Unbreakable - Unzerbrechlich
(Unbreakable)

USA, 106min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:M. Night Shyamalan
B:M. Night Shyamalan
D:Bruce Willis,
Elijah Price,
Robin Wright,
Spencer Treat Clark
L:IMDb
„Sind Sie in Ihrem Leben jemals krank gewesen?”
Inhalt
131 Todesopfer fordert ein verheerendes Zugunglück vor den Toren von Philadelphia. Nur David Dunne (Bruce Willis) überlebt - ohne eine einzige Schramme. Geplagt von Eheproblemen sucht der einfache Mann nach einer Erklärung, nach einer Bedeutung des Wunders. Doch erst als Elijah Price (Samuel L. Jackson), ein Mann mit Knochen aus Glas, in sein Leben tritt, bahnt sich eine unglaubliche Erklärung für Davids Unzerbrechlichkeit an.
Kurzkommentar
Kaum ein Regisseur in Hollywood schreibt heutzutage seine Drehbücher noch selbst. Und dazu noch dermaßen Gute. M. Night Shyamalan ("The Sixth Sense") ist sein Bemühen um eine originelle und spannende Geschichte hingegen in jeder Sekunde anzumerken und allein das sollte honoriert werden. Trotz seiner handwerklich exzellenten Umsetzung wird "Unbreakable" jedoch längst kein Film für jedermann sein, weshalb eine echte Empfehlung schwer fällt. Mehr denn je, eine persönliche Erfahrung.
Kritik
Ziemlich genau vor einem Jahr gelang einem bislang kaum beachteten Regisseur die Überraschung Hollywoods. Der gebürtige Inder M. Night Shyamalan schuf mit "The Sixth Sense" nicht nur einen der überraschungsreichsten Streifen der Filmgeschichte, sondern sein Thriller avancierte auch mal eben zum zehnt-erfolgreichsten Film aller Zeiten, verhalf Bruce Willis wieder zu ungeahntem Topstatus und feierte mit Haley Joel Osment einen der talentiertesten Neuentdeckungen seit Jahren. Was die Zuschauer an "The Sixth Sense" so faszinierte war wohl das unbestreitbar geniale Gesamtkonzept - trotz einiger Hinweise ahnten die Wenigsten das plotkippende Ende und waren anschließend umso verblüffter, daß ein solch ausgeklügeltes Spiel mit ihnen getrieben worden war.

Umso höher sind die Erwartungen natürlich an Shyamalans neuen Film, "Unbreakable", der trotz recht innovativer und vor allem interessanter Story ein wenig nach "sichere Geldmaschinerie" riecht. Eindringliche Atmosphäre, mystischer Touch, gleicher Hauptdarsteller, gleicher Komponist - man könnte fast meinen, Shyamalan wolle keinerlei Risiko eingehen. Doch gerade ein von der Kritik gefeierter Regisseur weiß genau, daß sich vor allem ein künstlerischer Erfolg nicht ohne Mühe und Arbeit wiederholen läßt. Und so griff Shyamalan tief in die Ideenkiste und vermag uns eine weitere hochspannende Geschichte aufzutischen: ein einfacher Mann ist der einzige Überlebende eines sonst tödlichen Zugunglücks und scheint unverletzlich zu sein. Nie etwas gebrochen, nie krank gewesen, kein Schnupfen, keine Grippe, keine Wunden. Vom Grundansatz erinnert das etwas an Peter Weirs "Fearless" von 1993, in der Jeff Bridges als Einziger einen Flugzeugabsturz überlebte und sich von diesem Zeitpunkt an für unverwundbar hielt.

Aber schon hier enden die Parallelen, denn Shyamalan geht es wie in "Sixth Sense" eher um das unheimlich Irreale, das unerklärbar Mystische. Oder zumindest dürften das die meisten Zuschauer nach "The Sixth Sense" und den Trailern zu "Unbreakable" erwarten. Daß der Film sich hingegen fast schon gänzlich anders versteht, wird erst nach der ersten Viertelstunde klar. Im Prinzip wäre dieses kleine, aber entscheidende Filmdetail hier angebracht, um eine eindeutige Empfehlung oder Warnung aussprechen zu können und Zuschauern, die mit dieser Art Story nichts anfangen können, ihre Enttäuschung zu ersparen. Im Anschluß an diese Kritik finden Sie deshalb zwei weitere Bereiche: im ersten wird eben dieses kleine Detail verraten, vermiest einem aber durchaus nicht den ganzen Spaß am Film und ist eher als erwartungskorrigierender Hinweis zu verstehen. Der Zweite hingegen diskutiert das Ende und das Gesamtkonzept des Films und ist dementsprechend erst dann zu lesen, wenn man den Streifen schließlich gesehen hat.

