Wing Commander

USA, 100min
R:Chris Roberts
B:Chris Roberts, Kevin Droney
D:Freddie Prinze Jr.,
Saffron Burrows,
Metthew Lillard,
Jürgen Prochnow
L:IMDb
„Kilrathi Gangbang”
Inhalt
Wir schreiben das Jahr 2654. Die Konföderation der Menschen befindet sich im Krieg mit der brutalen und blutdurstigen Alienrasse der 'Kilrathi'. Diese haben einen Navigationscomputer der Menschen entwenden können, mit dessen Hilfe sie hinter die feindlichen Linien 'jumpen' und den Heimatplaneten der Menschen angreifen wollen. Nur drei tapfere Raumpiloten - der frisch von der Akademie kommende Christopher Blair (Freddie Prinze Jr.), der draufgängerische Todd 'Maniac' Marshall (Matthew Lillard) und die das Kampfgeschwader leitende Jeanette 'Angel' Deveraux (Saffron Burrows) - sind in der Lage, die Zerstörung des Heimatplaneten zu verhindern, sind jedoch bei der Rettung der Welt ab und an von zwischenmenschlichen Konflikten behindert.
Kritik
Egal, ob 'Super Mario' oder 'Street Fighter', 'Mortal Kombat' oder 'Double Dragon' - bisher hatten populäre Computerspiele, denen der Weg auf die Leinwand geebnet wurde, immer wieder mit den gleichen Problemen in der Filmumsetzung zu kämpfen: kurioserweise wurde man bisher nur mit Leinwandadaptionen von reinen Reaktions- und Actionspielen mit entsetzlich hohem Infantilitäts- und Dummheitsgrad traktiert, deren 'Handlungen' noch bodenloser waren, als die verstandesstrafenden Filmtitel andeuteten. Und da primär die rein männliche Zielgruppe der zwölf- bis Sechzehnjährigen als mögliches Publikum in Frage kommt, ist wegen geringen Hitpotentials kein Majorstudio für ein ausreichendes Produktionsbudget und nur Zweitklasseschauspieler zu haben, die für jede Arbeitsbeschaffungsmaßnahme dankbar sind. Am unbarmherzigsten muss es jedoch den Regisseur treffen, der sich entweder nur aufgrund finanzieller Nöte oder wegen Geistesumnachtung zum Dreh bereit findet.

Denn dass er die Verantwortung für das Resultat der dilettierenden Umsetzung zu tragen hat, kommt der eigenen Exekution und vollendetem Rufmord gleich - auf immer stigmatisiert, was jetzt auch für 'Regisseur' Chris Roberts gilt, Designer der weltweit kommerziell erfolgreichsten Computerspielserie 'Wing Commander'. Roberts, ehemaliger Spieleprogrammierer selbsterklärtes Allroundgenie, nahm Anno 1993 für Videosequenzen in besagtem Spiel zum ersten Mal auf dem Regiestuhl Platz und war fortan vom fixen Gedanken ergriffen, doch einen 'richtigen Film' zu drehen. Dass er sich diesen Wunsch erfüllen durfte, mag seinem Ego dienlich sein, der Filmkultur sicher nicht.

Roberts Hybris ließ ihn offensichtlich vergessen, dass zur Realisierung eines guten Filmes mehr gehört, als nur eine 'Vision' - nämlich handwerkliche Kompetenz. Doch nicht nur diese, sondern in erster Linie die Geldmittel scheinen im abgegangen zu sein, denn das gesamte Produktionsdesign ist derart billig, dass nichtmal ein Videorelease, geschweige denn ein Kinostart gerechtfertigt ist. Selbst die kompromisslosesten Anhänger der Spieleserie, wegen deren Zielgruppenpotential der Streifen überhaupt in die Lichtspielhäuser kommt, werden sich entsetzt zurück vor den Computer flüchten. Es ist schon bezeichnend, dass wegen fehlender Geldmittel (das Budget betrug um die 20 Mio. Dollar) in Luxembourg produziert werden musste.

