Jurassic Park 3

USA, 92min
R:Joe Johnston
B:Peter Buchman, Alexander Payne
D:Sam Neill,
Téa Leoni,
William H. Macy,
Michael Jeter
L:IMDb
„Don´t move a muscle.”
Inhalt
Der berühmte Paläontologe Dr. Alan Grant (Sam Neill) brütet gerade über den Forschungen zu seiner neuesten Theorie über die Intelligenz von Velociraptoren, als ihn die Einladung erreicht, einen wohlhabenden Abenteurer (William H. Macy) und dessen Frau (Téa Leoni) auf einer Expedition über die Insel Sorna als Führer zu begleiten. Dieses abgelegene Eiland, dass sich im Besitz des Unternehmens InGen befindet, diente ursprünglich als Zuchtstation für John Hammonds erste Generation großartiger Saurierexemplare. Als ein tragischer Unfall die siebenköpfige Gruppe trifft, entdeckt Dr. Grant den wahren Grund, warum ihn seine trügerischen Gastgeber zu dieser Expedition eingeladen haben. Und bei dem Versuch, ihr Leben in Sicherheit zu bringen, begegnet die rapide kleiner werdende Gruppe immer neuen, Angst einflößenden Sauriern, die scheinbar alle etwas mit der mysteriösen Forschung des Unternehmens InGen zu tun haben. Dabei wird Dr. Alan Grant mit den schrecklichen Auswirkungen seiner eigenen Theorie konfrontiert.
Kurzkommentar
Die zweifelhafte zweite Fortsetzung zu einem der erfolgreichsten Filme der Geschichte entspricht den Befürchtungen oder Erwartungen. Das Dino-Fieber ist schon lange verflogen, die Regie von Steven Spielberg an den wenig berühmten Joe Johnston abgetreten und "Jurassic Park" als Faszination, die ehemals über den Film hinausging, auch nicht mehr existent. Wo schon "The Lost World" inhaltliche Rechtfertigungsprobleme hatte, schmiert "Jurassic Park 3" natürlich ganz ab, allerdings schlägt sich Johnston mit teils atemberaubender Dino-Action und einer Prise Selbstironie und Trashakzenten für die Masse sicherlich noch sehenswert.
Kritik
Am Anfang war wie immer die Phantasie. Lesern war Autor Michael Crichton schon vor 1990 kein unbeschriebenes Blatt, besonders glänzen konnte und kann er noch immer durch die gut recherchierten Hintergründe seiner Bücher, wovon natürlich auch das letzte, "Timeline", bald verfilmt wird. Aber erst mit seiner außergewöhnlich originellen Idee, Wissenschaft und Fiktion im "Jurassic Park" (zumindest für Laien) auf spannender Grundlage zu vermengen und die Dinosaurier wiederzuerwecken, machten ihn mit einem Schlag weltbekannt. Das Buch stürmte sämtliche Bestellerlisten, aus unterschiedlichen Ursachen schlug die Dino-Manie nicht nur Kinder und Erwachsene, sondern tatsächlich auch Fachgelehrte, Paläontologen und Genetiker in ihren Bann.
Zwar verwarfen diese natürlich den kühnen Einfall, konservierte Dino-DNS einfach in Krokodilseier einzusetzen und die Herrscher der Urzeit zu klonen, als blumige Phantasie, aber immerhin, allein schon die Tatsache, dass Crichtons Phantasie bis in die Wissenschaftswelt vordrang, war Anzeichen genug für eine Art globale Magnetisierung. Und da alle Welt schon in gänsehauterregenden Träumen von einer möglichen Konfrontation mit den fremdmächtigen Kreidezeitgiganten schwelgte und das Buch nach einer kassenmächtigen Verfilmung schrie, griff niemand geringeres als Steven Spielberg zu; nach "Hook" also die zweite Erfüllung eines Kindheitstraums. Und er tobte sich aus, brachte die interessanten Typen der Vorlage kongenial auf die Leinwand (Sam Neill und Richard Attenborough begeisterten) und spannte John Williams für einen imposanten Soundtrack ein, der dem Phänomen, der Sensation, einem "Spielberg" angemessen war. Die eigentlichen Hauptdarsteller aber, der T-Rex und die Velociraptoren, wurden drei Jahre nach Erscheinen des Buches in bis dato ungekannter Trickqualität lebendig. Die Computeranimation von Industrial Light & Magic markierte einen Quantensprung, die animatorischen Effekte von Guru Stan Winston ließen den Atem stocken und es war klar: so mussten die Viecher ausgesehen haben. Auch Paläontologen waren angetan.

