Wog Boy

Australien, 92min
R:Aleksi Vellis
B:Chris Anastassiades, Nick Giannopoulos
D:Nick Giannopoulos,
Vince Colosimo,
Lucy Bell,
Abi Tucker
L:IMDb
„Für mich war das der größte Scheiß, den ich je von mir gelassen habe. Aber ich schätze genau darum geht es in der Politik.”
Inhalt
Steve (Nick Giannopoulos) ist ein griechischstämmiger Australier und gehört damit zu den Wogs, den Einwanderern, die gerne als Sündenböcke für allerlei Probleme verantwortlich gemacht werden. Als der Sozialhilfeempfänger und Lebemann ausgerechnet mit der Arbeitsministerin in einen Unfall verwickelt wird, rächt sich diese, indem sie ihn aus wahltaktischen Gründen als Wohlfahrtsschmarotzer brandmarkt.
Kurzkommentar
"Wog Boy" ist nicht wirklich schlecht - aber eben auch nicht wirklich gut. Alles riecht nach einer soliden Komödie, aber ein höheres Niveau als das einer guten TV-Produktion erreicht Hauptdarsteller und Drehbuchautor Nick Giannopoulos nicht. Leider wird zum Ende auch das gesunde Stück Selbstironie über Bord geworfen.
Kritik
"Kanake, unkultivierter Proll, dreckiger Ausländer, all das ist gemeint mit Wog Boy" klärt uns der Film zu Beginn auf und legt unverzüglich die Charakterisierung seines Protagonisten fest: "Wenn sie mich schon so nennen, dann will ich auch einer sein". Und so spielt der Grieche Nick Giannapoulos einen Arbeitslosen, der nur sein eigenes Vergnügen im Kopf hat, bei allen beliebt ist und mit seinem persönlichen Auto-Fotoalbum sogar die Polizei weichklopft - alles locker, alles easy. Genau wie der gesamte Film, der von der Sympathie seines Hauptdarstellers lebt. Der Wog Boy plätschert eigentlich über die volle Länge von 92 Minuten vor sich hin. Meist recht unterhaltsam, aber manchmal auch langweilig und dämlich.

Große Kritikpunkte gibt es ebensowenig wie starke Pluspunkte - sofern man gegen derart unspektakuläre Komödien nichts einzuwenden hat. Eigentlich alles am "Wog Boy" ist durchschnittlich: Inszenierung, Gags, Schauspieler. Nick Giannapoulos ist ebenso solide wie die bezaubernde Lucy Bell. Die Nebencharaktere sind wenig auffällig, gehen aber in Ordnung ("böse Kacke"). Warum der Film die erfolgreichste australische Produktion aller Zeiten ist, bleibt fraglich, aber "Crocodile Dundee" hatte seinerzeit ja auch nicht mehr zu bieten. Der Erfolg scheint somit eher in der Anzahl reiner australischer Filme begründet zu sein, aber gut. Ganz unterhaltsam ist der Film allemal.

Was den "Wog Boy" aber von anderen durchschnittlich bis schlechten Komödien abhebt: er nimmt sich (zunächst) nicht ernst. Die Witze wirken zwar manchmal gezwungen und aufgesetzt, bergen auch keine echten Brüller in sich, aber man kann dem Film nie richtig böse sein, da eben alles so ehrlich und teilweise selbstironisch bleibt. Indiz dafür: nach der pathetischen Rede Steves beim Treffen der "Großen Sieben", bei dem dem Zuschauer schon mit der platten Moralkeule gedroht wird, zeigt sich der "Wog Boy" mit obigem Zitat eben erstaunlich locker. Erst die letzte halbe Stunde unterstellt sich wieder dem üblichen Komödienschema und nimmt sich leider viel zu ernst, weshalb der Film im Endeffekt eben doch nur bei einer Durchschnittswertung landet.

Lockere, aber langweilige und kaum witzige Standardkomödie


Thomas Schlömer