Wie aber selbst dann nicht das Maximum aus minimalen Voraussetzungen gepresst werden kann, demonstriert das Ergebnis nicht nur formal in Reinkultur: Alles beginnt damit, dass der Hintergrund der sogenannten 'Handlung', ein hirnverbrannter Weltraumkrieg zwischen Menschen und dem Mob der identitätslosen 'Kilrathi'-Monster, das Geschehen sofort aufs 'Hey, treten wir dem Ekelpack kräftig in den Arsch'-Videospielniveu strafreduziert wird. Derartiges würde dann noch in anspruchslos erträglichen Bahnen verlaufen, wenn man´s angemessen hätte krachen lassen. Aber nein, vom konsequenten Spannungsaufbau in rasanten Weltraumgefechten ist man soweit entfernt, wie die fanfarenschmetternde, ohrstöpselwürdige Patriotenmusik vom Geigenspiel. Die Schauspielgarde bleibt komplett blass, weit unter dem Möglichen und zitiert halbherzig aus dem zusammengekleisterten Drehbuch, das blödsinnige Diktion und Dialoge ("Wenn sie es so sagen, Sir!", "Ja, ich sage es!") mit darstellerischer Pfuscherei paart.

Es schmerzt schon, wenn ehemalige Talente wie Jürgen Prochnow (ewig von seinem 'Boot'-Ruhm zehrend) für Geld alles zu tun scheinen und belämmert ausdruckslos ihren charakterlosen Part herunterleiern. So ist das Fortschreiten des grässlich irrelevanten Geschehens hanebüchern und schauderhaft, als eigentliche Krönung und dramaturgischer Todesstoß erweist sich aber der Umstand, dass Pseudoregisseur Roberts die Gegner seiner Weltraumhelden bis kurz vor Schluß nicht einmal bildlich zeigt, ihnen nicht den Funken einer Identität verleiht und dem Zuschauer die Frage aufdrängt, was das alles soll. Als die 'Kilrathi' dann doch noch durchs Bild watscheln, ist klar, wieso sie solange zurückgehalten wurden. Das Design dieser grünen Reptilpuppen (maximale Bewegungsstufe: Kiefer runter, Kiefer rauf) ist schlichtweg ein animatorisches Verbrechen, jedoch wiederum harmonisch ins Produktionsdesign eingefügt, dessen finaler Müllcharakter für stockenden Atem sorgt: Die Innenaustattung sämtlicher 'Raumschiffe' scheint vom Schrottplatz requiriert, die Besatzung muss sich im 27. Jahrhundert mit dem Öffnen von schon heute antiquierten Schleusenluken aus dem Interieur eines U-Bootes plagen, die Schiffe schießen Torpedos (mit Propellerantrieb?) und Lasergeschosse gibt es dann erst im 30. Jahrhundert.

Ja, irgendein Produktionsdesigner meinte wohl, dass man die Kulissenbauten eines 2. Weltkriegsfilms recyclen könne und schickte noch kurzerhand, um die Zeit- und Logikverwirrung komplett zu machen, schrottige Düsenjets in den Allkampf, die wohl schon beim Angriff auf Pearl Habour dabei waren. Da schockt es gar nicht mehr, dass die Brücke des Kommandoschiffes wie die eines mit Gasherd-Drehreglern navigierten Containerdampfers anmutet, die Kommunikationsanlagen nach Diesel zu riechen scheinen und der Kapitän kurz davor ist, sein Fernglas zu zücken, um den Horizont des Alls auszumachen - komplett verwirrt und fast schon eine Beleidigung fürs Genre. Werden die weltraummaritimen Schrottplatzvehikel ab und an durch computeranimierte, wenig spektakuläre Raumkampfsequenzen ergänzt, dringt nur bedingt ein Funken Qualität durch, der jedoch gleich wieder unter der unnötigen Last dieses intergalaktischen Mülls erstickt wird. 'Wing Commander' ist nur ein weiterer Erweis dafür, dass der Transfer des 'interaktiven' Computerspiels in einen 'passiven' Film an grundlegenden Differenzen der beiden Medienformen zumeist scheitert.

Weltraumschrott in geschmackswidrigem Produktionsdesign


Flemming Schock