Mit der Filmversion gipfelte der kollektive Dino-Hysterie, das Kassenergebnis ist bekannt. Doch nicht genug abgeschöpft, natürlich musste eine Forsetzung her, deren Option sich das Buch zwar offengehalten, die Michael Crichton aber sicher ursprünglich niemals intendiert hatte. Damit Hollywood nicht nur Geldgeilheit als niederes Motiv eingestehen, sondern die "Notwendigkeit" eines Sequels durch ein zweites Buch begründen wollte, schrieb Crichton also, wahrscheinlich auf Spielbergs Bitte hin. Aber wie das mit den Fortsetzungen meist ist, sie war nicht notwendig, nicht einfallsreich und bloß noch ein auf Roman getrimmtes Drehbuch. Vergleichbar ernüchternd war Spielbergs Umsetzung. Dass "The Lost Word: Jurassic Park" dennoch das am meisten erwartetste Sequel der Filmgeschichte war, belegt eben das höchste Startergebnis der Filmgeschichte. Also war die Trilogie nur eine Frage der Zeit, da die Kritik aber schon mit "Jurassic Park 2" an Spielbergs originellen Fähigkeiten Zweifel angemeldet hatte, wollte dieser nurmehr produzieren, nicht aber selbst Regie führen.

Wer sollte also den dritten Teil hauptverantworten und mit Spielberg auf den erneuten Reibach hoffen? Joe Johnston, bisher eigentlich nur mit dem Effektequatsch "Jumanji" aufgefallen, meldete sich freiwillig, bringt aber doch Erfahrung mit ins Feld, zumindest technisch: bereits 1981 arbeitete dieser als "Effets Supervisor" für einen der ganz großen Würfe Spielbergs, für "Jäger des verlorenen Schatzes". Nun wird das "Jurassic Park"-Substrat immer dünner, Teil drei kann nur noch auf die Charaktere, nicht aber mehr auf eine Buchvorlage Crichtons zurückgreifen, der kollektive Dinotraum ist ausgeträumt, eine ehemals revolutionäre Tricktechnik fast Normalität, kurzum: die Aufregung, die fiebrige Erwartung mit der sich "Jurassic Park" 1993 umgeben konnte, ist dahin, und ebenso auch das Drehbuch von "Jurassic Park 3". Wo Crichton so schillernde Typen wie den Chaosmathematiker Ian Malcom, (dem Jeff Goldblum in den ersten beiden Teilen so witzigen Ausdruck gab) entwarf, behelfen sich die Drehbuchautoren Peter Buchman und Alexander Payne mit einer achselzuckend notdürftigen Wiedererweckung Dr. Grants, der im zweiten Teil nicht mehr dabei war. Auf Sam Neill darf man sich immerhin freuen. Laura Derns zwanghafter Cameo-Auftritt in Erinnerung an die Faszination des Originals ist hingegen schmerzhaft hohl, aber natürlich gilt das für die gesamte "narrative Rechtfertigung": Grant vertritt die gewagte These, dass die Raptoren, seine Lieblingsfeinde, "socially sophisticated", sprich mörderisch intelligend waren und siehe da, der Zufall hat eine weitere Insel mit Dinos erhalten, ein Ehepaar weiß dort ihr verlorenes Kind, Grant ist prinzipienschwach und alsbald heisst es Vorhang auf für die Dino-Action, die nur irgendeine Rechtfertigung braucht.

Egal, denn was war schon zu erwarten, wenn nicht eine Aneinanderreichung imposanter Schrei-Lauf-und-Staunszenen? Johnston hatte nun zwei Alternativen: entweder versucht er jene zufriedenzustellen, die eine spannende Geschichte, mehr als nur Pappfiguren erwarten, oder er setzt auf seine Spezialität, auf Rasanz. Bei jenem hätte das Publikum alsbald über das Zukurzkommen der Hauptattraktion, der Dinos gestöhnt, bei diesem sofort über Stumpfsinn. Richtig rechtzumachen ist es also keinem, so baut Johnston mit den nervenden Rollen von Téa Leoni, William H. Macy und dem kleinen Balg die obligatorische Familienkomponente ein, versucht aber sonst naturgemäß jenem Anspruch nachzukommen, auf den das ehemalige Faszinosum "Jurassic Park" zusammengeschrumpft ist: einen popcorntauglichen Sommerblockbuster ohne jeden Funken an Originalität. Letztere hätte bei einer zweiten Fortsetzung sowieso niemand erwarten dürfen. Nach der charakterlosen Einführung geht´s dann auch auf hohem adrenalintreibenden, aber - und das ist Johnston anzurechnen - auch augenzwinkernden Niveau zur Sache: da wird mit dem Megaphon dinolockend in den Jungle posaunt ("That´s a very bad idea"), König T-Rex kommt, beißt spektakulär zu, man entkommt gebührlich knapp und ja, damit setzt Johnston die Messlatte für seine Action erfreulich hoch.

