Romeo must die

USA, 115min
R:Andrzej Bartkowiak
B:Mitchell Kapner, Eric Bernt
D:Jet Li,
Aaliyah,
Delroy Lindo,
DMX,
Isaiah Washington
L:IMDb
„Das .... war ein Fehler”
Inhalt
Als sein Bruder im rivalisierenden Kampf zweier mächtiger Familien brutal ermordet wird, beschließt Han Sing (Jet Li) kurzerhand aus seiner Gefangenschaft in Hong Kong auszubrechen, den Mord des Bruders aufzuklären und zu rächen. In den USA gerät er nun ins Spannungsverhältnis der beiden Anführer, Chu Sing (Han's Vater) und Isaak O'Day (Delroy Lindo) bzw. der chinesichen und afro-amerikanischen kriminellen Organisationen. Als mehr und mehr klar wird, daß ein großer Schlag bevorsteht, kooperiert Han mit O'Day's Tochter Tricia (Aaliyah) und lernt sie nicht nur als Partner der Gerechtigkeit schätzen.
Kurzkommentar
Andrzej Bartkowiak's Regiedebüt "Romeo must die" leidet an vielen Kleinigkeiten, die so manchem den Film komplett versauen könnten. "Matrix"-Produzent Joel Silver hatte eindeutig zu sehr seine Finger im Spiel. Die Fähigkeiten Jet Li's werden ebenso verfälscht wie die klassische Romeo und Julia-Geschichte. Drückt man allerdings ein Auge zu, so bleiben dem vernachlässigten Actionfreund noch genügend Argumente, die einen Kinobesuch rechtfertigen.
Kritik
In der hoffnungsvollen Erwartung eines reinrassigen Actionfilms betritt man das Kino, nur um sich dann von vielen Kleinigkeiten den Spaß verderben zu lassen. "Romeo must die" bietet kurzweilige Action, teils spektakuläre Stunts und sympathische Darsteller. Dazu eine erstaunlich solide Hintergrundstory und fertig ist der stumpfe, aber spaßige Actionabend - der Film hätte so wunderbar den Durst nach coolem Actiongeschehen stillen können.

Doch was bitte schön haben sich Kameramann und Debütregisseur Andrzej Bartkowiak sowie Produzent Joel Silver dabei gedacht, die Kung-Fu Kämpfe computerunterstützt zu "verbessern" !?
Was im großen Vorbild "Matrix" dank des Science-Fiction Ambiente wegweisend, atemberaubend und vor allem passend wirkte, ist in "Romeo must die" absolut deplaziert und teilweise lächerlich. Slow-Motions, wo keine hingehören, physikalisch vollkommen überzeichnete Bewegungen und unausgereifte Schußszenen lassen das Geschehen so unglaubwürdig wirken, daß selbst der hartgesottenste Kung-Fu Fan sich die Haare rauft. Wie man es richtig macht, hat Regisseur-Idol John Woo doch eigentlich schon häufig genug gezeigt.
Erinnernd man sich zudem an Jet Li's pfeilschnelle Aktionen aus "Lethal Weapon 4" zurück, so wirkt es umso unglaublicher, daß die Produzenten jeglichen Staunfaktor durch die Computernachbearbeitung zunichte gemacht haben. Jackie Chan ist doch gerade wegen seiner realistischen Schnelligkeit so beliebt - auch Jet Li hätte das, um Eindruck zu schinden, wirklich nicht nötig gehabt.
Aber nein, "Matrix" war wegen seiner Coolness so erfolgreich, daß Joel Silver um jeden Preis Parallelen in "Romeo must die" einbauen mußte. So etwas nennt man "verschlimmbessern" ...

Nichtsdestotrotz sollten Actionfans durchaus einen Blick riskieren. Das Genre kämpft zur Zeit eh mit einem quantitativen Tief - außer "Mission Impossible 2" ist auf absehbare Zeit kein vergleichbarer Film in Sicht. Die übertriebene Darstellung kommt letztlich doch eher selten zum Einsatz, manche Kameratricks (allen voran die Röntgenperspektive) sind durchaus gelungen, lockere Sprüche gibt's auch ein oder zwei und teils kommt auch geringfügig Spannung auf.
Die Story ist für reine Hong Kong-Action gar erstaunlich reif. Das liegt allerdings nicht an den (sehr) losen Parallelen zur klassischen Romeo und Julia Erzählung, sondern viel mehr an der lockeren Erzählweise - bis zu einem guten Drittel des Films blickte man jedenfalls noch nicht durch die ganzen Zusammenhänge und das ist sicherlicher mehr, als man in diesem Genre sonst aufgetischt bekommt. Trotzdem darf der Handlungsaspekt natürlich nicht überbewertet werden - das ganze soll schließlich nur das Martial Arts-Gehaue möglichst stilvoll verknüpfen. Und warum nicht eines bewährten Konzepts bedienen, wenn es die Ansprüche mehr als ausreichend erfüllt !?

Vergißt man also den dauernden Hip-Hop, die stereotypen Elemente, die übertrieben dargestellte Vater-Tochter Beziehung und sieht man über die lächerlichen CGI-Verschlimmbesserungen hinweg, so kann man sich doch noch recht kurzweilig unterhalten - als Actionfreund wohlgemerkt.

Überzeichnetes Martial-Arts in solidem Action-Ambiente


Thomas Schlömer