Italienisch für Anfänger
(Italiensk for Begyndere)

Dänemark 2001, 118min
R:Lone Scherfig
B:Lone Scherfig
D:Anders W. Berthelsen,
Lars Kaalund,
Peter Gantzler,
Sara Indrio Jensen
L:IMDb
Inhalt
Der Italienisch-Kurs stellt für mehrere Singles die perfekte Möglichkeit zur Flucht aus ihrem tristen Leben dar. Und schon bald entwickelt sich mehr als nur die Freude an der Sprache. Bei einem Ausflug nach Venedig nehmen sowohl Romanzen als Verwicklungen dann ihren Lauf.
Kurzkommentar
Dogma hin, Dänemark her, man kommt nicht umhin, bei "Italienisch für Anfänger" unweigerlich an "Brot & Tulpen" zu denken, den Programmkino-Überraschungshit des Jahres. Und in diesem Vergleich schneidet die dänische Version leider deutlich schlechter ab, vorallem in den Kategorien Charme und Witz.
Kritik
Ein paar unglückliche Existenzen, die in einem Italienisch-Kurs ihre Fluchtmöglichkeit aus dem tristen Alltag finden: Gehemmte Pfarrer, cholerische Kellner, schüchterne Hoteliers, dazu schusselige Verkäuferinnen und tyrannisierte Töchter bevölkern die Welt von "Italienisch für Anfänger" - eine mehr oder minder ganz normale Population also. Das ist die Ausgangskonstellation für die zähe Story, die dieser neue Dogma-Film aus Dänemark entwickelt. Oder auch: Alle streben, viele sterben. Die Tristesse, die geschildert wird, ist enorm, man mag an den legendären skandinavischen Schwermut denken. Doch davon abgesehen sind die Charaktere des Films so hoffnungslos überfrachtet, dass es eigentlich eher schmerzt als belustigt, und zwar nicht schmerzt im mitfühlenden Sinne, sondern aufgrund der filmischen Plattheit. Wenig subtil geht das Schicksal dann auch mit einigen der Figuren zu Gericht - sie sterben kurzerhand, an einer Alkoholsucht, an einer giftigen Galle.

Die Kluft zwischen dieser triefend sarkastischen, vorgeblichen Realitätszeichnung und den humoristischen Passagen überwindet "Italienisch für Anfänger" leider nie. Weder ist er beschwingt, noch ist er sozialkritisch, weder lustig noch berührend. Dieser mißlungene Übergang stellt wohl das Hauptproblem dar, und der Blick auf den italienischen Konkurrenten zeigt: Hier ist das alles besser gelöst. Hinzu kommt, dass dem Zuschauer durch die zahlreichen, völlig überladenen Charaktere die Möglichkeit zum Mitempfinden und zur Identifikation schwer gemacht wird: Letzlich ist einem das Schicksal des Einzelnen reichlich egal.

Die Unglaubwürdigkeit hat Prinzip, das war schon in "Brot & Tulpen" so, doch was Lone Scherfig hier auffährt, ist jenseits des Erträglichen. Nicht nur die Grundkonstellation, nein, auch die sich ergebenden Beziehungen sind so vollkommen jenseits jeder Realität, dass sie nicht mal mehr zu einem Witz taugen, allenfalls zu einem schlechten. Die Reise nach Venedig tritt in den Hintergrund, der meiste Teil des Filmes spielt in einem dänischen Kaff. Das allein ist nicht das Problem, da nun aber Geschichte und Personen wenig überzeugend sind, hätte man wenigstens die Kraft des "locus amoenus" Venedig nutzen können - doch auch hier versagt "Italienisch für Anfänger". Während der Beginn endlos lange ausgetreten wird, ist das Ende viel zu kurz, und so bleibt es auch unglaubwürdig.

Vielleicht ist diese Beurteilung im Lichte von "Brot & Tulpen" unfair, und ohne Kenntnis dieses Filmes wäre die Beurteilung vielleicht anders ausgefallen. Wie auch immer, ein Film muß sich auch an seiner Konkurrenz messen lassen, und den Vergleich mit dem charamanten italienischen Vorbild verliert die dänische Variante um Längen. Da hilft auch der ganze Dogma-Schmuh nichts mehr, der nur zum langsam albernen Etikett verkommt. Wer also die Wahl hat, sieht lieber in der zum Starttermin wahrscheinlich 100. Woche "Brot & Tulpen".

Fade Dogma-Variante von "Brot & Tulpen"


Wolfgang Huang