Rushmore

USA, 93min
R:Wes Anderson
B:Wes Anderson, Owen Wilson
D:Jason Schwartzman,
Bill Murray,
Olivia Williams
L:IMDb
„Ich habe mich in Oxford und an der Sorbonne beworben - Harvard ist nur meine Notlösung.”
Inhalt
Max Fischer ist gerade mal fünfzehn, Schüler der Eliteschule Rushmore. Er ist Vorsitzender der Theatergruppe, des Debattier-, des Bienenzüchter- und des Schach-Clubs, des Deutsch-, Französisch-, Astronomie- und Kaligraphie-Vereins, steht dem Völkerball-, Tontaubenschieß-, Lacrosse- und Fecht-Verein vor ist und Herausgeber und Chefredakteur des "Yankee Review". Es gibt da nur ein Problem: Max Fischer ist einer der schlechtesten Schüler Rushmores. Und kurz vor seinem Rauswurf wegen zu schlechter Noten verliebt sich Max dann auch noch in die Lehrerin Rosemary.
Kurzkommentar
All jene Kritiker, die "Rushmore" gleich zur besten Komödie des Jahres ernennen, Bill Murray in seiner besten Rolle sehen und den Film zu einem Meisterwerk küren, übertreiben gnadenlos. Aber dennoch ist "Rushmore" ziemlich witzig.
Kritik
Gleich vorweg: Eine solch seltsame und krude Story ist mir bisher noch nie untergekommen. "Rushmore" ist voll von sehr seltsamen, aber lustigen Ideen, ziemlich abgefahrenen Storywendungen, die aber alle irgendwie funktionieren, und vor allem wimmelt es von sehr, sehr, sehr, sehr seltsamen Typen in diesem Film. Neben Max Fisher wäre hier vor allem Mr. Blume zu nennen, gespielt von Bill Murray, der eine bemerkenswerte (wenn auch keine meisterhafte) Rolle spielt. Der Grund, weshalb "Rushmore" bei den amerikanischen Kritikern so überaus gut ankommt, ist wahrscheinlich, dass sie durch ihr eigenes Schulleben eine etwas andere Art der Sozialisation und Sensibilisierung erfahren haben - vielleicht erscheinen einem amerikanischen Schüler die zahlreichen schrägen Figuren gar nicht allzu weit von der Realität entfernt.

Das Besondere an "Rushmore" ist schwer zu beschreiben. Ich glaube, die Unglaublichkeit dieses Films liegt darin begründet, dass hier ein Arsenal an Abstrusitäten in einer völlig klassischen Weise präsentiert wird: als typische Highschool-Geschichte, nur diesmal etwas anders. Vielleicht hilft ein kurzer Einblick: So präsentiert Max seinen Vater allen anderen stolz als Neurochirurg. Als sich dann herausstellt, dass er nur Friseur ist, ist der lapidare Kommentar: "Das verwechseln die Leute oft." An Absurdität zu übertreffen ist auch kaum jene Szene, in der Max Fischer mitten auf dem Football-Feld die Grundsteinlegung eines gigantischen Aquariums zelebriert, um seine Angebetete zu beindrucken. Hier zeigen sich all die typischen Highschool-Chraktere, vom der Ohmnacht nahestehenden Direktor hin zum hysterischen, schnauzbärtigen Football-Coach. Und mitten drin, in der größten Überzeugung das Richtige zu tun, Max Fischer, den Spaten in der Hand.

Leider gehen all diese Seitenhiebe hierzulande etwas ins Leere - man muss sich den typischen Vater verwöhnter Upper-Class-Bengel schon absichtlich vorstellen, um den ganzen Witz an Mr. Blume begreifen zu können. Auch der Witz mit den Krawatten erschliesst sich nicht so ohne weiteres. Das macht es schwer, dem Film mit reiner, unbedachter Leichtigkeit folgen zu können. Einfacher hat man es da, wenn man genügend Highschool-Filme, vorwiegend aus den 70ern, gesehen hat. Auch hat der Film so seine Längen und Wiederholungen, manche der entwickelten Charakere bleiben ob des überall in diesem Film grassierenden Wahnwitzes dann doch zu blass, geradezu zu ernst. Zumal man, etwas verkrampft hinter die Kulisse blickend, natürlich auch einige ernste Themen erkennen kann, der Film greift das sogar selbst kurz auf.

Diese Momente in "Rushmore" sollten aber auf keinen Fall überbewertet werden - der Film schreit danach, keinesfalls ernst genommen zu werden, und wer sich ein bisschen in die amerikanische Gesellschaft hineinversetzen kann, dem steht mit "Rushmore" ein reichlich ungewöhnlicher, abstruser, aber witziger Abend bevor.

Herrlich abstruse Highschool-Geschichte mit eingeschränkter Zielsicherheit


Wolfgang Huang