalten wir den ironischen Unterton einmal für einen Moment aus: angesichts dieser wenig inspirierenden Grundlage ist den Machern doch noch ein in erster (und einziger) Linie unterhaltsamer Actionstreifen gelungen, der sich eine mittelmäßige Beurteilung trotz der nicht vorhandenen Story und den vor Klischees nur so strotzenden Nebenfiguren so gerade noch verdient hat.

Gerade bei vielen Fließbandproduktionen der neueren Zeit wird schnell der beliebte Kritikpunkt "Die Story paßt auf ein Blatt Klopapier" angeführt. Selten traf der Satz besser den Kern der Sache als bei "Kiss of the Dragon". Nichts, aber absolut nichts, passiert bei "Kiss of the Dragon". Jet Lis Charakter wird in den ersten Minuten hintergangen und fortan gejagt, fertig. Da boten selbst "Romeo must die" oder "Exit Wounds" mehr. Nun könnte man hoffen, daß durch die Entschlackung des Plots wenigstens reichlich "eye candy" geboten wird, leckere Action, explosive Choreographie, coole Verfolgungsjagden. Aber "Kiss of the Dragon" bleibt in der Hinsicht nur durchschnittlich. Der Martial-Arts verwöhnte Zuschauer des neuen Jahrtausends ist eben nur noch schwer vom Hocker zu hauen und die paar netten Einfälle, die Li und Besson dem Publikum auftischen, lassen sich an einer Hand abzählen und sind vom Regisseur Nahon wenig professionell inszeniert. Der Schnitt ist oft wirr und bietet etwas unglückliche Einstellungen. So kann man die zahlreichen Actionszenen nicht ganz unbeschwert genießen. Und nur um die geht es in "Kiss of the Dragon" eigentlich.

Es gibt noch viele, viele Kleinigkeiten, die an "Kiss of the Dragon" nerven. Tchéky Karyo dubliziert einfach seine Bösewicht-Rolle aus "Bad Boys", Hintergrundinfos für seine Motivation werden in keiner Sekunde geboten, seine hünenhaften Handlanger sind oberpeinlich, Jet Lis Schauspielansätze kommen nicht zur Geltung und es ist traurig mitanzusehen, daß Bridget Fonda sich für die Rolle der Prostituierten nicht zu schade ist. Immerhin versucht sie das beste aus der Rolle zu machen, denn so schlecht sind zumindest die Hauptfiguren nicht. Li zeigt als abgespeckter Léon mit seiner unsicheren Art Frauen gegenüber durchaus Ansätze zu verfeinerter Charaktertiefe. Leider ist der Aspekt aufgrund des Zeitmangels natürlich wenig ausgearbeitet.

Bleibt festzuhalten, daß Genrefans durchaus auf ihre Kosten kommen, obwohl es schon stark nervt, eine derart simpel gestrickte "Story" aufgetischt zu bekommen. Im Gegensatz zu Jackie Chan nimmt Jet Li sich auch in jeder Sekunde ernst und die wenigen humoristischen Einlagen sind nicht der Rede wert. Aber wie gesagt: trotz der objektiv starken Mängel ist "Kiss of the Dragon" zu kurzweilig, um ihn schlechter bewerten zu können.

Unterhaltsame Action mit abwesender Story und üblen Nebenfiguren


Thomas Schlömer