Junggeselle, Der
(Bachelor, The)

USA, 101min
R:Gary Sinyor
B:Steve Cohen
D:Chris O'Donnell,
Renée Zellweger,
Hal Holbrook,
James Cromwell,
Peter Ustinov
L:IMDb
„Du hast gewonnen...”
Inhalt
Junggeselle Jimmie (Chris O'Donnell, zuletzt in "Cookie's Fortune") muß mit ansehen wie alle seine Freunde nach und nach heiraten und erkennt schließlich, daß er es ist, der als Einziger übrig geblieben ist. So kommt es, daß er - mehr oder weniger durch Gruppenzwang verpflichtet fühlend - seiner Freundin Anne (Renée Zellweger, bekannt aus "Jerry Maguire") ebenfalls einen Heiratsantrag macht. Aber nicht irgendeinen, sondern wohl den schlechtesten der Welt. Beleidigt und enttäuscht wendet Anne sich von Jimmy ab und verläßt erstmal die Stadt. Als schließlich Jimmie's Großvater (Peter Ustinov, legendär als "Hercule Poirot") verstirbt und ein Videoband seines letzten Willens hinterläßt, sieht sich Jimmie gezwungen in knapp 28 Stunden zu heiraten - egal wen, egal wo. Denn nur wenn er vor seinem 30. Geburtstag den Bund der Ehe eingeht, erbt er das gigantische Vemögen von 100 Mio. $. Und so klappern Jimmie, sein bester Kumpel und ein Pfarrer alle früheren Beziehungen ab - in Hoffnung, eine Bereitwillige zu finden.
Kurzkommentar
Frisch und überraschend ideenreich zu Beginn, erweist sich "Der Junggeselle" als jene Standardkost, die man bei dieser Thematik sowieso vermuten konnte. Sympathische Darsteller und einige gute Einfälle retten den Junggesellen deshalb leider nicht vor der Gefahr, im Laufe des Geschehens in den typischen Komödienklamauk abzufallen.
Kritik
Und wieder ein Film, der sein anfängliches Niveau nicht halten kann: das Remake der recht unbekannten Buster Keaton-Komödie "Seven Chances" beginnt verheißungsvoll und frisch, ist im Mittelteil solide und unterliegt zum Ende hin leider immer mehr dem Syndrom des typischen Komödienklamauks.

So ist beispielsweise der witzige Anfang des Films hervorzuheben, als die sonst nur aus Marlboro-Werbungen bekannte Pferdeherden über die weite Prärie reiten und metaphorisch gleichgesetzt werden mit den jungen, wilden Jahren der Männerhengste um Jimmie und seinen Freundeskreis.
Auch sonst gestalten sich die ersten 30 bis 45 Minuten frisch und unverbraucht: die Hölle 'Ehe' wird gewitzt in Szene gesetzt (der Brautstrauß als die schlimmste aller Bedrohungen), Peter Ustinov als kauziger Großvater ist herrlich stur und die Beziehung inkl. Heiratsantrag (in dem Restaurant für Heiratsanträge überhaupt) wirkt äußerst amüsant und mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt. Dazu noch der gekonnte Einsatz von Musik ("Carmina Burana"), die gezielt eingesetzten Effekte (Brautstrauß) und das erfrischte Aufspielen der Akteure - der ideenreichste und romantischste Abend seit "Notting Hill" wäre perfekt gewesen.

Doch das große Aber folgt sofort: ist Anne erstmal verreist, das Testament verlesen und die Brautjagd eröffnet, verliert der Film widersprüchlicherweise an Fahrt - das Abklappern der potentiellen Ehefrauen ist zwar solide und hier und da mit geistreichen Einfällen gespickt ("Do you want to marry this man for 100 mio. $ ?") läßt aber die Spritzigkeit der ersten Minuten schmerzlich vermissen. Allenfalls die kleineren Auftritte von Mariah Carey oder Brooke Shields in leicht selbstironischer Weise erweisen sich noch als einigermaßen gelungen - mehr als "nett" hat der Film aber ab hier schon nicht mehr zu bieten.
Umso trauriger dann, daß der zunächst witzige Einfall der riesigen Horden von potentiellen Bräuten viel zu breit getreten wird und am Ende nur noch als - im wahrsten Sinne des Wortes - platter Gag angesehen werden kann. Im Gegensatz zur Vorzeigeliebeskomödie "Notting Hill" konzentriert sich der Junggeselle außerdem viel zu wenig auf die durchaus interessanten Nebencharaktere (allen voran Artie Lang als Marco) und läßt deswegen eine gesunde Abwechslung vermissen.

Was sich allerdings als das schlimmste aller Übel entpuppt: der richtige Schuß Romantik fehlt. Sicherlich geht es zunächst nicht primär um die Beziehung zwischen Jimmie und Anne - dazu wird deren Liebesgeschichte auch zu schnell erzählt. Aber wenn sich zum Ende hin - und hierrüber wird wohl niemand überrascht sein - das Happy-End zwischen Beiden anbahnt, fehlt doch die romantische-knisternde Atmosphäre, die dieses für viele peinliche, aber doch gern-empfundene "Ist es nicht schön ?"-Gefühl provoziert.

Schade um den guten Ansatz einer sonst sehr ordentlichen Komödie.

Recht einfallsreiche Komödie ohne den nötigen Schuß Romantik.


Thomas Schlömer