Viktor Vogel - Commercial Man

Deutschland, 108min
R:Lars Kraume
B:Lars Kraume, Tom Schlessinger
D:Alexander Scheer,
Götz George,
Chulpan Khamatova,
Maria Schrader
L:IMDb
„Vogel, sie sind out! - Aber out ist doch jetzt in! - Ne,ne, in ist out. - Aber wenn in out ist, ist doch out in und deshalb bin ich wieder in, oder?”
Inhalt
Viktor (Alexander Scheer, "Sonnenallee") träumt von Ruhm, Erfolg und Geld in einer großen Frankfurter Werbeagentur. Uneingeladen macht er sich auf zu einem Vorstellungsgespräch bei Brainstorm und gerät ausgerechnet mitten in eine wichtige Präsentation für die neue Opel-Kampagne. Der Eindruck, den Viktor dort hinterlässt, ist zwar bleibend, für einen Karrierestart jedoch denkbar ungeeignet. Agentur-Boss Werner Stahl (Vadim Glowna) und Creative Director Eddie Kaminsky (Götz George) setzen den ungebetenen Gast postwendend vor die Tür, haben aber nicht mit der zielstrebigen Opel-Marketingdirektorin Johanna von Schulenberg (Maria Schrader) gerechnet, die Gefallen an Viktors unkonventioneller Art gefunden hat. Da der Kunde König ist, wird Viktor zurückgeholt und soll Brainstorm mit seinen "frischen Ideen" dabei helfen, den Opel-Etat zu gewinnen. Überglücklich hat Viktor nicht nur seinen Traumjob bekommen, sondern obendrein in Rosa (Chulpan Khamatova, "Tuvalu") auch seine Traumfrau gefunden. Doch schon bald steht er vor seinem ersten Dilemma und muss sich zwischen Freundschaft und Karriere, Liebe und Verrat entscheiden.
Kurzkommentar
Kinodebütant Lars Kraume bietet uns mit "Viktor Vogel" eine zunächst schleppende und dramaturgisch etwas holprige Dramatic Comedy, die mehr und mehr an Fahrt gewinnt und nicht mit kleinen Überraschungen und letztendlich doch gelungen Charakteren geizt. Dank der Darsteller außerdem immer locker und nie klischeedurchtränkt.
Kritik
Die noch junge, deutsche Produktionsfirma "Deutsche Columbia Pictures Filmproduktion GmbH" legt mit "Viktor Vogel - Commercial Man" erst ihren zweiten Film vor. Der erste war "Anatomie", der zwar wenig innovativ, aber doch äußerst erfolgreich war und mit über zwei Millionen Kinobesuchern keinen besseren Start für das frische Unternehmen hätte darstellen können. Regisseur und Drehbuchautor war Lars Kraume, für den "Viktor Vogel" der erste Kinofilm war, der aber offensichtlich schon mit seinem Abschlussfilm "Dunkel" einige Verantwortliche beeindruckt haben muß. Wenn dann noch namhafte Schauspieler wie Götz George und Alexander Scheer (der ohne den Erfolg von "Sonnenallee" die Rolle wohl nicht bekommen hätte) für das Projekt gewonnen werden, dürfte das die halbe Miete sein.

Ist es dann auch, denn trotz Anlaufschwierigkeiten ist "Viktor Vogel" eine gar nicht mal so dumme, dramatische Komödie mit dem richtigen Biss, den so manche US- Produktionen vermissen lassen. Das aber auch nur dank der zweiten Stunde des Films, denn das Problem bei "Viktor Vogel" ist: Regisseur Kraume sagt, er habe gar keinen filmischen Rachefeldzug gegen die Werbebranche führen wollen, sondern wollte die Personen, ihre Schicksale und natürlich ihre Beziehungen zueinander in den Vordergrund stellen. Nun, genau an der Stelle haperts aber leider: Viktor Vogel ist mindestens so durchgeknallt wie sein Name, was freilich nicht direkt negativ zu beurteilen ist (es passt in die Werbebranche), aber spätestens dann nervt, wenn Alexander Scheer mit seinem teilweise wirklich dämlichen Gehampel dem Zuschauer keine ruhige Minute gönnt. Seine Beziehung zu Rosa (mit den Namen hatte es Lars Kraume anscheinend) ist dabei gar nicht mal ungeschickt ausgearbeitet (beide können sich kaum an ihre gemeinsame Nacht erinnern, fühlen sich aber trotzdem beim anderen wohl), jedoch etwas dürftig inszeniert. Vogel überspannt den Geschmacksbogen andauernd und es bleibt völlig unklar, was Rosa so sehr an ihm findet. Ja, Seelenverwandtschaft spricht sie an, aber nur weil beide Interesse in Kunst und Design, in kreativer Arbeit haben? Naja, naja. Vielleicht resultiert das etwas unterkühlte Verhältnis aber auch aus der nicht ganz stimmigen Chemie zwischen Scheer und der ansonsten talentierten, russischen Jungdarstellerin Chulpan Khamatova. Das wird besonders deutlich als die beiden ein Wochenende am Strandhaus von Kaminsky verbringen. Musikuntermalte, dialogarme Spaßmomente sollen da die innere Verbundenheit verdeutlichen, aber irgendwie bleibt zu diesem Zeitpunkt (der einfach zu früh ist) beim Zuschauer alles kalt.

Das hört sich jetzt wahrscheinlich schlimmer an, als es ist, denn es folgt die zweite Hälfte des Films, die wesentlich besser, weil ereignisreicher, straffer und bissiger ist als die erste. Hier konzentriert sich das Geschehen nämlich hauptsächlich auf Viktors Zwiespalt zwischen Freundin/Karriere und seinem witzigen Verhältnis zu Götz Georges Charakter Kaminsky, die beide die Eigenarten des anderen annehmen und dank Götz George für eine Menge Komik sorgen. Und wenn nochmal etwas von der Beziehung zwischen ihm und Rosa eingestreut wird, so wirkt es viel lockerer, nicht so verkrampft wie noch zu Beginn und mit griffigen Dialogen durchsetzt. Besonders gefällt auch, daß die letzen 30 Minuten einige kleine Überraschungen auf Lager haben, die man dem bis dahin recht glatte Streifen gar nicht zugetraut hätte. Sowohl Götz Georges (persönliche) Idee, den Film enden zu lassen, als auch die Art und Weise wie Viktor Vogel sich an manchen Weichen entscheidet bleibt nicht unbedingt vorhersehbar und Regisseur Kraume tat gut daran, dem Zuschauer ein dickes Happy-End zu ersparen. Auf wunderbare Weise fügen sich außerdem noch diverse Nebencharakter ins Geschehen ein (Maria Schrader als Kratzbürste von Opel spielt köstlich), so daß der amüsante und recht kritische Kinoabend doch noch gerettet ist.

Unausgewogenes, durchschnittliches Drama, aber bissige Werbesatire


Thomas Schlömer