Wie Feuer und Flamme

Deutschland, 94min
R:Connie Walter
B:Natja Brunckhorst
D:Anna Bertheau,
Antonio Wanneck,
Hermann Beyer,
Carmen Simone Birk
L:IMDb
„Wir bleiben hier einfach so liegen, für immer. - Und in 100 Jahren findet man unsere Skelette ineinander verschlungen. - Und in 1000 Jahren schweben wir hier einfach so rum.”
Inhalt
1982 lernt Nele (Anna Bertheau) bei einem Besuch ihrer Verwandten in Ost- Deutschland den Punkrocker Captain (Antonio Wannek) kennen. Nachdem sie seine Band kennen gelernt hat, beschließt sie deren Videoaufnahmen für ein Fernsehporträt über die Grenze zu schmuggeln. Doch die Regierung ist wenig erfreut über den fälschlich zusammengeschnittenen Bericht und wirft den Punks faschistische und verräterische Einstelllungen vor. Doch nichts scheint Neles aufkeimende Liebe zu Kapitän aufhalten zu können, nicht einmal die Berliner Mauer.
Kurzkommentar
"Wie Feuer und Flamme" wird seinem Titel leider nicht ganz gerecht, denn genau diese versprochene Dramatik bleibt in Connie Walters Ost-West- Drama uneingelöst. Stilistisch und handwerklich ist der Film einwandfrei, aber die im Ansatz gute Love-Story wird vom Potential leider nicht ganz genutzt.
Kritik
Tom Tykwers und Stefan Arndts Filmschmiede "X-Filme" hat sich ja schon seit längerem als vielversprechendste, deutsche Produktionsfirma im Filmgeschäft etabliert: "Lola Rennt", "Absolute Giganten" und "Der Krieger und die Kaiserin" sind da nur die Highlights. Mit Connie Walter unterstützen sie nun ein weiteres Talent, bleiben ihrem Stil aber treu. Wie bei Tom Tykwer stellt auch in "Wie Feuer und Flamme" die Liebe das zentrale Element dar. Nele begegnet dem rebellischen Punk bei einem kurzen Aufenthalt in Ost-Berlin, verguckt sich freilich in ihn und, schwupps, lernen sie sich kennen - und lieben.

Das größte Problem von "Wie Feuer und Flamme" ist allerdings die Unentschlossenheit der Thematik. Die Ideale der Punks werden nur gestreift, die Ost-West-Problematik zu sehr vereinfacht (vgl. die Beamten an der Grenze in Berlin, die eine steifere Miene haben als Darth Vader in seinen besten Zeiten) und die Familienprobleme von Nele und Captain stark unterbelichtet. Dadurch, daß Connie Walter aber insgesamt sehr viel Zeit auf diese Elemente verbraucht, bleibt zu wenig für die Love-Story zwischen den beiden Protagonisten. Ein schönes Beispiel ist da die Nacktszene von Nele- Darstellerin Anna Berthau, die aufgesetzt wirkt, weil sie Erotik und tiefe Gefühle ausdrücken soll, aber es zu diesem Zeitpunkt an emotionalem Fundament fehlt.

Stilistisch wandelt Connie Walter auf den fast hypnotischen Pfaden Tykwers aus "Der Krieger und die Kaiserin", was dem Film leider desöfteren etwas überfrachtet. Die Beziehung zwischen Nele und Captain ist nicht stark genug etabliert, als daß der Zuschauer bei den häufigen Bild- und Musiksynthesen nicht ab und zu das Interesse verliert und Slow-Motion, verfärbte Bilder und melancholische Musik als etwas zuviel des Guten erscheinen. Dafür sind die Darsteller größtenteils zu loben: sowohl Anna Berthau als auch Antonio Wannek können überzeugen, auch wenn die Rolle des Captain mehr Potential hatte, als es vom Drehbuch ausgearbeitet wurde.

Nichtsdestotrotz kann man sich "Wie Feuer und Flamme" recht gut ansehen. Über die angesprochenen Mängel kamen man mit zwei zugekniffenen Augen hinwegsehen, denn immerhin stimmen Optik, Darsteller und Atmosphäre. Auch der Rahmen, wie Nele im fernen Amerika den Fall der Berliner Mauer erlebt, weiß zu gefallen. Wenn Natja Bruckhorst nur noch was am Drehbuch gefeilt hätte...

Handwerklich sauber, aber etwas ziellos


Thomas Schlömer