Auf der andernfalls oberflächlichen Ebene bleibt hingegen nur Shyamalans Handwerk zu kritisieren: seine Handschrift ist unverkennbar - dazu ähneln sich "Unbreakable" und "Sixth Sense" sowohl atmosphärisch als auch stilistisch zu sehr. Mit kunstvoller Langsamkeit läßt er die Kamera über die Gesichter seiner Charaktere fahren, läßt sie manchmal sogar für mehrere Minute bewegungslos und konzentriert sich allein auf Story und Dialoge. Und hier beweist Shyamalan sein außerordentliches Regietalent. Schon nach der kurzen Zugszene - von der Kamera stimmig zwischen zwei Zugsitzen eingefangen - scheint Bruce Willis' Charakter David Dunn auf einen Schlag charakterisiert. So perfekt baut Shyamalan die Situation auf, so griffig wirken die Dialoge. In Kombination mit den weichen Ein- und Ausblendungen zwischen zwei Szenen umhüllt er seinen Film mit einer fast unwiderstehlichen Anziehungskraft, der das Geschehen trotz folgender dramaturgischer Schwächen kaum langweilig wirken läßt.

Doch genau hier liegt der Hund begraben: viele dürften den Erzählrhytmus trotzdem für viel zu langatmig halten, die Dialoge wenig pointiert und vielleicht sogar stumpfsinnig. Daß liegt vor allem an der Grundakzeptanz des Storyansatzes, den man den Trailern nach nicht erahnen kann - daher wohl nicht zuletzt die Enttäuschung vieler Kritiker aus den USA. Ist man über die grundsätzliche Neuorientierung hingegen hinweg und betrachtet man den Film von vorneherein aus diesem Blickwinkel, offenbart sich ein subtiles Meisterwerk. Unheimlich effektiv spielt Shyamalan mit den Kontrasten Ruhe / Lärm und Zeitlupe / Zeitraffer und isoliert die Empfindungen der Charaktere mal wieder aufs Vortrefflichste. Wenn David Dunn in der großen Eingangshalle steht, von Bruce Willis Charisma perfekt getragen, und bei Berührung mit umhereilenden Personen urplötzlich von geflashten Einbildungen überrannt wird, dazu der im Laufe des Films immer besser werdene musikalische Hintergrund James Newton Howards einsetzt, ist Gänsehaut angesagt.

Trotzdem möchte ich betonen, daß viele von "Unbreakable" weit weniger euphorisch reden werden, wie diese Kritik den Anschein erwecken mag. Es gibt sehr viele Kleinigkeiten, die in "Unbreakable" stören und eine eher solide Wertung objektiv als gerechter erscheinen lassen. Der ganze Ansatz dürfte manchem lächerlich erscheinen, manche Reaktion von David Dunn's Sohn überzeichnet (die Waffendrohung) und diverse Situationen ziemlich albern (das Gewichtestemmen, Bruce Willis als Retter in Slasherkutte) und nicht zuletzt das Ende enttäuschend. Aber irgendwie verleiht Shyamalan seinem Film dieses Magische, diese unerklärbare Anziehungskraft, gekröhnt von einem, wie ich finde, furiosen Finale. Beinahe wieder genial - gerade wenn sich das Gerücht, daß es sich bei "Unbreakable" um den ersten Teil einer Trilogie handelt, als wahr herausstellen sollte. Klingt nach Trendwelle, scheint aber nicht an den Haaren herbeigezogen.

Doch man muß das Ende auch relativ betrachten: es handelt sich hier nicht um die ultimative Kehrtwende, die diesen Wow-Effekt aus "Sixth Sense" erzeugt. Vielmehr vermutet man den Ausgang unterbewußt, ist ob seiner plötzlichen Visualisierung aber trotzdem irgendwie beeindruckt. Aufgesetzt und gezwungen wirkte er auf mich deswegen keineswegs, wie diverse US-Kritiker zu bemängeln hatten - eher konsequent und ehrlich.

Ungemein intensiver, gleichzeitig zwiespältiger und gewagter Thriller


Thomas Schlömer