Sorted

UK, 102min
R:Alexancer Jovy
B:Malcolm Campbell, Alexander Jovy, Christian Spurrier
D:Matthews Rhys,
Sienna Guillory,
Fay Masterson,
Tim Curry
L:IMDb
„Soll das heißen Sie waren noch nie in einem Londoner Club?”
Inhalt
Landei Carl (Matthew Rhys, "Heart") will in der Londoner Wohnung seines unter mysteriösen Umständen getöteten Bruders nur dessen Habseligkeiten zusammenpacken und dann wieder nach Hause gehen. Doch trifft er auf dessen Freundin Sunny (Sienna Guillory), die ihn in das Großstadt-Nachtleben einführt. Sein Bruder war Teil der Raveszene. Carl lernt einige seiner skurrilen Freunde kennen und auch den sadistischen Drogen-Boss Damian (Tim Curry, zuletzt in "3 Engel für Charlie").
Kurzkommentar
Wem ein solider Thriller mit einigermaßen ungewöhnlichen Szenario reicht, darf ruhig einen Blick auf "Sorted" riskieren. Mich persönlich reizt die Rave- und Technoszene auf der großen Leinwand nicht - und anderhalb Stunden Visualisierungen diverser Drogenzustände dienen auch nicht gerade der Abwechslung.
Kritik
Was manche Regisseure an der filmischen Ausarbeitung der Raveszene reizt möchte ich mal gerne wissen. So fett der Bass im Kino auch rüberkommen mag, so krass die Bilderflut auch wirkt - letztendlich löst die Szenerie (zumindest bei mir persönlich) keinerlei Staunen aus. Wenn man ordentlich abtanzen will, geht mein in die örtliche Dizze und kann sich bei lautem Getöse richtig abreagieren. Da bedarf es doch eigentlich keines bebilderten Kinobesuchs.

Denn so wirken selbst die vorzüglichst eingefangenen Clubs in "Sorted" (so nennt man laut Film die Gefühlslage nach dem Drogenkonsum) mehr oder weniger uninteressant. Klar, das Ambiente dient hauptsächlich der Atmosphäre. Primär bedient sich "Sorted" der Szene nur, um dem Thriller- Genre mal einen etwas anderen Touch zu geben, doch anderthalb Stunden Drogenrausch (wunderbar visualisiert, aber dennoch irgendwie belanglos) dienen eben nicht gerade der Abwechslung. Zumal die zugrundeliegende Story selbstredend nicht vor übermäßiger Originalität strotzt - vom mauen Ende ganz zu schweigen. Warum Regisseur Alexander Jovy seine bis zur letzten halben Stunde überraschend subtil angelegte Charakterzeichnung mit einem stereotypischen Held-gegen-Oberbösen Kampf zu Ende führt bleibt ebenso schleierhaft wie bedauerlich. Tim Curry mimt den eindimensionalen, aber effektiven Drogenboss ausreichend gut, daß man aus dem Ende locker mehr hätte machen können. Stattdessen wandelt sich der englische Film mehr und mehr zum amerikanischen und damit meine ich hauptsächlich die altbackene Plotstruktur, mit der der Streifen endet.

Dabei war das Anfangsbild eigentlich sehr positiv. Mit viel Gefühl für das Zusammenspiel von Bild- und Musik führt Jovy seinen naiven Hauptcharakter mit der U-Bahn-Fahrt ein, etabliert den etwas schwachen, aber zunächst ausreichenden Plot um den mysteriös gestorbenen Bruder und bringt Carl's Ecstasyverfall glaubwürdig rüber. Die Nebencharaktere wie Freundin Sunny und die Ex-Freundin seines Bruders machen ihre Sache durchaus gut und wirken gar nicht mal uninteressant. Außerdem erhält Jovy geschickt die wenig nervenzerrende, aber vorhandene Spannung um die eigentliche Todesursache des Bruders. Was dabei besonders intensiv rüberkommt, sind die Gemütszustände Carls. Matthew Rhys' Charisma gefiel mir wirklich gut. Seine rot-unterlaufenen Augen sowie seine übermüdete Stimmung kamen exzellent rüber, aber was bringt das alles, wenn es im Film kaum voran geht und eben das Ende so bekannt und unspektakulär ausfällt ?
Trotz diverser Belanglosigkeiten aber noch einer der besseren Filme von der britischen Insel.

Stilistisch ausgeprägt, aber erzählerisch mau.


Thomas Schlömer