Sein größtes Vermögen liegt denn darin, die Dinoauftritte durchweg überraschend spektakulär abzuwickeln und Spielberg darin sogar auszustechen. Da früher Gesehenes aber selbst auf tricktechnisch höherem Nivau bald ermüdet, mussten selbstredend neue Monster her, und sentenziöserweise wirbt schon die Presseankündigung nicht mit Inhalt, sondern mit neuen Staunobjekten zu Lande und zu Wasser. Die vielleicht mächtigste, den Zuschauer aber auch verlangend zurücklassende Szene ist der Kampf zwischen dem T-Rex und dem neuen König Spinosaurus. Das ist hochkarätig, davon bitte mehr, aber leider gönnt Johnsten dem T-Rex keine Revance, er hakt ihn praktisch in Sekunden ab. Wenn dann unerwünschte Zeit zum Atemholen bleibt und der Regisseur für überflüssige Momente die Menschen, das flüchtende Futter in den Vordergrund rückt, wird "Jurassic Park 3" zweifellos schwach, sehr schwach. Sam Neill als Dr. Grant hat nur Substanz durch Erinnerung, sein ungestümer Zögling ist überflüssig und William H. Macy peinlich unterfordert. Sämtlich sind sie ehrlicherweise weniger Darsteller als erhofftes Dinofutter, aber da Johnston auf die Altersfreigabe zwecks erhöhter Einnahmen achten musste, bleiben die Monster überwiegend hungrig und die Szenerie blutfrei.

Sicher, man mag "Jurassic Park 3" nun rundherum abqualifizieren, weil ihn die Welt nicht braucht, aber sein Klassenziel sollte er erfüllen, nämlich die Massen zu unterhalten, während die menschliche Interaktion zu Pinkelpausen einlädt. Ein erneutes Lob geht an Stan Winston und die Computerkünstler, die eigentlichen Regisseure der Effektshow. Zum einen ist der Anteil der Computerbilder im Vergleich zum Original natürlich enorm hoch, weiterhin haben die einkopierten Echsen aber noch deutlich an Qualität zugelegt. Der Kinnladen-runter-Effekt ist zwar vergangen, aber dennoch: brilliante Arbeit. Halbwegs witzig ist die Verifizierung von Grants Velociraptor-Intelligenz-These, vielleicht wird den Biestern aber gerade dadurch an Schrecken genommen. Aberwitzig, enttäuschend ist deswegen die Auflösung der finalen Konfrontation mit den kommunzierenden Killern, die schon im Traum - hier wieder der ironische Zugang Johnstons - zu Grant sprachen. Das Fehlen eines Showdowns, irgendeines Endkampfes enttäuscht zudem ziemlich und trashig, unmotiviert hingeschludert ist auch das Ende.

Begeistern kann "Jurassic Park 3" letztlich mit dem, was von ihm verlangt wird: mit handwerklich erstklassigen, rasanten Actionszenen und augenzwinkenden Einfällen. Dass Johnston trotzdem ein insgesamt düsteres Setting als Spielberg entwirft und nicht bloß kopiert, verbucht die Habenseite. Aber der Minimalplot macht jeden Spannungsbogen unmöglich. Johnston hätte einen sehr guten Abschluss einer fragwürdigen Trilogie liefern können, hätte er das Actionlevel, das die ersten Szenen erreichen, konsequent und unter ehrlichem Verzicht auf jeden vorhersehbaren Storyballast aufrechterhalten. Doch auch so entspricht "Jurassic Park 3", von dem nichts zu erwarten war, den Anforderungen eines inhaltsleeren Themenparks. Er ist marode geworden, aber er funktioniert noch, nicht mehr, nicht weniger.

Erwartungsgemäß substanzlose, ausreichend spektakuläre Saurier-Action


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Spannende Unterhaltung tischt uns Joe Johnston mit "Jurassic Park 3" auf und es gelingt ihm sogar, dem Streifen einen gewisse, persönliche Note zu geben, die ihn von der Spielberg'schen Dinohatz distanziert. Trotzdem einige Nörgler gerade am dritten Teil einer Serie wieder genug Kritikpunkte finden dürften: besser als Teil 2 ist er allemal....