Werner - Volles Rooäää!

Deutschland, 80min
L:IMDb
„Ab 22 Uhr wird zurückgeschissen!”
Inhalt
Im idyllischen Örtchen Knöllerup, Quasimetropole des gleichnamigen Landstriches im Norden Schleswig-Holsteins, hat sich Werner mit seiner chaotisch-stoischen Rockertruppe eingenistet. Wenn er nicht gerade mit Meister Röhrich und seinem Gesellen Eckhardt sanitäre Schmierereien verursacht, brettert er weiterhin mit seiner 'satten Literschüssel' lärmschlagend durch die friedliche Landschaft und tankt Bölkstoff. Doch die gleichgültige, kleinbürgerliche Harmonie steht im Begriff zerstört zu werden. Der alles verschlingende, totalitäre Baulöwe Günzelsen hat mit diversen Schmiergeldzahlungen fast ganz Knöllerup unter seine Herrschaft gebracht. Nun plant er ein monströses Shopping-Center zu errichten, wofür er ausgerechnet das Stadtviertel plattzuwalzen gedenkt, in dem sich Werner, Oma, Kapitän Brassman und weitere illustre Typen zu Hause fühlen. Die skrupellose Baggervisage hat nicht mit der hartnäckigen Verteidigung ihres Wohn- und Lebensraumes gerechnet. Während die Betroffenen also nicht weichen wollen, erklärt Günzelsen den Krieg und zieht alle perfiden Register.
Kritik
Vor 18 Jahren schuf Rötger Feldmann alias Comiczeichner Brösel mit Werner eine Figur, die in ihren wesentlichen Charakterzügen seinen eigenen entsprach: entkrampft, völlig hedonistisch, leicht links, aber vor allem alternativ und irgendwie Revoluzzer-like mit vulgärem Zug. Diese schräge, leicht sozialkritische Spaßphiliosophie traf genau den Nerv der Zeit, so dass heute, viele Comics, zwei sensationell erfolgreiche Leinwandauftritte und über 10 Millionen Kinobesucher später, der dritte Wernerfilm als Kultexponat über die Kinos hereinbricht.

Dass dies nicht zuletzt aus kommerziellen Erwägungen geschehen ist (Brösel braucht Geld für Bölkstoff), schlägt sich in der - im Vergleich zu den vorigen Streifen - Ideenlosigkeit der aktuellen 'Offenbarung' aus Norden nieder. Diese möchte und kann natürlich nur diejenigen ansprechen, die Werners geschmacksstrapazierenden Flachlandabenteuern bisher irgendwas abgewinnen konnten. Die anderen werden ob des ordinären Scherzniveaus zwischen Fäkalsauereien und komaprovozierendem Alkoholmissbrauch nur angewidert den Kopf schütteln und sich fragen, wodurch sie Kult definiert. Hier mitunter durch geschmackswidrige Andersartigkeit, selbstzufriedene Biermentalität und sympathieheischende Liebeserklärung an den norddeutschen Menschenschlag. Hatten aber das Kinooriginal und sein Nachfolger noch den Bonus einfallsreicher Scherzhaftigkeit, so wirkt´s im dritten Teil so, als ob zuviel Bier die Feder der Gagschreiber doch erheblich getrübt hätte.

Nicht, dass Werner-Filme sich durch originelle Handlungsfäden auszeichnen, was das dämliche Grundmotiv um einen machtgeilen Baulöwen noch verschmerzbar macht, aber es war doch wenigstens so, dass sie phasenweise durch lakonische Farce und absolut schräge Gags für niveaulose Kurzweil sorgten. Und da sich auf deutschen Leinwänden noch immer recht wenige nationale Trickfilme zeigen, wurde Werner zum Synonym für erfrischend alternativblöden Comicspaß. Lobenswert beim dritten Teil des Anarchotrips ist hingegen nur noch die Technik, in der Knöllerup mit seinen wundersamen Bewohnern präsentiert wird. So fällt auf, dass modernste Computeranimation selbst in norddeutscher Abgeschiedenheit Durchsetzung gefunden hat. Werner brettert in einer Anfangssequenz, die mit dem Motion-Capturing Verfahren aufwendig realisiert wurde, beeindruckend und sehr plastisch über die Landstraße. Zumindest hier hieft man sich auf internationales Format und kann mit Disney mithalten, während der Rest der Zeichentechnik kaum verfeinert wirkt.

Alsbald ist dann leider das abgedrehte Szenario von Ratlosigkeit ergriffen, denn konsequent blöden Witz und Gags mit hohem Brüllfaktor sucht man vergebens. Vielmehr ist das groteske Miteinander unausgegoren und überwiegend nur noch langweilig. Denn selbst, wenn man sich guten Willens zeigt, wird´s bald dröge, wenn der phlegmatische Kampf der bunten Mieterschaft gegen den Baulöwen ideenlos vor sich hindümpelt. Zwar stapft Meister Röhrich im besten norddeutschen Akzent von einer Katastrophe in die nächste und auch eine gewagte Hitlerparodie sorgt für makabre Lacher, aber 'Volles Rooäää!' ist hier gar nichts. Da ist besonders sträflich, dass die Vehikel der 'satten Literschüsseln' rein gar nicht mehr zum Einsatz kommen und der Straßenterror völlig vergessen wird. Der 'Kanalisator' Röhrichs lässt am Schluss die ganze Einfallslosigkeit in Scheisse versinken - zwar obligatorisch für den Wernerkult, doch auch urteilsfällend über die Frage nach dem Gelingen des dritten Teils. Monoton, noch immer von Stereotypen des Originals lebend und ohne Schwung - schade eigentlich, denn von Oma, über Röhrich bis Kapitän Brassmann hat Brösel liebenswerte Comiccharaktere geschaffen, denen man bessere Auftritte gewünscht hätte. Ob sich Werner nun als Kassenmagnet totgelaufen hat, wird sich zeigen, inhaltlich hat er´s.

Einfallsarme Comicfarce mit schwindendem Kultbonus


Flemming Schock