Wonder Boys, Die
(Wonder Boys, The)

USA, 113min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Curtis Hanson
B:Michael Chabon,Steven Kloves
D:Michale Douglas,
Tobey Maguire,
Frances McDormand,
Robert Downey Jr.
L:IMDb
„Ich bin nicht der erste Schriftsteller, der sich ne Tüte baut.”
Inhalt
Es ist ein Wochenende in der Hölle für Grady Tripp (Michael Douglas): Der Erfolg seines erstens Romans machte ihn zum "Wonder Boy" der Literatenszene, doch das ist lange her. Als Literaturprofessor ist er geschätzt und beliebt, aber sein Privatleben ist ein einziges Chaos. Sein Protegé und Vorzeigestudent ist verwirrt, die hübsche Studentin Hannah (Katie Holmes) verfolgt ihn mit eindeutigen Avancen, er unterhält ein Verhältnis zu Sara (Frances McDormand), der Frau seines Chefs, die auch noch schwanger wird.
Kurzkommentar
Curtis Hanson gelingt mit "Die Wonderboys" eine niveauvoll amüsierende und reflektierende Satire über das Schreiben und (Schaffens)Krisen. Ausgezeichnet durch eine unkonventionelle Geschichte und beste Darsteller, allen voran Michael Douglas, stört nur phasenweise eine leichte Wirrheit, die wiederum zur Stärke wird.
Kritik
Filme, die auf einem raffinierten, unverbrauchten und zudem vielleicht noch verschachtelten Drehbuch fußen, sind selten und gerade in Amerika eine Rarität. Umso mehr konnte ein Regisseur wie Curtis Hanson auffallen, als er vor drei Jahren seinen brilliant erzählten, den Zuschauer fordernden Verschwörungsthriller "L.A. Confidential" vorlegte.

Den Beweis, dass das Niveau seines Erstlings kein Zufall war, will Hanson nun mit "Wonderboys", einer räsonierenden Mischung aus Komödie und erzählendem Kino, antreten. Und da gute Drehbücher immer noch am schwersten der eigenen Inspiration abzuringen sind, griff man einfach auf den gleichnamigen Roman von Michael Chabon zurück. Was Drehbuchautor Steve Kloves nun daraus zurechtschnitt, wird der an einen Hanson-Film gestellten Erwartung gerecht, gibt sich feinsinnig und mündet in einen kleinen, kaum bemerkten, aber nichtsdestotrotz geschliffenen Film. Alle wesentlichen Komponenten sind stimmig und das Ergebnis ein trotzig langsamer, aber gerade deswegen, wegen seiner offensichtlichen, detailverliebten Ziellosigkeit über weite Strecken ein gepflegter Genuss. Im Kern der unterhaltsamen Trägheit, des dauernden Reflektierens ohne moralischen Boden steht zwar ein Handlungsfaden, wichtiger aber sind Momentaufnahmen und Situationen. Erneut kann Hanson hier sein präzises Gefühl für lakonisch skizzierte Stimmungen ausspielen und versteht es, die Schauspieler mit brillianten Dialogen bestmöglich einzubringen.

"Die Wonderboys" wäre trotz des außergewöhnlichen Drehbuchs um Literatur, Existenz und Krise ein Nichts ohne sein zugkräftiges und intensiv darstellendes Schauspielensemble. Frances McDormand, mit "Fargo" von den Coen- Brüdern noch Oscarpreisträgerin für die beste weibliche Rolle, überzeugt als Frau des Dekans, muss sich aber trotz ihrer Souveränität mit einer eher marginalen Rolle begnügen. Im Mittelpunkt, neben einem charakteristich distanzierten, aber eigentümlich fähigen Tobye Maguire und einem angenehm lebendigen Robert Downey Jr., steht der in letzter Zeit selten zu sehende Michael Douglas. Hier meldet er sich dezent, aber in großartiger Form zurück.

Wo "Wonderboys" allein schon durch die intelligente Ineinssetzung von Komödie, melancholischem Grundton und stilsicherem Ambiente eine Empfehlung wert ist, lohnt er vor allem durch die Leistung von Douglas. Sein differenziertes, selbstironisches Portrait einer verkrachten, ungepflegten und dauerkiffenden Schriftstellerexistenz dürfte mit zum Amüsantesten und Glaubwürdigsten gehören, was in letzter Zeit über die Leinwand geflimmert ist. In herrlich trockener Manier leitet er moralenthoben und spöttisch-abgeklärt durch die unterhaltsame, manchmal schwarzhumorige Ereigniskette, an der einzig zu kritisieren ist, dass trotz der Dialogklasse mehr Entschlossenheit gut getan hätte. Aber so ist das, bewegt sich ein Film nicht durch billigen Witz. "Die Wonderboys" ist eine erfrischend gehaltvolle, bravourös gespielte und sogar weise Komödie, belebt durch ungewohnte und von Hanson beobachtungsgenau verhandelte Aspekte.

Detail- und erzählfreudige Genremixtur voller Humor und Gestalten


Flemming Schock