Joyride

USA, 96min
R:John Dahl
B:Clay Tarver, Jeffrey Abrams
D:Paul Walker,
Steve Zahn,
Leelee Sobieski,
Jessica Bowman
L:IMDb
„Ich liebe den Sturm. Dann bleiben die Leute zu Hause und die Straßen werden reingewaschen.”
Inhalt
Fünf Jahre lang gingen der Student Lewis (Paul Walker) und sein älterer Bruder Fuller (Steve Zahn) getrennte Wege. Als Lewis den notorischen Unruhestifter aus dem Knast auslösen muss, entwickelt sich ihre gemeinsame Fahrt an die Ostküste, der sich Jugendfreundin Venna (Leelee Sobieski) in Colorado anschließen will, zum Höllentrip. Denn Fullers dumme Idee, sich über CB -Funk mit verstellter Stimme als verführerische Trösterin einsamer Truckerseelen auszugeben, lässt aus Spaß tödlichen Ernst werden. Ein gesichtsloses Phantom, das sich Rusty Nail nennt, wird zum Spielverderber, als am verabredeten Motel-Treffpunkt nicht der versprochene heiße Käfer Candy Cane, sondern ein schlecht gelaunter Gast wartet. Am nächsten Morgen wird klar, dass dieser Gast von Rusty Nail krankenhausreif geschlagen wurde, und die Brüder suchen fluchtartig das Weite. Doch Rusty Nail verfolgt sie, kostet seine Rache mit einem diabolischen Spiel aus.
Kurzkommentar
Ohne große Experimente setzt Regisseur John Dale ("Red Rock West") in seinem neuesten Horrorthriller "Joyride" auf altmodische, aber solide und nicht so schrecklich banale Thriller-Elemente. Positiv bleibt, dass er auf an den Haaren herbeigezogene Motive des Täters verzichtet und ordentliche Spannung bietet. Negativ allerdings, dass er dadurch wenig Überraschendes zu bieten hat.
Kritik
Wer in letzter Zeit spannende Horrorunterhaltung gesucht hat, fand abseits der gängigen Teenie-Slasher recht wenig im Angebot. "The Sixth Sense" war so das letzte, was die Zuschauer begeistern konnte, aber genau wie Alejandro Amenabars kommender Thriller "The Others" mit Nicole Kidman geht es da eher um Geister, denn um echten, realistischen Thrill. John Dahl, der schon mit "Kill me again", "Red Rock West" und "Die letzte Verführung" in diesem Genre Fuss fassen konnte, versucht nun auf unspektakuläre, aber handwerklich geschickte Weise das verdümmlichte Genre der Slasherfilme zu entstauben. Mit "Joyride" gelingt ihm das überraschend gut, auch wenn die große Stärke des Films, nämlich die Besinnung auf soliden Thrill, anstatt auf irrsinnig angelegte Verschwörungen, zugleich seine größte Schwäche ist.

Dadurch, dass Dahl auf billige Mordmotive des Täters in irgendwelchen dubiosen Vergangenheitskonflikten mit den Protagonisten verzichtet, hält er seinen Streifen angenehm sauber von infantiler Teenie-Eifersucht. Gleichzeitig krankt der Film dadurch etwas an dramaturgischer Langeweile: der Täter ist, wie immer, ein durchgeknallter Psychopath. Interessant bleibt der Film nur dadurch, dass die Identität des Mörders nie gelüftet wird und er auch nur in wenigen Szenen ansatzweise zu erkennen ist. Klug ist daran, dass eine klärende Szene aufgrund der angesprochenen Zusammenhanglosigkeit mit den Figuren, auch wenig Sinn gemacht hätte. Stattdessen dient der Truck des Gegners als großer Bösewicht und gibt dem Film so einen leichten Man-vs-Machine Charakter. Trotzdem besteht der Thrill in "Joyride" nicht nur in einigen, netten Verfolgungsjagden und dem üblichen Telefongebimmel, sondern vor allem auch in der Nicht-Identifizierbarkeit des Mörders. Und vergessen wir auch nicht, dass Fuller und Lewis sich selber "in die Scheisse geritten haben", weil sie einen dummen Scherz machen wollten.

Schauspielerisch geht es ebenfalls überdurchschnittlich zur Sache: Paul Walker und Leelee Sobieski bieten zwar wenig Bemerkenswertes, dafür kann Steve Zahn ("Out of Sight") überzeugen: der kindische, zappelige Kleinganove ist ihm wie auf den Leib geschrieben. Auch technisch gibt es wenig zu bemängeln: Fotografie, Schnitt, Settings, Marco Beltramis Musik, alles sehr solide. Wer also eine halbwegs spannende Treibjagd auf Amerikas Highways sucht, wird bei "Joyride" gut bedient.

Teils überdurchschnittlicher, teils solider Thriller ohne Experimente


Thomas Schlömer